Weltläufigkeit in Gothas Herzoglichem Museum, und das Goldene Zeitalter ist dort nicht nur Verheißung. „Schöner als die Wirklichkeit“:

Auch nach dem Ende der Thüringer Landesausstellung „Die Ernestiner“ lohnt sich ein Besuch in Gotha. So führte Dr. Timo Trümper am Sonntag, den 04.09.2016 durch die kleine, aber exklusive Ausstellung „Schöner als die Wirklichkeit – Die Stillleben des Balthasar van der Ast (1593/94 - 1657)“. Mehr als 20 interessierte Besucher folgten den Ausführungen des Kurators.
Mit wachsender Begeisterung erzählt Dr. Trümper von Baltasar van der Ast, der „zwar gemeinhin eher zur zweiten Reihe gezählt, lohne aber, entdeckt zu werden. Auf dem Kunstmarkt sind seine Bilder hoch begehrt – und folglich über die ganze Welt verstreut.“ Zu den öffentlichen Leihgebern zählen die National Galle¬ry London, das Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, das Rijksmuseum Amsterdam, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin, das Ashmolean Museum in Oxford sowie Häuser in Utrecht, Dordrecht, Rotterdam, Enschede und Lille.
„Wir zeigen eine kleine Ausstellung ausgesuchter Spitzenwerke“, kündigt Trümper an. Das genüge, um das vergleichsweise schmale Motivrepertoire des Malers zu veran-schaulichen – Blumen und Früchte, Insekten, Eidechsen und Weichtiere. Das allerdings ist keineswegs so langweilig, wie man meinen könnte. Sobald Trümper nach den Bildern gefragt wird, blüht der promovierte Kunsthistoriker regelrecht auf.
Ich muss ehrlich gestehen, auch mir war der Maler nur dem Namen nach bekannt. Nicht seine Fachgröße und schon gar nicht die Einsichtigkeit und der Wert seiner Bilder. Mit „Kleinem Pinsel“ malte Van der Ast seine Stillleben detailgetreu und täuschend echt. Für seinen exklusiven Kundenkreis malte er übige Blütenpracht, teils exotischer Blumen, die jahreszeitlich nicht zusammen passen. Dabei gönnt sich der Maler den Spaß, den Betrachter zu täuschen. Zum Beispiel schmückte er seine Komposition auf dem Gothaer Gemälde „Stillleben in einem Römerglas“ mit einer Fliege in etwa natürlicher Größe. Als wolle er beweisen, dass er sogar schöner als die Wirklichkeit malen kann. Aber auch andere Exoten, wie Muscheln, Mollusken, Schnecken oder Chinesische Gefäße finden sich auf den Gemälden Van der Ast. Insgesamt führen seine Werke den Betrachter ins Goldene Zeitalter, in dem die Käufer mit den Gemälden von Balthasar Van der Ast sich Luxusgüter, wie vergängliche Tulpen oder Nelken, lange erhalten wollten und ganz dezent ihren Wohlstand präsentierten.
Die Kleine Ausstellung im Herzoglichen Museum ist auf jeden Fall ein Fest für die Augen und mit den Erläuterungen Dr. Trümpers zu Entstehungsumstände, Techniken und zu dem Maler Van der Ast begibt sich der Besucher auf eine Zeitreise in die Kulturgeschichte, die mit dem Geist der Herzöge auf Friedenstein – ihrer Lust an Exotika und exquisiten Sinnesfreuden, aber ebenso an der Naturforschung – vielstimmig korrespondiert.

Noch bis 3.10.2016 können die 40 besten Bilder und Zeichnungen des in Middelburg geborenen Meisters Balthasar van der Ast, sowie einigen Stücken seines Lehrmeisters Ambrosius Bosschaert und Roelant Savery betrachtet werden.

Autor:

Birgit Baier aus Gotha

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