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„Ehrlich gesagt . . .“ - (Schlimm, dies zu hören! Oder sehe ich das falsch?)

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(Sprechweise mal näher betrachtet:)
Immer, wenn ich „ehrlich gesagt“ höre, sträubt sich mir das Gefieder, schaue ich mir denjenigen genauer an, wird er für mich hochinteressant!
Einerseits möchte ich hören, was er zu sagen hat und mit welcher Mimik er dies begleitet.

Eigentlich sollen diese beiden Worte unterstreichen, dass sich daran eine fundierte Meinung anschließt, die fest im Innersten verankert ist.
Aber für mich besagen sie, dass der jenige zuvor oder sonst überhaupt nicht ehrlich spricht, wenn er das hervorheben muss! Deshalb stutze ich!

Sehr oft habe ich bei Menschen mit „ehrlich gesagt“ feststellen können, dass sie damit ihren Worten nur ein größeres Gewicht geben wollen und sie auch ohne dies auskämen.
Bei einigen ist es schon ein geflügeltes Wort wie bei anderen das Verlegenheits-„Äh“ und hat somit keinerlei Bedeutung.

Sehr hellhörig werde ich, wenn in Diskussionen zu strittigen Sachverhalten das „ehrlich gesagt“ eingeflochten wird. Da ist es nicht allein die Hebung der Bedeutung sondern ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Folgende im Grunde unverrückbar zu sehen und deshalb voll und ganz zu akzeptieren sei. Also ein Druckmittel, welches dem Gegenüber gleichzeitig unterstellt, dass seine Meinung nicht oder eben nicht so umfassend den Gegebenheiten entspricht.

Auch dann noch kann ich reiner Zugucker sein. Wenn dazu allerdings Hochnäsigkeit oder Abfälligkeit in den Gesten begleitend zu registrieren sind, passiert es mir nicht selten, dass ich mich einmische(n möchte).
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Ein wenig vergleichbar ist das mit dem bayrischen „Passt schon!“
Hier gesteht man allerdings dem Gegenüber eine gewisse Berechtigung seiner Meinung zu, da sie zum selbst Gesagten passend ist. Liegt der Gegenüber auf der richtigen Strecke, kürzt man die Diskussion ab mit „Passt schon!“
Gegebenenfalls wird man später noch einmal darauf zurückkommen müssen, um ganz konkret zu werden – wobei man den Gegenüber sich noch etwas zurechtschieben kann.

Wenn „Passt schon!“ allerdings scharf wiederholt wird, hat es eine andere Bedeutung!
Es zeigt unmissverständlich, dass man über das Gesprächsthema jetzt und hier kein Wort mehr verlieren möchte. Das Thema ist gegessen!
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Mir ist es am liebsten, wenn mein Gegenüber einfach sagt, was und wie er denkt, ich das auch so erkennen kann und vor allem eine klare Ansage bekomme. Inwieweit das ehrlich gemeint ist, wird sich darauf folgend zeigen. Daraus ergibt sich mit der Zeit meine Meinung zu diesem Menschen und auch eine Sicht, wann er etwas ehrlich sagt und wann nicht. Er braucht das nicht herauszustreichen.

Hm – nun weiß ich gar nicht, ob solche Gedanken in den mA passen?
Wenn nicht, bitte ich den Leser, sie als ungeschrieben zu betrachten – und mir einen kleinen Hinweis zukommen zu lassen.

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