Hommage an die die Residenzstadt
Heimatforscher Matthias Wenzel lädt zum nostalgischen Spaziergang durch Gotha ein

Nicht nur bei den Arbeitern beliebt war einst der hier abgebildete Volksgarten.
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  • Nicht nur bei den Arbeitern beliebt war einst der hier abgebildete Volksgarten.
  • Foto: Archiv: Jürgen Hißner
  • hochgeladen von Michael Steinfeld

Die Damen tragen Kleider, die Männer Anzüge, niemand ist ohne Hut unterwegs. Kein Auto weit und breit, der Verkehr besteht nur aus Pferdekutschen, Radfahrern und der Straßenbahn. Es wirkt alles ruhig und beschaulich im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Der neue Bildband des Heimatforschers Matthias Wenzel entführt den Betrachter in eine Zeit, als Gotha noch Haupt- und Residenzstadt des gleichnamigen Herzogtums war. Dank 178 farbiger Postkarten zeigt „Gotha wie es früher war“ einen bunten Alltag, den wir eigentlich nur von Schwarz-Weiß-Aufnahmen kennen. Doch für die Ansichtskarten, kolorierten die Fotopioniere die Motive damals zunächst per Hand nach. Ab 1900 brachten die Postkartenhersteller dann massenhaft Farblithografien auf den Markt, die von echten Farbfotos kaum zu unterscheiden waren.

Schloss Friedenstein mit rotem Dach

„Die Herausforderung für die Verleger war, die Schwarz-Weiß-Motive so naturgetreu wie möglich farbig zu gestalten. Es gibt Beispiele, die ich nicht verwendet habe, wo unser Schloss Friedenstein statt einem Schieferdach ein rotes Dach hat“, erklärt Wenzel, der seit 15 Jahren Gothaer Postkarten sammelt. Die Bilder im Buch stammen größtenteils aus seiner Sammlung. „Der Verein für Stadtgeschichte, dem ich vorstehe, sammelt auch Digitalbilder. Wenn sich mal jemand nicht vom Original trennen will, können wir die Bilder zumindest einscannen.“

Dank der Unterstützung befreundeter Sammler lädt der Heimatforscher zum lückenlosen Stadtspaziergang ein, der mit Fotos aus der Vogelperspektive beginnt. 1910 wurde in der Töpfleber Flur eine Zeppelinhalle erbaut. „Ab dann wurden Unmengen von Luftaufnahmen gemacht. Sie waren etwas Besonderes, denn es hatte sie bis dato so nicht gegeben“, weiß Wenzel.

Auch wenn die Fotos teilweise über 100 Jahre alt sind, hat sich Gotha gar nicht so stark verändert. „Gotha ist recht glimpflich durch den Zweiten Weltkrieg gekommen. Es gibt kaum ein Motiv, auf dem man nicht zumindest irgendetwas wiedererkennt“, erklärt Wenzel. Einige verschwundene Bauwerke vermisst der Heimatforscher aber sehr wie die Freimaurerloge am heutigen Ekhofplatz oder das Schlosshotel, aus dessen Ruinen das Neue Rathaus entstanden ist. „Der größte Kriegsverlust war unser schönes Landestheater nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel.“

Fünf Sekunden ruhig stehen

Die Ansichtskarten zeigen aber nicht nur Gebäude, sondern immer wieder Menschen. Angesichts der damaligen Belichtungszeiten war dies eine Herausforderung für die Fotografen. „ Ein Postkartenverleger war dafür bekannt, dass er immer seine Familienmitglieder genutzt hat, weil diese in der Lage waren, auch mal fünf Sekunden ruhig stehen zu können.“ Manchmal retuschierte man die Personen auch ins Bild. „Das war leichter, als es mit einem echten Foto zu probieren. Es wurden viele Tricks angewandt, die heute in der digitalen Zeit selbstverständlich sind.“

Bearbeitet hat Wenzel die Fotos ebenfalls oftmals, um die Grüße der beschrifteten Ansichtskarten zu entfernen. Das muss er auch für sein nächstes Projekt mit Postkarten, die Gotha im 19. Jahrhundert zeigen. Dieses Buch soll im Herbst 2019 erscheinen.

Buchtipp:
„Gotha wie es früher war“ von Matthias Wenzel, Sutton-Verlag

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