Sie lassen ihre Kirche im Dorf

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Knauf-Orgel in Schönau v.d. Walde bedarf dringend einer Kur / Unternehmer und Kirchgemeinde engagieren sich

SCHÖNAU. Die Holzwürmer haben leichtes Spiel und lassen sich das wertvolle Holz schmecken. Die Luft pfeift durch die Risse des Blasebalgs und sorgt für ein gewisses Pfeifen. Dazu knackt und ächzt die Mechanik beim Spiel. So die kurze Bestandsaufnahme der Schäden an der Knauf-Orgel in der Kirche in Schönau vor dem Walde. „Das historische Instrument braucht dringend eine Kur“, sagt die ordinierte Gemeindepädagogin Cindy Havelberg, die für die Kirchgemeinde zuständig ist. „Trotzdem bin ich froh, dass die Orgel immer noch einigermaßen bespielbar ist und die Schäden nicht zum Totalausfall führen. Denn zu unseren Gottesdiensten alle zwei Wochen habe ich Ehrenamtliche, die es verstehen, der Orgel noch ganz achtbare Töne zu entlocken“, erzählt die junge Frau aus Tabarz. Auch zwischen den Andachten muss die in die Jahre gekommene Orgel ihren Dienst versehen. Bei Konzerten, zu Taufen oder Beerdigungen kann man das Instrument aus dem Jahr 1850 noch regelmäßig hören.

Trotzdem ist eine grundhafte Reparatur über kurz oder lang unausweichlich. „Grund genug für uns zu spenden und einen kleinen Teil zur Erhaltung der Orgel beizutragen“, sagen Cornelia Graf und Rosel Ansorg. Sie wollen ihre Kirche im Dorf lassen und werben, wie viele andre Menschen in der Kirchgemeinde, um Spenden für die dringend notwendige Sanierung. „Aus Anlass unseres 20-jährigen Firmenjubiläums haben wir unsere Gäste und Besucher gebeten, anstatt Blumen und Geschenke, Geld zu geben für unsere Orgel. Dabei kamen 1015 Euro zusammen, die nun als erster Anfang dienen“, freuen sich Cornelia Graf, die in Schönau eine Physiotherapie betreibt und Rosel Ansorg, die Chefin des Friseursalons „Hairtrix“. „Das ist eine tolle Idee und findet hoffentlich viele Nachahmer“, freut sich Cindy Havelberg, auch im Namen der Kirchgemeinde und der St. Georgenkirche, die nicht immer so hieß.

Erst am 27. Juni 1993 erhielt das bis dahin namenlose Gotteshaus ihren Namen. Bekannt ist die kleine Kirche aus dem Jahr 1515 durch die Thüringer Pastorenfamilie Brehm. Sie prägte das kirchliche Leben in Schönau vor dem Walde. Angefangen von Georg Caspar Brehm, gefolgt von dessen Sohn und Nachfolger Carl August bis hin zu dem später berühmten „Vogelpastor“ Christian Friedrich Brehm. Schon zu Zeiten der Brehms war hier eine Orgel vorhanden, zu der sich der damalige Schultheiß Johann Ortlepp äußert: „Die Kirche ist ganz regulair gebaut, auswendig mit einem Schieferdach und inwendig mit zweyen übereinandergebauten Empor-Kirchen und genügsam Stühlen versehen. Auch befindet sich eine feine Orgel darinnen, so 2 Claviere und 25 Register hat.“ Die „neue“ Orgel mit ihren 2 Manualen und den 21 Registern, so wie sie heute noch zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1850 und der Tabarzer Werkstatt von Friedrich Christian Knauf.

Die Familie Knauf entstammt der Dynastie des Dielenschreiners Johann Valentin Knauf aus Tabarz und gehörte im 19. Jahrhundert zu den produktivsten Orgelbauern in Thüringen. Von 1789 bis 1904 bauten sie über 300 Orgeln.

Autor:

Uwe-Jens Igel aus Gotha

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