Nur eine Frage: Woher kommt der ­Begriff „Stuhlgang“?

Der Thron des Mannes: Kommt daher der Begriff Stuhlgang?
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Die meisten Menschen haben täglich Stuhlgang ohne zu wissen, woher der Begriff eigentlich kommt. Katja Vogel, wissenschaftliche ­Mitarbeiterin der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, kennt die Antwort auf diese Frage.

In unserem alltäglichen Wortgebrauch kommt der Begriff vor allem in der Medizin vor. Wann das Wort entstand und wie es zu dieser merkwürdigen Wortbildung kam, verrät uns so manches mittelalterliche Schriftstück. So wird berichtet, dass man bereits im 15. Jahrhundert in vornehmen Bürger­häusern zur „Erleichterung des Leibes“ anstatt des eigentümlichen Abortes einen speziellen Stuhl ­benutzte. Dieser wurde in Form eines senkrechten Kastens gebaut und mit einem aufklappbaren Deckel versehen. Unter dem Deckel befand sich ein Sitz mit einer runden ­Öffnung und der darunter angebrachten Schüssel.

Für besseren Komfort wurden später Stühle mit Arm- und Rückenlehne hergestellt. Auf eine besonders ­schöne Gestaltung aber wurde nicht viel Wert gelegt, da das Möbel meist im Verborgenen stand.

Ein Kackstuhl mit Kräutermischung

Häufig verschwand es hinter Vorhängen, so etwa auch beim französischen König Ludwig XI., der der Überlieferung nach zudem aromatische Kräuter zur Verbesserung der Raumluft verwendete. Um ein wenig Intimität zu sichern, wurden später kleine Kämmerchen an die Alkoven der Schlafzimmer eingebaut.

Anhand seiner besonderen Verwendung wurde das Möbelstück zuerst „Kammer-, Leib-, Kack-, Scheisz- oder Notdurftstuhl“ genannt. Erst ab den 1650er-Jahren bürgerte es sich als „Nachtstuhl“ ein. So wurde die Verrichtung des menschlichen Bedürfnisses nun als „Gang zum Stuhl“ oder „zu Stuhl gehen“ aufgefasst.

Schon Goethe hatte Stuhlgang

In den medizinischen Schriften des 16. Jahrhunderts fand der Ausdruck besonders häufige Verwendung. Man vermerkte in solchen Berichten das Patientenbefinden wie „nicht zu stuhl kommen können“. Zur Schaffung von Abhilfe sorgte in dem Fall ein Rezept aus dem Jahre 1516 zu „den stulgang stellen“. Es wurde ­dabei eine Mixtur aus Wermut, Essig und Wein empfohlen. Und man weiß bis heute nicht, ob Johann Wolfgang von Goethe das in übertragenen Sinne ­gemeint hat, als er schrieb: „Ich konnte die ganze Nacht nicht ruhen, es trieb mich öfters zu Stuhle.“

Der Thron des Mannes: Kommt daher der Begriff Stuhlgang?
Katja Vogel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha.
Autor:

Michael Steinfeld aus Erfurt

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