Reinecke Fuchs nascht Milky-Way

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Kennenlern-Camp mach Berufschüler aus Gotha fit für ihre gemeinsame Ausbildung:

Von Laura A. Rothhagen

FRIEDRICHRODA. Einige Jugendliche haben Blasen an den Füßen, sind müde, total kaputt und wollen nur noch schlafen. Reinecke Fuchs kümmert sich darum nicht. Er knabbert sich durch die Zeltwand und macht sich über den Proviant der Zeltbewohner her. Erst ein lauter Schrei vertreibt das Schleckermaul, das alle Schokoriegel gefressen hat. Das bringt ihm schnell den Namen Milky-Way-Fuchs ein und weckt den Rest des Camps. Das besteht aus Jugendlichen des Staatlichen Berufschulzentrums Gotha-West und hat sich im ehemaligen Pfadfinderheim in Friedrichroda einquartiert.

„Seit nunmehr sieben Jahren veranstalten wir zu Beginn des neuen Schuljahres solch ein Kennenlern-Camp“, sagt Diana Blankenburg, Lehrerin im SBZ und Organisatorin. Eine Woche verbringen die 16 bis 23-jährigen Teilnehmer des ersten Lehrjahres, die den Beruf des Sozialassistenten erlernen, gemeinsam voller Interaktion und Spaß. „Doch erst einmal stand die Aufgabe, nach Friedrichroda zu kommen - zu Fuß versteht sich - nur mit einer Karte, ohne Handy und Navi“, erzählt die Lehrerin und räumt ein, dass diese Teambildung „natürlich nicht ganz ohne Murren abging.“

Im Camp geht es mit Natur pur weiter. Geschlafen wird in Zelten, die Tagesaktivitäten finden draußen statt und das Mittagessen kochen die Schüler unter Anleitung selbst. Und damit die 30 Teilnehmerinnen, unter ihnen auch zwei Jungs, keine Angst vor erneuten Überfällen haben müssen, wird auch Selbstverteidigung unterrichtet. Dafür konnte Silvio Birkenwald gewonnen werden. Er ist Ausbilder beim Landeskriminalamt in Erfurt uns weiß, wie man sich mit wenigen Mitteln effektiv zur Wehr setzen kann. „Es macht unheimlich viel Spaß verschiedene Situationen kennenzulernen und demzufolge die richtigen Griffe, Techniken und Möglichkeiten anzuwenden und auszuprobieren. Herrn Birkenwald kann gut erklären und zeigt uns ohne Scheu, was zu tun ist“, berichtet Janette und Sarah ergänzt: „Wir brauchen auch keine Berührungsängste zu haben, müssen nur unsere Grenzen überwinden. So lernen wir viel für das weitere Leben. Außerdem muss jeder mitmachen, das stärkt den Zusammenhalt der Gruppe.“

Angeboten werden in dem einwöchigen Seminar, das die Schüler selbst bezahlen, beispielsweise auch ein 1. Hilfe-Kurs, die Anwendung richtiger Atemtechniken, Reiten, Schnitzen, Aroha (ein neuseeländischer Kriegstanz der Maoris mit ausdrucksstarken Bewegungen), Persönlichkeitstraining, ein Workshop über Emotionen sowie Kunst mit Naturmaterial. Und weil dieses Camp dafür steht über sich hinauszuwachsen, Grenzen zu testen, Teams zu bilden und in diesen zu agieren, wird den Auszubildenden möglichst freie Hand gelassen. „Das kommt bei uns gut an und wir sind mit Begeisterung dabei“, sagt Anna und fügt hinzu, dass „ich die hier erlernten theoretischen Kenntnisse im Praktischen gut gebrauchen kann.“

Autor:

Uwe-Jens Igel aus Gotha

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