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Heimatgeschichte(n)
Der Stationsweg von Wüstheuterode

Wüstheuterode Stationsberg
Wüstheuterode Stationsberg
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In Wüstheuterode am Wachsberg befindet sich ein Freikreuzweg, der gleich hinter dem Friedhof beginnt. Nach schriftlicher Überlieferung stiftete der „Cronen-Müller“ Angelius Fiedler die einzelnen Stationen. Im Jahre 1765 weihte Franziskanerpater Gereon Heinemann den Kreuzweg am zweiten Fastensonntag ein. 1850 erneuerte man die Bilder der Stationen und baute zwei Kapellen in Fachwerkbauweise.

1983 wurden beide stark beschädigte Kapellen abgerissen und neu errichtet. Da Wüstheuterode im damaligen Grenzgebiet lag, wurde beim Bau die Auflage gemacht, dass sich kein „Grenzverletzer“ in den Kapellen aufhalten konnte. Prälat Uthe aus Erfurt weihte am 30. Juni 1985 die beiden Kapellen ein. 2003 fanden die letzten Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten statt, die dem Kreuzweg das heutige Aussehen gaben.

Unter dem Stationsberg soll ein Schatz begraben sein:

„Vor vielen hundert Jahren stand dort, wo jetzt der Stationsberg ist, ein prächtiger, großer Bauernhof. Die besten Äcker, Wälder und Wiesen ringsum gehörten dem Besitzer des Hofes. Er galt als der reichste Mann weit und breit. Doch war er nicht so angesehen, wie man meinen sollte. Herrisch war sein Wesen, rücksichtslos war er gegen alle, die ihm untertan waren. War es also ein Wunder, das er von Gott nichts hielt und von seinen Geboten nichts wissen wollte? Er gäbe sich seine eigenen Gesetze, so meinte er, und wer mit ihm leben wolle, müsse sich daran halten.

Wieder einmal war der Winter vergangen, erste Frühlingsboten zeigten sich – es ging auf Ostern zu. Der Karfreitag war herangekommen. Alle Leute des Dorfes gingen zur Kirche, um des Todes des Herrn zu gedenken. Keine Glocken ertönten, aller Lärm war verstummt. Es schien, als läge auch über der Natur tiefe Trauer.
Nur der reiche Bauer und die Seinen achteten den heiligen Tag nicht. Als wollten sie das Dorf und seine Bewohner verhöhnen, wurde mit lautem Singen und Tanzen ein lärmendes Fest gefeiert. Den ganzen Tag hindurch wurde gezecht, und grölend und lärmend zog man durch das ganze Anwesen. Man wollte den Leuten im Dorf zeigen, wie gut es in diesem Hause ging.
Gegen Abend umfinsterte sich der Himmel. Ein schweres Gewitter zog herauf. Dunkle Wolken hüllten den Himmel ein, und dann zuckte ein erster Blitz. Ein gewaltiger Donnerschlag ließ die Luft erzittern, und dann folgte ein Feuerstrahl auf den anderen. Unaufhörlich krachte der Donner, und der Regen ergoss sich in Strömen vom Himmel. Dann folgte plötzlich ein Getöse, wie es noch nie jemand gehört hatte. Im Dorf wagte sich niemand aus den Häusern, hinter den Fenstern konnte man flackernde Kerzen sehen. Kerzen waren es, zu Lichtmeß geweiht, und betend warteten die Bewohner auf das Ende des Unwetters.

Am nächsten Morgen kam man aus den Häusern, um zu sehen, welchen Schaden das Unwetter angerichtet habe. Wie erschrak man jedoch, als man erkannte, dass ein Teil des Berges herabgestürzt war und den großen Hof am Wald, mit allem, was in ihm war, für immer unter sich begraben hatte.

Den Namen des reichen Bauern kennt niemand mehr. Nur ganz alte Leute erzählen noch von dem Schatz im Stationsberge. Jeder wird zugeben, dass ein so reicher Mann auch viel Geld und andere Kostbarkeiten sein eigen genannt haben wird. Alles dies liegt nun unter dem Stationsberge begraben. Muss es dort für immer und ewig liegen? Nun, wenn sich jemand findet, der in der Karfreitagsnacht in der Geisterstunde den Mut hat, ganz allein an die Arbeit zu gehen und kein Wort dabei zu reden, der hat die Möglichkeit, den Schatz zu finden. Doch nur einmal in hundert Jahren soll die Möglichkeit dazu bestehen. Ob wohl schon einmal jemand nach ihm gegraben hat?“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978

Weitere interessante Geschichten und Informationen findet ihr auf http://schuster-heiligenstadt.de

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