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Heimatgeschichte(n)
Der Schlittstein bei Schwobfeld

Der Schlittstein auf dem Rachelsberg
Der Schlittstein auf dem Rachelsberg
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Auf dem Rachelsberg (523 m) zwischen Schwobfeld und Wiesenfeld befindet sich ein interessanter Dolomitfelsen, der „Schlittstein“ (410 m). Zu erreichen ist er am besten von Schwobfeld aus. Vom Friedhof sind es ungefähr 2 Km mit einem Anstieg von 170 Höhenmeter. Der Weg ist teilweise ausgeschildert.

Der Felsen ist ca. 10 m hoch und 15 m breit. In der Nähe sind noch weitere kleine Felsen aus der Zeit des Oberen Perm (vor ca. 255 Millionen Jahren) zu finden. Dolomit ist ein bituminöses Kalzium-Magnesium-Karbonat. Das Zechsteinvorkommen liegt in einer Bruchlinie, die das Thüringer Becken durchzieht.

Vom Schlittstein erzählt man sich folgende Geschichte:

„Nördlich von Eichstruth, Dieterode und Rüstungen fällt die ‚Höhe‘ von Kalteneber sehr steil ab. Der nordöstliche Teil des Bergzuges heißt der Hüneberg. Diesem gegenüber, jedoch durch ein 3 bis 4 Kilometer breites Tal davon getrennt, liegt der Schlittstein. Das ist ein fast frei liegender, mächtiger Felsblock von rund 10 Metern Höhe und 15 Metern Länge. Auf seinem Rücken fristen einige Kiefern kümmerlich ihr Dasein. In der Westseite des Felsens befindet sich ein Spalt, in dem sich der Wind fängt, wodurch ein eigentümliches Tönen entsteht. Nach dem Volksmund hat hier in einem unterirdischen Gemache des Teufels Großmutter ihren Sitz. Sie ist alt und hinfällig und kann sich nur noch mit Spinnett beschäftigen. Sobald sie ihr Spinnrad in Bewegung setzt, dringt das Surren desselben durch den Spalt nach außen, wo es schon viele Leute gehört haben."

Über die Herkunft des Schlittsteins wird erzählt:

"In alter Zeit hauste in der Gegend ein gewaltiger Hüne, der eine ganz außergewöhnliche Kraft besaß. Wenn er anmarschiert kam, dröhnte die Erde, und die Leute gingen ihm eilig aus dem Weg, weil sie seine Gewalttätigkeit kannten. Einst hatte er einen Weg über das Gebirge gemacht. Dabei war er zu Fall gekommen und in eine steinige Schlucht gerutscht. Er war zwar ohne Verletzung davongekommen, doch hatte sich ein Kalksteinchen in den einen Stiefel verirrt. Anfänglich hatte der Hüne kaum darauf achtgegeben. Als er aber an den Abhang des Hüneberges kam, verspürte er heftige Schmerzen. Er setzte sich nieder und zog den Stiefel aus. Dann erhob er sich, fasste mit der einen Hand den Absatz und mit der anderen die Spitze des Stiefels und schüttete den Störenfried aus. Ärgerlich über den winzigen Stein, ergriff er ihn und warf ihn in weitem Bogen fort. Der Stein fuhr über das breite Tal hinweg und fiel schlitternd auf den Südrand nieder. Die Leute. Welche ihn hatten durch die Luft sausen sehen, bewunderten den gewaltigen Block und nannten ihn ‚Schlittstein‘.“

Quelle: Rudolf Linge: „Der Hahn auf dem Kirchturm“ – 1978

Mehr auf www.schuster-heiligenstadt.de

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