Wie gewöhne ich meinem Kind den Schnuller ab?

In den ersten Lebensmonaten ist der Schnuller ein hilfreicher Tröster und verschafft den Eltern in vielen Situationen die so dringend benötigte Ruhe. Er stillt das natürliche Saugbedürfnis der Babys und dient oft als zuverlässige Einschlafhilfe. Im Kleinkindalter meldet sich aber der Zahnarzt schnell mit seinen Bedenken und warnt vor Fehlstellungen. Das Ergebnis: der Schnuller muss weg! Doch wie gelingt das Abgewöhnen für beide Seiten ohne Stress und mit möglichst wenig Tränen? Ein festes Ritual und viel Zuneigung können helfen.

Der richtige Zeitpunkt – ab dem 2. Lebensjahr

Die wohl wichtigste Frage rund um das Abgewöhnen des Schnullers betrifft den perfekten Zeitpunkt. Viele Eltern gehen ganz entspannt an die Sache heran und warten, bis ihr Kind mit 3 oder 4 Jahren freiwillig auf den treuen Begleiter verzichtet. Hier kommt häufig der Zahnarzt dazwischen und liegt mit seinen mahnenden Worten über mögliche Fehlstellungen in den Ohren. Andere Eltern machen sich schon frühzeitig Sorgen bei ihrem zahnenden Baby und wollen die Gewohnheit möglichst bis zum 1. Geburtstag abgestellt haben. Allerdings ist der Schnuller ein Mittel zur Stressbewältigung und wird dann gern durch den eigenen Daumen ersetzt. Dieser wiederum ist noch schwieriger abzugewöhnen.

Fakt ist: ein langfristiger Gebrauch des Schnullers führt zu Zahnfehlstellungen und Verformungen im Kiefer. Diese bilden sich im Milchzahngebiss allerdings von selbst zurück. Besonders kritisch wird es bei den bleibenden Zähnen aber auch der Sprachgebrauch lässt sich schnell durch den störenden Nuckel im Mund beeinflussen. Die meisten Experten empfehlen deshalb, den Schnuller zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr abzugewöhnen. Da gilt natürlich auch für die Nuckelflasche und das Lutschen am Daumen. Vorher eignen sich möglichst zahnfreundliche und kiefergerechte Schnuller, mit einem schmalen Steg und einem speziell geformten Saugteil. Sie sollen nicht nur das Abgewöhnen erleichtern, sondern Verformungen gering halten.

Tipps zum Abgewöhnen – mit viel Liebe und Fürsorge

In der Theorie scheint der Schnuller schnell abgewöhnt zu sein. Eines Tages wird er weggepackt, einfach nicht mehr angeboten und schon gehört das Kleinkind zu den Großen. Quasi: aus den Augen aus dem Sinn. In der Praxis ist der Vorgang aber meist mit vielen Tränen, unruhigen Nächten und Stress verbunden. Hier hilft es, wirklich behutsam mit dem Kind umzugehen, viel Nähe zu bieten und vor allem Verständnis zu zeigen. Selbst Erwachsenen fällt es schwer, sich von eingefahrenen Gewohnheiten plötzlich lösen zu müssen. Folgende Tipps helfen zur Vorbereitung und später in der heißen Phase:

  • Der Dauergebrauch sollte schon möglichst früh beendet werden. Unterwegs helfen oft andere Ablenkungen oder der Schnuller dient nur noch als Einschlafhilfe und muss stets im Bett bleiben. So fällt der Abschied später etwas leichter.
  • Der Schnuller darf nie heimlich entwendet werden. Schließlich handelt es sich um eine sehr wichtige Trennung, bei der das Kind mitentscheiden und sich der Sache bewusst sein muss.
  • Die Kinder brauchen viel Zuwendung, Liebe und vor allem Lob. Gemeinsames Kuscheln, Spielen und Reden helfen über die schwierige Phase hinweg.
  • Manche Kinder fühlen sich durch ein kleines Geschenk oder durch einen kuscheligen Begleiter als Ersatz deutlich motivierter. So wird der Schnuller nicht vollkommen ersatzlos entrissen und es gibt stets einen kleinen Tröster.
  • Ein stufenweises Abgewöhnen ist sicher eine sanftere Methode, als der kalte Entzug. Bestenfalls ist der Vorgang über mehrere Wochen geplant und mit allen Familienmitgliedern besprochen.

Mögliche Rituale – Schnullerfee, Weihnachtsmann und Co.

Einfallsreiche Geschichten und kleine Rituale helfen über den Verlust hinweg. Viele Kinder wollen wissen, wohin der Schnuller geht und was mit ihm genau passiert. Hier haben sich verschiedene Möglichkeiten etabliert, die bei den meisten Kindern Akzeptanz finden. Vielleicht gibt es eine Schnullerfee, die nachts die Schnuller der großen Kinder einsammelt und dafür ein kleines Geschenk hinterlässt. Sie arbeitet natürlich eng mit der Zahnfee zusammen und ist auf das gesunde Gebiss der Kinder bedacht. Vielleicht nimmt aber auch der Weihnachtsmann oder der Osterhase den Schnuller mit und bringt ihn zu den kleinen Babys, die ihn deutlich dringender benötigen.

Schnullerbäume sind als Ritual aus Dänemark bekannt. Dabei hängen die Kleinen ihren Schnuller direkt in den Baum und können ihn bei Bedarf sogar wieder „besuchen“ kommen. Ist Nachwuchs im Freundeskreis oder der Familie bekannt, dient der Schnuller als symbolisches Geschenk an das Neugeborene. In ein hübsches Päckchen gehüllt wird er gern an den neuen Empfänger weitergereicht. Darüber hinaus freuen sich manche Kinderärzte oder Zahnärzte über den Schnuller und haben meist eine Schublade zur Aufbewahrung der aussortieren Nuckel vorbereitet. Älteren Kindern hilft ein thematisch passendes Buch, um den Entzug zu begleiten. Das abendliche Vorlesen könnte als festes Ritual geschaffen werden und versorgt den Nachwuchs mit der nötigen Liebe und Fürsorge.

Wichtig: Bloß nicht nachgeben! Ist der Schnuller einmal entwöhnt und abgegeben, darf er nicht wieder zum Einsatz kommen. Dicke Tränen und lautes Geschrei sollten mit viel Liebe und später mit Lob vertrieben werden. Schließlich hat das Kind einen bedeutenden Schritt getan und darf nun von den Eltern keine Ablehnung erfahren.

Autor:

Martina Steffen aus Heiligenstadt

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