Mario Gehrt - Sohn des Windes

Mario Gehrt unter den Menschen Afrikas.

Von Wilhelm Schaffer

Da bricht einer von Eisenberg auf, um “um die Welt” rum zu radeln. Durch Osteuropa nach Tibet, durch Indien, Indonesien, Neuseeland und Südamerika mit seinem Freund Dr. Torsten Büttner, durch Afrika von Süd nach Nord dann allein.

Nach dreieinhalb Jahren auf fünf Kontinenten und noch ein paar Hundert Kilometern Umweg durch Südosteuropa kehrt er heim: Mario Gehrt, Jahrgang 1976, selbständiger Bänker für Schwäbisch Hall, Sparda-Bank und Raiffeisen Volksbanken. Auto mit Stern. Nach einer Lehre als Bankkaufmann diente er bei den Gebirgsjägern. Da packte ihn die Herausforderung der hohen Berge. Der erste Gipfelsturm galt dem Watzmann, der nächste dem Großglockner.

Moderate Höhen, sagt er. Der Kilimandscharo sei da schon höher gewesen, doch Massentourismus nahm ihm das Majestätische. Das fand er am Cotopaxi, am Chimborazo, am Aconcagua in den Anden. Urlaubsberge, gemeinsam mit Torsten. Jeweils sechs Wochen = zwei Berge. Aber immer zu kurz und trotz grandioser Weitsicht doch irgendwie nicht weit genug.

Er stieg um, von der mehr vertikalen Fortbewegung auf die mehr horizontale, stieg aufs Fahrrad und für dreieinhalb Jahre aus. Tauschte den Sessel am Laptop mit dem Sattel vorm Fahrradcomputer. Bänker mit Mercedes, Philantrop mit Fahrrad, wie passt das? “Erstens bekomme ich keine Millionen Boni, und zweitens erfordert beides Achtung des Gegenübers, des Mitmenschen, die allein gegenseitiges Vertrauen bewirken kann. So wie mir meine Kunden ihr Erspartes anvertrauen, so vertraue ich mich als Fremder in der Fremde den “Eingeborenen” an. Ohne Vorurteile, ohne Überheblichkeit, ohne Argwohn, ohne Arglist sowieso”, lautet ungefähr Mario Gehrts Antwort.

Wenn irgendetwas Auskunft über seine Haltung den Menschen gegenüber ausdrückt, dann seine Menschenbilder “Söhne des Windes” im Landratsamt, die bei Nomaden im Innersten Afrikas entstanden. Sie offenbaren die Würde, den Stolz, die Spuren eines Lebens, eines Lebenskampfes unter Bedingungen, die sich nur einer vorstellen kann, der ihnen in ihrem Leben begegnete. Sie spiegeln aber auch die “Seele” des Fotokünstlers wider. Knappe, poesievolle Texte zu den brillanten Fotografien berühren den Betrachter. Für mich das Beste vom Besten, was im Schloss Christiansburg bisher hing. Es hängt noch bis zum 16. April.

Danach geht die Exposition nach Erfurt ins Palmenhaus am Anger. Mario Gehrt fährt irgendwann wieder auf “Fotosafari”. Aus der vereinsamenden Zivilisation hin zu Menschen, die noch mit einander leben, leben müssen, um leben zu können. Nicht mehr so in die Weite, mehr in die Tiefe, wie er sagt. Ins tiefste Afrika.

Autor:

Lokalredaktion Holzlandbote aus Hermsdorf

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