Eine musikalische Botschaft aus der Hermsdorfer St.-Salvator-Kirche
Wir wünschen Frieden euch allen

Von Ludwig Krafczyk

 Hermsdorf. Bereits zum sechsten Mal lud die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Hermsdorf zum Frühjahrskonzert am Samstag, 18.05.2019, ein. In der Reihe „Altes trifft auf Neues“ präsentierten die Akteure des Abends eine Palette besonderer Darbietungen. Kreiskantor Every Zabel als Initiator dieser Reihe hatte es wiederum verstanden, in der Verknüpfung historischer Werke mit Werken der jüngeren Vergangenheit eine Symbiose zu Gehör zu bringen, die ohne Umschweife direkt die Gefühlswelt der zahlreichen Zuhörer – die Kirche war übervoll – erreichte, zumal das Thema „Frieden“ in dieser Zeit immer wieder und immer noch sehr aktuell ist. Der Bogen spannte sich von der Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ aus dem Jahr 1730 über die „Messe in C“ von Mozart, hin zum Konzert in B für Orgel und Orchester von Händel, weiter zur Filmmusik „A Time For Us“ von Nino Rota und zur Pop-Messe von Jacob de Haan (* 1959, Niederlande). Zwei Instrumentalstücke ließen wieder Ruhe nach den rhythmischen Klängen und Akkorden der Pop-Messe einkehren: eine ruhig-wehmütige Romanze „Das alte Schloss“ aus dem Zyklus Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski von 1874 sowie der melancholische „Libertango“ von Astor Piazolla (1921-1992). Orientalisch beschwingt und mitreißend schloss das Programm mit dem israelischen „Hevenu schalom alejchem – Wir wünschen Frieden euch allen“. Ein Lied, das weltweit von jüdisch-stämmigen Menschen gern gesungen wird. An diesem Abend sprang der Funke über und als Zugabe bildeten Chor, Solisten, Orchester und Zuhörer einen einzigen Klangkörper mit dieser Friedensbitte. Und die Akteure des Konzertes? Every Zabel gelang es wiederum in Hermsdorf bekannte Solisten zu verpflichten: Teresa Suschke-Kaden aus Leipzig als Sopranistin, Juliane Streller, Rudolstadt, Alt, Raphael Weiss, Tenor und David Bong, Bass, beide aus Weimar. Drei von den Solisten leiten Chöre in unserer Region. Juliane Streller leitet den Männerchor Reichenbach, David Bong den Frauenchor Stadtroda, Raphael Weiss den Lehrerchor Hermsdorf. Auch das ist eine gute Symbiose des Zusammenwirkens vor Ort. Das Reußische Kammerorchester mit Band rundete gekonnt den instrumentalen Part ab.

Der Ökumenische Chor Hermsdorf bewies einmal mehr seine Fähigkeit, unterschiedliche Werke ausdrucksstark und verständlich zu Gehör zu bringen – Dank seines Chorleiters Every Zabel.

Ein besonderer Anlass ist noch erwähnenswert: mit den Orgelpassagen in der „Messe in C“ und vor allem mit dem „Konzert in B für Orgel und Orchester“ von Händel sollte an die Einweihung der Sauer-Orgel vor dreißig Jahren erinnert werden. Unter sehr glücklichen Umständen konnte damals die Kirchgemeinde diese Orgel für 30.000 Mark erwerben. Wenig später wäre der Kauf durch den Wechsel in die D-Mark-Währung nicht mehr finanzierbar gewesen. Christopher Hausmann, Jena, an der Orgel (und im Orchester am Cembalo) lockte auf gekonnte Weise die Nuancen der Orgel in den Kirchenraum. Gleichsam als Zwiesprache zwischen Orgel und Orchester plauderten beide mit eingängigen und sich zum Teil wiederholenden Kadenzen - mal im Wechsel zwischen mit den Streichern, Bläsern, Cembalo und dann wieder mit dem Orchester als Ganzes – um sich dann im gemeinsamen Schlussakkord zu treffen. Es war eine besondere Leistung, denn zwischen Orgel und Orchester mit Dirigent lagen gute 20 Meter Abstand.

Der Bogen der Werke spannte sich nicht nur über Jahrhunderte, vielmehr kamen deren Komponisten aus mehreren europäischen Ländern, bis hin nach Argentinien. Die Farbigkeit unterschiedlich geprägter Musikrichtungen machte die Vielfalt zu diesem Konzert aus und vermittelte so die grenzenlose Möglichkeit im musikalischen Empfinden der Völker in weit auseinander liegenden Zeiten und Räumen. Dass dieses Empfinden für die Dauer des Konzertes von E. Zabel in Zusammenhang mit der Sehnsucht nach Frieden gebracht wurde, bildete eine gute Grundlage zu einem emotional erlebbaren Abend.

Das Konzert begeisterte zweifellos die Zuhörer. Sie forderten mit ihrem Beifall eine zweite Zugabe heraus. Die Türkollekte erbrachte 815 € - auch ein Zeichen der Würdigung des Konzertes.

Autor:

Every Zabel aus Hermsdorf

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