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Wenn der Ton die Seele streichelt

Wo: ..., 98701 Grossbreitenbach auf Karte anzeigen
Lothar Tischer ist als Mundartdichter ein gefragter
Vortragsredner bei Veranstaltungen rund um den
Langen Berg.
Lothar Tischer ist als Mundartdichter ein gefragter
Vortragsredner bei Veranstaltungen rund um den
Langen Berg. (Foto: Dietmar Mansfeld)
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von Dietmar Mansfeld

Nein, Bücher gibt es von ihm und seinen Dichtungen nicht, obwohl sich Lothar Tischer seit 2006 als Mundartdichter der Region Langer Berg widmet. „Bis 2005 arbeitete ich als Lehrer, für den Ruhestand habe ich mir dieses Hobby
ausgesucht.“ Mundart habe er von Kindheit an gesprochen, „aber sie hat mir entgegen vieler Behauptungen nie Probleme in der Rechtschreibung
gemacht“. Die Mundart vom Langen Berg, wobei fast jedes Dorf eine eigene Version hat, gehört zu einer der neun Ilmenau-Thüringischen Dialektgruppen, erklärt der gebürtige Herschdorer. Bereits hinter dem Rennsteig ist eine
fränkische Mundartvariante zu Hause.
„Be ons es an schennsten“ lautet einer von Lothar Tischers mundartlichen Vorträgen, die eine gute Resonanz finden. Zu den Besonderheiten der Orte rings um den Langen Berg gehöre es, „dass wir am Rande des thüringisch-sächsischen Sprachgebietes liegen“. Daraus resultiert, dass Besucher aus
Sachsen die Mundarten in Frellfdersch (Friedersdorf), in Wenfdarsch (Willmersdorf) oder in Herfdarsch (Herschdorf) besser verstehen als jene
in Neustadt am Rennsteig und Altenfeld, die zum fränkischen Sprachkreis gehören. „Aber wir sind keine Kaffee-Sachsen!“ betont der 69-Jährige. Leider
stünden die Zeichen für das langfristige Überleben regionaler Mundarten nicht gut. „Sie sind zum Aussterben verurteilt. Kinder und Jugendliche sprechen
Hochdeutsch.“ Das sei übrigens ein wichtiger Unterschied zur Bayerischen und zur Berliner Mundart: Die werden täglich zur Verständigung gesprochen, von Jung und Alt gleichermaßen. „In unserer Mundart gibt es keine Rechtschreibung. Die Regeln zum Aufschreiben meiner Gedichte und Geschichten erstelle ich selber“, erklärt Lothar Tischer. Das macht es so schwierig, Bücher in einer wenig verbreiteten Mundart zu schreiben.
Denn dort gilt das gesprochene Wort. Selbst Flüche und Beschimpfungen
klingen in der Mundart nicht so hart. Lothar Tischers Mundart-Gedichte streicheln die heimatliche Seele. Er bedichtet hingebungsvoll den Langen
Berg als Lieferanten von Trinkwasser und Holz, als Erholungsgebiet zum Pilzesammeln und Wandern. Er lobt die schönen sauberen Dörfer. Ob Pilzsteig oder Aussicht, ob Rundblick vom Karl-Günther-Denkmal, Schwarzatal oder
Rennsteig – Tischer weckt heimatliche Gefühle.

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