Ein Ranger erklärt Thüringer-Wald-Wissen: Von Hohlzahn bis Stopparsch

Der Wald ist Ranger Diethard Eckhardt sehr vertraut. Auf seinen ­geführten ­Wanderungen weiß er viel darüber zu ­erzählen.
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  • Der Wald ist Ranger Diethard Eckhardt sehr vertraut. Auf seinen ­geführten ­Wanderungen weiß er viel darüber zu ­erzählen.
  • hochgeladen von Ines Heyer

Es herrscht Stille – einzig unterbrochen vom Gesang der Vögel und dem Rauschen des Windes, der sanft durch die Blätter fährt. Große und mächtige Bäume prägen das Bild im Biosphärenreservat Thüringer Wald. Es gibt ein Stück naturbelassenen Wald in der Kernzone. Ranger Diethard Eckhardt ist hier Zuhause, kennt diesen Wald in weitem Bogen um Schmiedefeld / Rennsteig und seine Besonderheiten. 

Die Fauna hat hier einiges zu bieten, mit durchaus auch ungewöhnlich klingenden Namen. „Dazu gehören ganz sicher Hohlzahn, ­stinkender Storchschnabel oder ­Stopparsch“, erklärt Diethard Eckhardt. „Letzterer ist ein volkstümlicher Name, korrekt heißt die Pflanze Mädesüß. Der Tee ist ein hervorragendes Mittel gegen Durchfall.“ Der Hohlzahn hat seinen Namen von den Ausstülpungen an der Blüte – diese sehen aus wie ein hohler Zahn. Fällt beim Storchschnabel die Blüte ab, so bleibt die Form eines Storchschnabels zurück. Wird daran gerieben, dann stinkt es. 

Zu den „Stinkern“ im Wald gehört ganz klar auch die Stinkmorchel. Der Pilz verbreitet einen aasartigen Gestank. „Damit lockt er Käfer und Fliegen an, die dann für die Verteilung der Sporen sorgen. Er stinkt sozusagen, um zu überleben“, weiß der ­Ranger. Auch Orchideen, wie die Knabenkräuter, sind mit etwas Glück auf der Wiese zu finden. Der Name nimmt Bezug auf die Wurzelknollen, die vom Aussehen her Hoden ähneln. Ein griechischer Philosoph nannte sie „Orchis“, die griechische Bezeichnung für Hoden. „Viele dieser Pflanzen wachsen am Wegesrand oder auf den Waldwiesen. Wer mit wachem Auge unterwegs ist, kann die ein oder andere Pflanze sicherlich entdecken.“

Ein roter Strich um einen Baum heißt, dass dieser gefällt – im Fachjargon „entnommen“ – werden soll. Zusätzliche waagerechte Linien mit einem nach unten zeigenden Pfeil zeigen an, in welcher Höhe der Baum abgesägt werden soll. 

Wald-Wissen von Ranger Diethard Eckhardt: 

• Trägt ein Baum als Markierung einen schwarzen Punkt, so ist er ein „Z“-Baum (Zukunftsbaum). Dieser Baum wird gefördert, das heißt vor allem großzügig freigestellt.
• Teiche im Wald sind meist angestaute Bäche. Das Wasser diente in früheren Zeiten zum Löschen der Holzkohlemeiler.
• Die Rossameise ist die größte einheimische Ameisenart. Ihr Bau findet sich in alten und morschen Bäumen. Die Gänge und Brutkammern werden in das Holz genagt. Mit etwas Glück ist ein Bau im Wald zu finden. 
• Die Tannenzapfen auf dem Waldboden müssten korrekt Fichtenzapfen heißen. Denn, bei der Weißtanne öffnet sich der Zapfen am Baum und nur die Samen und Schuppen fallen zu Boden. 
• Ein Buchdrucker ist 
nicht verwandt mit einem Bücherwurm. Er hat sechs Beine und ist von Forstleuten äußerst ungern gesehen – ein großer Forstschädling, der Nadelbäume befällt.  
• Das Biosphärenreservat Thüringer Wald wurde bereits 1979 von der UNESCO anerkannt und zählt mit zu den ältesten in Deutschland.

Tipp: Geführte Wanderung durchs Biosphärenreservat Thüringer Wald, 10.30 Uhr, dienstags und donnerstags. Der Ort steht im Veranstaltungsplan unter 
 www.schmiedefeld.de

Der Wald ist Ranger Diethard Eckhardt sehr vertraut. Auf seinen ­geführten ­Wanderungen weiß er viel darüber zu ­erzählen.
Die Stinkmorchel lockt mit ihrem Gestank Fliegen und Käfer an.

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