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#ichbinhier

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„Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.“ So steht es in der Bibel. Und ich mag diesen Satz. Doch wie kann ich diesen Satz leben?
Im öffentlichen Raum hat sich in den vergangenen Monaten eine furchtbare Streitkultur entwickelt. Oder eher eine Unkultur. Menschen scheinen nicht mehr miteinander reden zu können. Jeder bringt seine Argumente vor, aber es kommt zu keiner Verständigung. Es wird nicht miteinander geredet, sondern gegeneinander. Besonders an Themen wie dem Islam oder der Flüchtlingspolitik scheiden sich derzeit die Geister. Und ob es denn Rechtrockkonzerte geben solle? Übrigens vertre- ich hierzu eine klare Position. Nein.
Immer wieder stellt sich die Frage: Diskutiere ich da überhaupt mit oder denke ich mir nur meinen Teil? Extrem ist die Entwicklung in den Kommentarspalten im Internet. Erschreckend, wie schnelle und wie heftig der jeweils Andersdenkende beleidigt, beschimpft und sogar bedroht wird.
Seit Anfang des Jahres haben es sich einige Internetnutzer daher zur Aufgabe gemacht, dem etwas entgegenzusetzen. Unter dem Motto „Ich bin hier“ sorgen sie für eine bessere Diskussionskultur in den sozialen Medien. Statt Hass, Lügen und Hetze wollen sie ein sachliches und vor allem freundliches Miteinander. Beinahe 30.000 Frauen und Männer machen hier schon mit. Ein ermutigendes Zeichen. Sie äußern ihre Meinung, greifen aber niemanden an und werten andere nicht ab.
Die Erfahrungen, die sie machen: wenn 300 Leute Gerüchte und Lügen verbreiten oder aggressiv werden, kann die Stimmung schnell eskalieren. Kommen aber hundert andere mit sachlichen Informationen und konstruktiven Vorschlägen hinzu, wendet sich das Blatt. Die Auseinandersetzungen im Internet werden dann konstruktiver. Und mehr von Fakten als von Emotionen bestimmt.
Vorbild dieser überparteilichen Facebook-Gruppe ist die von der Journalistin Mina Dennert gegründete Initiative „#jagärhär“ aus Schweden. Nun leben wir ja hier. In Deutschland. Und hier gibt es deshalb die Gruppe „Ich bin hier“. Diese Gruppe erhält prominente Unterstützung der ZDF – Moderatorin Dunja Hayali. Weil sich die TV-Journalistin – katholische Westphälin mit irakisch-christlichen Eltern und mit Wohnsitz in Berlin-Kreuzberg – für eine „offene Diskussionskultur“ einsetzt, erhielt sie erst kürzlich den Robert-Geisendörfer-Preis der Evangelischen Kirche.

„Wir glauben, dass Fakten, Mut und Freundlichkeit stärker sind als Gerüchte, Angst und Hass. Und dass jede einzelne positive Stimme das Klima besser macht. Viele positive Stimmen erst recht!“. Diese Leitidee von „Ich bin hier“ erinnert mich an das Wort des Apostels Paulus: „„Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.“
Also steht es auch Christinnen und Christen gut zu Gesicht, sich an öffentlichen Diskussionen zu beteiligen und nicht zu schweigen, wenn gehetzt und beleidigt wird. Ob auf dem Marktplatz oder im Internet. Interessant, wie aktuell die Worte des Apostels heute wieder sind.
Meinungen dürfen heute demnach mit Salz gewürzt sein. Aber sie sollen freundlich rüberkommen. Nur wer mitredet, kann auch etwas bewirken. Vor allem aber, wenn er auf Krawall und Hass mit Fakten und Freundlichkeit reagiert. Mit Menschen zu diskutieren, die anderer Meinung sind, ist mühsam. Doch Schweigen ist keine Alternative.

Ein gesegnete und eine frohe Osterzeit wünscht Ihnen Johannes Haak

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