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Nur ein kleines Stück Papier: Weil ein Busunternehmer keine Behindertenausweise vorlegte, durfte er nicht auf den Schneekopf fahren

Wo: ..., Gehlberg auf Karte anzeigen
Der Schneekopfturm und die Neue Gehlberger Hütte bei Oberhof sind vielbereistes Ausflugsziel.
Der Schneekopfturm und die Neue Gehlberger Hütte bei Oberhof sind vielbereistes Ausflugsziel.
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Busunternehmer Bernd Mündel aus Ilmenau ist wie vor den Kopf geschlagen: Seine nächste Seniorenfahrt im Kleinbus sollte zur Neuen Gehlberger Hütte auf dem Schneekopf bei Oberhof gehen. Normalerweise parken Besucher dort auf dem Parkplatz und wandern dann die 1200 Meter auf relativ steinigem, ansteigendem Weg bis zum Ziel. Da Mündel aber ältere Herrschaften transportiert – der älteste Reisegast zählt 92 Jahre – will er beim Forstamt Oberhof eine Einfahrtgenehmigung beantragen. Doch der dortige Amtsleiter schüttelt energisch den Kopf. „Nur auf Vorlage der Behindertenausweise“,
heißt es. Die begehrte kostenpflichtige Genehmigung wird dem verdutzten Reiseleiter aus Ilmenau nicht erteilt.
„Meine Fahrgäste sind nicht behindert, sondern einfach im fortgeschrittenen
Alter“, klagt Bernd Mündel. „Lediglich zwei meiner Fahrgäste besitzen einen
Behindertenausweis. Ich sehe in dem Verbot eine Benachteiligung alter
Menschen. Außerdem wird die touristische Entwicklung der Schneekopfregion
durch solche Maßnahmen beschnitten.“
Klaus Wahl, Sachbearbeiter beim Forstamt Oberhof, erklärt die Rechtslage.
„Nach § 6 des Waldgesetzes dürfen Forstwege nur mit Zustimmung des
Waldbesitzers befahren werden.“ Freie Fahrt haben demnach zum Beispiel
Fahrzeuge von Waldarbeitern, die forstwirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen
haben. „Privatpersonen oder Vereine benötigen eine schriftliche Wegebenutzungserlaubnis“, stellt Wahl klar. „Auf dem Schneekopf herrscht reger Wanderverkehr – wir können nicht jedem Besucher gestatten, mit dem Auto bis vor die Tür zu fahren.“
„Das verstehe ich ja“, räumt Mündel ein. „Ich kann doch aber meine Senioren
nicht anderthalb Kilometer durch den Wald jagen.“ – Hier gibt es klare Regelungen, erklärt Forstamtsmitarbeiter Wahl: „Wer einen Behindertenausweis
mit Merkzeichen G für Gehbehinderung vorlegt, kann eine auf seinen Namen lautende Wegebenutzungsgenehmigung erteilt bekommen. Das heißt ja nicht, dass im Fahrzeug des Erlaubnisinhabers nicht noch andere – nicht behinderte –
Fahrgäste mitfahren dürfen.“

Hinweis:
Für forstwirtschaftliche Belange des Ilm-Kreises ist das Forstamt Frauenwald zuständig.

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