18. Köhler- und Schwämmklopferfest vom 13. bis 15. Juli in ­Neustadt am Rennsteig
Schwarzes Gold - Thüringer Holzkohle

Heinrich Beetz auf dem Meiler in der Köhlerei Ebereschenhügel – Neustadt am Rennsteig.
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  • Heinrich Beetz auf dem Meiler in der Köhlerei Ebereschenhügel – Neustadt am Rennsteig.
  • Foto: Rennsteigmuseum / Franz Rohm
  • hochgeladen von Thomas Gräser

Die Metallgewinnung im Harz lässt sich schon in der Bronzezeit (rund 2000 v. Chr.) belegen. Die Verarbeitung von Eisenerz am Südharzrand kann um 350 v. Chr. datiert werden. Die „Carbonari“, die Köhler, werden erstmals in Schriften des 13. Jahrhunderts genannt. Bereits im Mittelalter nutzten die Thüringer Waldbewohner die Rohstoffe des Gebirges. Sie gruben nach Erzen, schichteten Meiler auf, erzeugten Holzkohle, um damit das Eisenerz zu verhütten.

Aber auch für die Glasherstellung und für Schmieden wurde viel Holzkohle benötigt. ­Bisher konnten über 400 Kohlenmeilerstellen am Rennsteig und
30 000 Köhler im Harz ­nachgewiesen werden.


Die Sage vom „Goldenen Frosch“

Eine Köhlerfamilie soll es der Sage nach gewesen sein, der Neustadt am Rennsteig seine Entstehung zu verdanken hat.
 Der Graf von Schwarzburg, dem alles weit und breit gehörte, begab sich einst mit seinem Gefolge auf die Jagd in die Nähe des Dreiherrensteines. Einen prächtigen Hirsch verfolgend, trennte er sich vom Gefolge und verirrte sich im Wald. Nach langem Suchen fand er einen schmalen Pfad und kam am Abend müde und hungrig an eine mit Baumrinde be­deckte Köhlerhütte. Von weitem kam ihm der Köhler entgegen und bot dem fremden Jäger ein Lager für die Nacht. Doch bevor sich der Graf zur Ruhe begab, wurde er mit einer Suppe aus Brennnesseln und harten Brotschnitten bewirtet. Dazu trank er aus einer Kanne köstliches Wasser aus der nahegelegenen Quelle.
 Als er den letzten Schluck getrunken hatte, erblickte er am Boden der Kanne einen Frosch. Darüber erschrak der Köhler sehr. Doch der Graf beruhigte ihn, bedankte sich für den köstlichen Trunk und hieß dem Köhler, an der Stelle eine Schenke zu errichten, das Gasthaus „Zum kalten Frosch“.
 Gesagt, getan. Als der Graf, wie er versprochen, im nächsten Sommer mit dem Gefolge zur Jagd kam, setzte er den Köhler dann in die Rechte des Wirtes und Gutsherrn förmlich ein. Bald darauf folgte ein Forsthaus und Häuser von Fuhrleuten und Wald­arbeitern. So entstand auf der Höhe Neustadt am Rennsteig. Später wurde aus dem „Kalten Frosch“ ein „Goldener Frosch“ – ein Haus, dass es bis 2006 gegeben hat.

Quelle: Thüringer Rennsteigverein / Rennsteigmuseum
» www.trvn.de/koehlerei


Wo in Thüringen Meilerdampfen

 In Schmerbach im Landkreis Gotha wird seit 1974 ein Mal im Jahr geköhlert. Auf dem Fuchsberg wurde der Meiler am 30. Juni entzündet und bereits ­geerntet. Der Schmerbacher Köhlerfestvereins lädt stets in der ersten Juliwoche zum Fest ans Waldhaus „Köhlerhütte“ ein.
»www.waltershausen.de

 In Bermbach im Landkreis Schmalkalden-­Meiningen wurde ­Anfang des 19. Jahrhundert im Haselgrund für die Kleinindus­trie bis Schmakalden geköhlert. 1989 wurde das Köhlerfest ­wiederbelebt, welches die 25 Vereinsmitglieder seither jährlich orga­nisieren.
» www.bermbacher-meilerverein.de

 Am 8. und 9. Septem­ber lädt der Geschichts- und Köhlerverein Mengersgereuth-Hämmern zum 20. Augus­tenthaler ­Köhlerfest in die Einheitsgemeinde Franken­blick im Landkreis ­Sonneberg ein.
» koehler-haemmern.de

 In Meusebach im Saale-Holzland-Kreis wird fast seit 500 Jahren Holz­kohle produziert. Heute betreiben Petra und Dieter Schulze die ­Köhlerei im mittelalterlichen Wehrdorf. Die Anlage mit ­stählernen Meiler­glocken, in den im Sommer Holzkohle schwelt, ist ein ­technisches Denkmal und kann besichtigt werden. 
» www.meusebach.de

 Das Bildungscamp Zella-Mehlis bietet innerhalb der Junior­Akedemie Thüringen den Kurs „Ein archäologisches Experiment – Der Rennofen“ an. Die für den Schmelzprozess benötigte Holzkohle gewinnen die Jugendlichen im eigenen Meiler.
» bildungscamp.de

 Auch am Kloster Anrode im Eichsfeldschlägt ab und an ein Wanderköhler seine (Zelte) Meiler auf - wie zur 750-Jahr-Feier im Mai.
» www.kloster-anrode.de

 Im Glasbachtal von Schleusingerneundorf geht das Köhlerhandwerk auf das Jahr 1406 zurück. Der Köhler Bernd Hartleb hatte viele Jahre in der Firma mitgearbeitet und betreibt die Meilerstätte seit der Wende. Ein Schauobjekt vermittelt Einblick in das Innenleben eines Erdmeilers. Bis in die 1970er-Jahre wurde hier Holzkohle nach traditioneller Erdmeilermethode hergestellt.
» www.köhlerei-hartleb.de

 Bereits im Spätherbst  startet Otto Ibe (76) aus Osterrode im Harz mit seinen Vorbereitungen. Dazu schichtet er 45 Festmeter Holz. Im Mai entzündet der Hobbyköhler – die Familie kohlt nachweislich seit 1631 – seinen Meiler. Gemeinsam mit Ehefrau Friedel (74) wacht er über den Schwelprozess. Die Beiden genießen die Zeit in der Köhlerhütte.
» Neustadt-Osterrode

 Seit 18 Jahren sind die Hainich-­Köhler im Mai nahe Behringen zugange. Am Steinbruch-Talweg im südöstlichen Hainich verarbeiten sie jährlich Rotbuchenholz zum „Schwarzen Gold“ Thüringens.
» Behringen Hainich-Köhler

  Vom 13. bis 15. Juli findet das 18. Köhler- und Schwämmklopferfest
in ­Neustadt am Rennsteig statt.
» schwaemmklopferfest.de

Viel Bock auf Holzkohle - Familie Stärker

...dass es nur so raucht!


Hintergrund

  Bis ins 20. Jahrhundert benutzten Köhler in abgelegenen Wald-Arealen die „Hillebille“, ein buchenes Brett, als Alarm- und Informationsinstrument. Darauf schlugen sie mit dem Holz­hammer im bestimmten Takt. Das Signal war weithin zu hören. An die „Hillebille“ erinnert ein gleichnamiger Höhenzug im Harz.

  Der Kohlgrund im Bad Berkaer Forst erinnert an die hier einst tätigen Köhler.

  Den volkstümlichen Schlager „Köhler-Liesel“ hat Karl Theodor Ulisch (1891 -
1958) komponiert und getextet. Dazu inspiriert ­wurde er von seinen Aufenthalten 1923 im Harz. Besungen werden die Gefühle eines Mannes zu einer jungen Köhlerin und die Schönheiten des Harzes. 1953 veröffentlichte der Thüringer Heimatmusiker Herbert Roth das Lied mit seiner Gruppe auf Amiga-­Schelllack.

 Der Europäische Köhler­verband wurde 1997 in Hasselfelde gegründet. Sein Sitz ist in Eiben­stock-Sosa.
» www.europkoehler.com

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