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Thüringer Wissenschaftler entwickeln App zur Pflanzenbestimmung
Was blüht denn da?

Dr. Jana Wäldchen und Prof. Patrick Mäder zeigen die neue App "Flora Incognita".
Dr. Jana Wäldchen und Prof. Patrick Mäder zeigen die neue App "Flora Incognita".
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Ideen für Neues entstehen oft nicht am Schreibtisch – manchmal auch mitten in der Natur. Dr. Jana Wäldchen ließ genau dort ein Gedanke nicht mehr los: Wie könnten sich heimische Pflanzen mit dem Smartphone bestimmen lassen? Die Biologin am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena machte sich gemeinsam mit Prof. Patrick Mäder von der Technischen Universität Ilmenau, Fachbereich Softwaretechnik für sicherheitskritische Systeme, an die Arbeit. Drei Jahre lang entwickelten drei Biologen und fünf Informatiker die Lösung, die App „Flora Incognita“. Im April wird diese freigeschaltet, nutzbar für Android- und Apple-Systeme. Deutschlandweit ist es die erste App, die mit einer höchsten Genauigkeit aufwarten kann. Im Gespräch mit AA-Redakteurin Ines Heyer erzählen beide Wissenschaftler über ihre Arbeit am Projekt.


Welche Pflanzen lassen sich bestimmen?

Jana Wäldchen: Wir haben uns auf die blühenden, wildwachsenden Pflanzen in Deutschland beschränkt. Unser Artenkatalog umfasst
derzeit 2700 Arten. Dazu zählen Wald- und Wiesenpfanzen, Frühjahrsblüher oder auch heimische Orchideen.

Wie kommuniziert der Nutzer mit dem Smartphone?
Patrick Mäder: Für uns ist die Benutzerfreundlichkeit sehr wichtig. Es muss lediglich ein Foto von der Blüte der Pflanze gemacht werden.
Dieses wird dann automatisch auf unseren Server geladen. Hier wird
das Bild analysiert und die Merkmale mit den Bildern in unserer
Datenbank verglichen. Zusätzlich werden Umgebungsfaktoren, wie GPS-Position und Datum übertragen. Liefert all dies noch kein eindeutiges Ergebnis, werden dem Nutzer Fragen gestellt. Das kann zum Beispiel sein, ob sich Dornen oder Häarchen am Stengel befinden. Uns ist wichtig, lieber eine Frage mehr zu stellen, um eine gesicherte Bestimmung vornehmen zu können.

Sie sprachen von der Datenbank. Welchen Umfang hat diese?
Patrick Mäder: Auf dieser Datenbank befinden sich 1,2 Millionen Bilder. Jede Pflanze ist mit unterschiedlichen Bildern vertreten. Um diese riesige Datenmenge zu bewältigen, verwenden wir vier Server mit 20 Grafikkarten.
Jana Wäldchen: Wir Biologen waren für die Zulieferung der Daten zuständig. Das war sehr aufwendig. Botaniker aus ganz Deutschland haben uns Fotosammlungen mit korrekt klassifizierten Pflanzen zur Verfügung gestellt. Des weiteren nutzen wir Internetbilder mit freien Lizenzen. Zusätzlich haben wir die App "Flora Capture" ins Leben gerufen, wo alle Thüringer weiterhin aufgerufen sind, Bilder hochzuladen, die dann von einem Botaniker bestimmt werden.

Gibt es weitere Informationen zur gesuchten Pflanze?
Patrick Mäder: Ja. Nach der Bestimmung erscheint ein Steckbrief unter anderem mit Namen, Vorkommen, Verbreitungskarte, Giftigkeit und Anforderungen an den Naturschutz.

Was passiert anschließend mit dem gesendeten Bild?
Patrick Mäder: Es wird komplett anonym in unsere Datenbank eingepflegt und kann dann zur weiteren Bestimmung mit genutzt werden. Weiterhin wird ein automatisches Kartiersystem zweifelsfrei identifizierte Pflanzen zusammen mit dem Standort an zentrale Datenbanken von Naturschutzbehörden und Forschungseinrichtungen übermitteln. Das ist momentan noch in Bearbeitung. Jeder, der die App nutzt, erweitert damit nicht nur sein eigenes Wissen und das Verständnis für die Natur, sondern hilft den Wissenschaftlern, ihre Artenkatolge zu erweitern.

Auszeichnung: 
Das Projekt "Flora incognita - Pflanzenbestimmung mit dem Smartphone" wurde schon vor dem Start der App als offizielles Projekt der "UN Dekade biologische Vielfalt" ausgezeichnet. Es stärkt das Bewusstsein für die Artenvielfalt in der Bevölkerung und trägt damit letztlich zu deren Erhaltung mit bei.

Weitere Informationen

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