Wo gibt's denn so was noch? Bei Geigenbauer Müller!
Ein Werkstattbesuch, der zum Erlebnis wird

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Der Plausch beim Schuster, Fleischer oder im Konsum gehört schon lange der Vergangenheit an. Aber wen der Weg zum Geigenbauer Müller in Jena führt, spürt es wieder, dieses freundlich Zugewandte, persönlich Verbindende, das dem Kunden vermittelt, mehr als nur Kunde zu sein. Ich kam mit meinem Patenmädchen Eveline und sie mit ihrer Geige, die sie von meiner Kollegin Margot geschenkt bekommen hatte, zu Michael Müller. Wir traten ein und staunten! Wow, da ist Leben drin in diesem alten Werkstattanbau mit Galerie in diesem alten Haus in Jena- Lichtenhain! Voller Interesse blickten wir uns um, wobei unsere Blicke auch nach oben gingen, denn es gab viel zu sehen. Dass ein Geigenbauer -zig Geigen hängen hat, verwundert kaum, allerdings der Anblick eines riesenlangen Alphorns, eines Dudelsackes, eines lässig herumstehenden Kontrabasses oder mandolinenähnlicher dickbauchiger Saiteninstrumente schon.

Noch nie in meinem Leben sah ich eine Sechszehntelgeige!

Herr Müller berichtete gleich von seinem Geigenbaulehrer Herrn Osse und dass dieser ihm vom Bau eines solchen Instruments für 3- jährige Musikgenies abgeraten hatte, da er nicht daran geglaubt habe, dass man auf so einem winzigen süßen Ding auch die G- Saite zum Klingen bringen kann. Aber Herr Müller wollte es wissen. Und bekam heraus: doch; man kann!
Verschiedenste Klebstoffe, Hobelspäne und andere für den Geigenbau notwendige Kleinteile lagen oder standen bereit. Aus nicht mehr benötigten Stegen hatte Herr Müller ein Mobile gebaut. Ein besonderes Schmuckstück, eine rückseitig bemalte Geige, stand mit ihrem Rücken zur Ansicht bereit. In den Schaukästen die vielen fertiggestellten Instrumente wiesen verschiedenste Maserungen auf. Eigentlich war jede Geige ein Hingucker. Jedes Stück hat seine Geschichte und wer fragt, bekommt diese präsentiert. Dementsprechend sollte man ein wenig Zeit einplanen, da die Werkstatt von Michael Müller auch Raum für kurze Begegnungen ist. Musicus trifft Musicus; man stellt sogleich fest, eine Anzahl gemeinsamer Bekannte zu haben, man wirbt für sein neuestes Projekt oder schwärmt vom gemeinsamen Lehrer.
Die Werkstatt ist mehr als voll mit Utensilien und Instrumenten. Doch

Michael Müller findet immer einen Weg.

Er fand für uns einen Weg zu einem schönen neuen Kasten, zum Verbessern des Klangs der Geige und zum Begleichen der Rechnung. Während er von dem Fond eines Politikers für bestimmte, nicht gerade betuchte Kunden wie z.B. Migrantenkinder berichtete, aus dem er die ihm entstandenen Unkosten abgelten werde, begutachtete er meinen Bogen und stellte fest: "Der ging schon mal durch meine Hand". Ja, sagte ich, das muss aber mehr als 20 Jahre zurückliegen. Lag es auch. Der Experte erkannte es an seinem individuellen "Fingerabdruck", einem besonderen Umwicklungsmaterial am Frosch, welches nur er vor der Einführung des Euro verwandt hatte.
So war das Aufpeppen der Geige für uns kostenfrei und der Besuch beim Ortsteilbürgermeister und Instrumentebauer Michael Müller aus Lichtenhain
hat uns nicht nur inspiriert, sondern mit Freude und Dankbarkeit erfüllt. Geigenbauer Michael Müller

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