Great Transformation - das Festival in Jena nächste Woche vom 23. bis 27. September 2019
Von Spuren und Träumen einer besseren Welt

Ein Filmplakat, das die Stimmung gut wiedergibt: Aus dem Film "In den Fesseln von Shangri-La", im Rahmen der Kino-Reihe im Kino am Markt
  • Ein Filmplakat, das die Stimmung gut wiedergibt: Aus dem Film "In den Fesseln von Shangri-La", im Rahmen der Kino-Reihe im Kino am Markt
  • Foto: DFG Kolleg Postwachstumsgesellschaften / Friedrich-Schiuller-Universität Jena
  • hochgeladen von Daniel Dreckmann

Die Überzeugung, dass es so, wie es ist, nicht bleiben kann, gehört inzwischen zum Common Sense vieler Menschen. Niedrige Wachstumsraten, wachsende Ungleichheit innerhalb von Staaten, zunehmende ökologische Zerstörung und verstärkte Migrationsbewegungen sind nur einige Anzeichen tiefgreifender Umbrüche, einer ‚Großen Transformation‘, die vor allem in den Länder Nordamerikas und Europas stattfindet.

Diesen Veränderungen und ihren Folgen widmet sich die internationale Konferenz "Great
Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften" vom 23. bis 27. September 2019 in Jena
, an der über1.300 Sozialwissenschaftler_innen teilnehmen werden. Diese Themen können mit sozialwissenschaftlichen Mitteln erörtert werden, doch Jenas Bürger_innen sollen sich ebenso an der Diskussion um mögliche gesellschaftliche Entwicklungen und wünschenswerte Zukünfte beteiligen können.

Das Festival zur Konferenz

Diesen Kommunikationsprozess zwischen Wissenschaftler_innen und der Stadtbevölkerung soll ein
Festival zeitgleich zur Konferenz entfachen.
Es gründet auf der Erfahrung, dass die Zukunft modernerGesellschaften (immer schon) begonnen hat. Diese Zukunft zeigt sich in einer Fülle an kommunalen Projekten und kulturellen Artefakten, in welche die Träume einer besseren Welt eingegangen sind. Es kommt darauf an, diese Spuren zu lesen. Das Festival zur Konferenz möchte Raum geben für entsprechende kulturelle Auseinandersetzungen, für konkrete Erfahrungen sozialer Realitäten und Alternativen. Es bietet Gelegenheiten zur Entschleunigung und des Genusses.

Hierfür hat sich die Kollegforscher_innengruppe "Postwachstumsgesellschaften" mit JenaKultur
zusammengetan: Um den Austausch zwischen Stadtbevölkerung und  den Konferenzteilnehmer_innen multiperspektivisch, in verschiedenen Formaten und möglichst
anregend umzusetzen, wurde gemeinsam mit JenaKultur und unter Beteiligung vieler Initiativen,
Schulen und Vereine ein Programm mit über 40 Einzelveranstaltungen vom 23. bis 27. September 2019 entworfen.

Das Festival verbindet die einzelnen Veranstaltungen als Mosaikteile einer Zukunftswerkstatt, die
lokale und globale Aspekte der Thematik umfasst. Einige Konferenzvorträge und Diskussionsrunden
werden aus diesem Grund für die Jenaer Bevölkerung geöffnet, viele Veranstaltungen wurden für
dieses Festival entwickelt. Den Teilnehmer_innen wird so die Möglichkeit gegeben, in spannende
Reflexionen einzutauchen, auf transformativen Pfaden zu wandeln und Projekte des Wandelns
kennenzulernen.

Eine Auswahl aus dem Festival-Reigen

Zum Programm zählen klassische Vorträge und Diskussionsformate, Buchbesprechungen,
Workshops und ein Kinoprogramm zu Konferenzthemen.

Mittags wird Entschleunigung konkret: Mit Yoga im Theaterhaus. Auch ein täglich geöffneter ‚Übungsraum für Kritik‘, Stadtspaziergänge mit Lars Polten zu Orten der Transformation und zu alternativen Sicht- und Lebensweisen sollen Bevölkerung und Konferenzteilnehmer_innen bewegen und anregen. Beim gemeinsamen Kochen und Essen mit Wissenschaftler_innen und Vertreter_innen politischer Initiativen können sich alle Beteiligten über gesellschaftliche Entwicklungen und Zukunftsszenarien austauschen.
Ebenso wird ein ‚Repair-Café für Demokratie‘ zur politischen Partizipation anstiften. Zudem werden über die gesamte Konferenz in der Villa Rosenthal Möglichkeiten des ungezwungenen Austauschs und imaginative Räume eröffnet: Bei Tee und Gebäck kommen die Konferenzteilnehmer_innen und

Bürger_innen Jenas ins Gespräch, zwischenzeitlich werden Geschichten vom Scheitern und Gelingen
einer anderen, besseren Welt vorgetragen und Erzählworkshops angeboten.

Die Villa soll zum Ortder Entschleunigung und des ‚Erzählens von Morgen‘ werden. Das Festival wird am 27.09.2019 mit einer wahrscheinlich einzigartigen Veranstaltung beschlossen: Erstmals treffen zwei begnadete Größen der Europäischen Jazz-Landschaft, Michael Wollny (Piano) und Heinz Sauer (Tenor Sax), auf den Schriftsteller Rainer Wieczorek.

Eine Lesung und ein Konzert, wie wir es noch nie erlebt haben:Rainer Wieczorek liest aus seiner Künstlernovelle ›Zweite Stimme‹, die vom Spaziergangsforscher Richard Skala und seinem Archivar handelt. Die Musik setzt ein, wir lassen uns verzaubern von dem kongenialen Duo, das auch noch literarisch zur Geltung kommen wird.

  • Übungsraum für Kritik: Mo–Do von 10 bis 18 Uhr in der Rathausdiele im Historischen Rathaus 
  • Festivalzentrum und Ort der Entschleunigung und des Erzählens von Morgen: Di–Fr, ab 12.30 Uhr in der Villa Rosenthal 
  • Zu Fuß. Transformative Exkursionen mit Lars Polten durch Jena und die Umgebung: Di–Fr
  • Late Night Kino: Die Welt am Abgrund // Die Welt im Aufwind? Mo–Fr, 21.30 Uhr im Kinoam Markt 
  • Klimaratschlag ‚Students for Future‘: So 14–20, Mo 10–18 Uhr
  • Demokratiecafé: RePair Democracy: Di, 15–18 Uhr im Café Central
  • Konzert ‚Die Seilschaft‘: Di, 21 Uhr im Kassablanca Hunger auf Veränderung. Offene Küche und Aktionsbündnis Wachstumswende: Mi, 16–22 Uhr im Kulturschlachthof 
  • Dem Rechtspopulismus entgegentreten: Demokratie in Städten und Gemeinden stärken. Podiumsdiskussion mit Romy Arnold (Mobit e.V.), Wilhelm Heitmeyer (Universität Bielefeld), Thomas Nitzsche (Oberbürgermeister der Stadt Jena) und Albrecht Schröter (ehemaliger Oberbürgermeister Jenas) 
  • Forum »Gemeinsam Stadt gestalten« - Rückblick auf Lobedas 72 Stunden Urban Action: Do, 17 Uhr im Stadtteilzentrum LISA 
  • Konzert und Lesung mit R. Wieczorek, H. Sauer, M. Wollny: Fr, 19 Uhr in der Villa Rosenthal

Viele Veranstaltungen und Ausstellungen sind kostenlos zu besuchen, alle Veranstaltungen mit
detaillierten Informationen sind über die Website einsehbar. Dort finden sich auch Hinweise zu
Voranmeldung und – bei kostenpflichtigen Veranstaltungen – Kartenbestellungen: www.greattransformation.uni-jena.de/Festival

‚space for future‘ – Schüler_innen gestalten Freiflächen im Stadtteil

Zeitgleich zur Konferenz und als Teil des Stadtprogramms wird eine Projektwoche mit denjenigen
realisiert, welche die Zukunft moderner Gesellschaften in besonderem Maße betrifft. Angesichts
bevorstehender sozial-ökologischer Umbrüche werden Schüler_innen ihre Ansichten gestalterisch
zum Ausdruck bringen. In einem städtebaulichen Zukunftslabor entwickelt eine Gruppe von
Schüler_innen der Gemeinschaftsschule Wenigenjena Nutzungs- und Raumkonzepte für noch
unbesetzte Freiflächen neben ihrer neuen Schule am Jenzigweg in Jena-Ost, die im Schuljahr
2019/2020 ihre Tore öffnete. Die Gemeinschaftsschule wird perspektivisch eine der größten Schulen
Ostthüringens sein und liegt in einem Campus in unmittelbarer Nähe zu vier weiteren Schulen und
mehreren Kindergärten. Da Bodenfläche in Jena ist kostbar und teuer ist, ist es umso wichtiger, dass
es auch in der Zukunft Räume und Flächen gibt, die Natur- und Gemeinschaftserfahrungen,
räumlichen Experimenten und innovativen Initiativen und Nutzungen Raum bieten und der Jugend
zur Aneignung zur Verfügung steht. Innovation und zukunftsgerichtetes Denken und Handeln brauchtnicht nur digitale Räume, sondern ebenso konkrete Orte, an denen sich Menschen begegnen, ihre Ideen umsetzen und ihre Interessen ausleben können.

Den Schüler_innen soll im Rahmen des Projekts Gelegenheit gegeben werden, sich in städtebauliche
Zusammenhänge hineinzudenken und sich Gedanken zur gesellschaftlichen Gestaltung und
Entwicklung zu machen, um schließlich konkrete Ideen für einen ‚Platz der Zukunft‘ zu entwickeln.
Die diskutierten und bearbeiteten Ergebnisse sollen dann im Rahmen der nächsten
Sozialraumkonferenz in Jena Ost im März 2020 präsentiert werden, um sie so verantwortlichen
Stadtgestalter_innen und Stadtplaner_innen zugänglich zu machen. Das Projekt ‚space for future‘ ist
Teil des Festivals ‚Great Transformation‘ und wird aus Mitteln des Festivals gefördert.

Angebote für Schüler_innen

Viele Veranstaltungen des Festivals sind für Schulklassen geeignet. Hierzu zählen die Workshops,
Führungen und Performances in der Villa Rosenthal, Exkursionen mit Lars Polten,
Podiumsdiskussionen, das RePair Cafe oder die Offene Küche. Oberstufenschüler_innen können am
Filmprogramm teilnehmen und diese Veranstaltungen im Unterricht aufbereiten. In besonderem
Maße interessant für Schulen ist der ‚Übungsraum für Kritik‘ in der Rathausdiele. Neben
individuellem Kritiktraining bietet die Kursbuch Kulturstiftung außerdem Kritik-Coachings an, die sich
primär an Schulen richten. Am 24.09. um 17:00 Uhr wird die Ausstellung im Rahmen einer
Podiumsdiskussion im Plenarsaal des Jenaer Rathaus mit Friedrich von Borries, Rahel Jaeggi und
Harald Welzer eröffnet, die über den Zustand von (Gesellschafts-)Kritik diskutieren.

Veranstalter und Förderer

Das Festival ›Great Transformation. Von Spuren und Träumen einer besseren Welt‹ vom 23. bis
27.09.2019 ist eine Veranstaltung der Kollegforscher_innengruppe ‚Postwachstumsgesellschaften‘
(Prof. Klaus Dörre und Prof. Hartmut Rosa) am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität
Jena in Zusammenarbeit mit JenaKultur, der Stadt Jena, dem Theaterhaus Jena, dem Lesezeichen
e.V., dem FILM e.V. dem Freiraum e.V. und Kassablanca Gleis 1 e.V.
Insbesondere danken die Veranstalter für die gemeinsame Realisierung JenaKultur. Das Festival wird gefördert durch die Stadt Jena, die FSU Jena, die Ernst-Abbe-Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, die Kursbuch Kulturstiftung, die Thüringer Staatskanzlei und die Landeszentrale für politische Bildung.

Weitere Informationen:
www.great-transformation.uni-jena.de/Festival

Quelle: JenaKultur / DFG-KollegforschergruppePostwachstumsgesellschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Autor:

Daniel Dreckmann aus Zeulenroda-Triebes

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