Menschen
Wie sich die Thüringerin Daniela Danz um Kunst und Kultur verdient macht

Dr. Daniela Danz ist Leiterin des Schillermuseums in Rudolstadt.
4Bilder
  • Dr. Daniela Danz ist Leiterin des Schillermuseums in Rudolstadt.
  • Foto: Jana Scheiding
  • hochgeladen von Jana Scheiding

Gedichte, Schiller und der Samowar des Zaren - Dr. Daniela Danz, Leiterin des Schillerhauses in Rudolstadt, hat dieses Jahr noch viel vor. Spannend wird es im September, wenn die Ausstellung zum 230. Jubiläum des Kennenlernens von Goethe und Schiller auf der Heidecksburg eröffnet wird.

Die Akademie der ­Künste in Berlin verleiht jährlich Preise an Literaten, Musiker, Architekten, Vertreter von bildender und darstellender Kunst sowie Bau-, Film- und Medienkunst. 1948 stiftete der Berliner Senat den Kunstpreis in Erinnerung an die Märzrevolution von 1848, seit 1971 wird er von der Akademie im Auftrag des Landes verliehen. Den Literaturpreis 2018 erhielt die Thüringerin Daniela Danz. Die promovierte Kunsthisto­rikerin mit Lehrauftrag an der Universität Hildesheim schrieb mehrere Bücher und ­Gedichtbände und leitet seit Juni 2013 das Schillerhaus in Rudolstadt. Was das ­41-jährige Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz dieses Jahr noch Künstlerisches vorhat, verriet es ­AA-Redakteurin Jana ­Scheiding im Interview.

Vergangenes Jahr Schreibstipendium der ­Queen-Mary-Universität London, dieses Jahr ­Literaturpreis Berlin – der Erfolg reißt nicht ab?
Stipendien erhalten Autoren, damit sie tätig werden. Als Unterstützung für Recherche, zum Beispiel. Aber der Literaturpreis ist eine Würdigung für etwas Vollendetes. Ich freue mich sehr darüber.

Welches Ihrer Bücher wurde damit gewürdigt?
Kein bestimmtes. Ich habe zwei Romane und drei Gedichtbände geschrieben. Den Preis gab es wohl für das Gesamtwerk.

Verraten Sie uns etwas über Ihr jüngstes Projekt?
Ich arbeite an meinem vierten Gedichtband. Dafür besuchte ich im letzten Urlaub ­Beresniki. Das ist eine Stadt im Ural, 300 Kilometer von Perm entfernt. Wasser bringt das Kalibergwerk unter der Stadt sukzessive zum Einbruch. Mit der natürlichen geht dort also zwangsläufig auch eine gesellschaftliche Wandlung einher. „Wandlungen“ – so lautet das Thema meines Buches.

Schiller ist dieses Jahr auch ein großes Thema?
Allerdings. Seit Februar bereiten das Landesmuseum Schloss Heidecksburg und das Schillerhaus gemeinsam eine Ausstellung zum 230. Jubiläum des Kennenlernens von Goethe und Schiller vor. Sie wird am 7. September auf der Burg eröffnet, weil das ­Schillerhaus dafür zu klein ist.

Was dauert an der ­Vorbereitung so lange?
Zum Beispiel müssen die neuen Exponate katalogisiert werden. Eines davon ist auch gerade beim Restaurator gewesen.

Um welches Exponat ­handelt es sich?
Um einen ­Kupfersamowar aus dem Besitz der ­Gesellschaf­terin Caroline von Wolzogens, die Schillers Schwägerin war. Der russische Zar zeigte sich damit für die Vermittlung einer Hochzeit erkenntlich. Interessant ist auch der Teller aus ­einem Service, den Carolines erster Mann – Friedrich von ­Beulwitz – vermutlich von Napoleon geschenkt bekam. Die Ausstellung zeigt auch eine Locke von Schiller, Briefe und Poesiealben sowie ein Tee-Set, das das Ehepaar ­ Schiller zur Hochzeit bekam. Es wurde auch gleich eingeweiht – statt eines opulenten Essens.

Und ein Kochbuch...
Das Kochbuch von Schillers Schwiegermutter ist einer von vielen Alltagsgegenständen der Schillers – und zwar ein besonders interessanter. Der Leser erfährt, was man damals kochte und was der begüterte Thüringer vorm Zeitalter der Klöße verspeiste.

Außerdem existiert ein ­Beleg dafür, dass Schiller gern gespielt hat?
Ja, er war vermutlich sogar ein wenig spielsüchtig. Jedenfalls schrieb er an einen Freund „Habe überhaupt noch keine Karte in der Hand gehabt, seitdem ihr fort seid.“ Dazu passen Whist-Spielsteine – vermutlich auch aus dem Besitz der Gesellschafterin von Schillers Schwägerin. Whist war eine Vorform des Bridge mit sehr komplizierten Regeln. Schillers Credo, dass der Mensch nur dort ganz Mensch ist, wo er spielt, hat also durchaus ­einen praktischen Hintergrund.

www.chiragon.de
www.schillerhaus-rudolstadt.de
www.heidecksburg.de

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen