Regionales Handwerk übergibt Klassensatz Taschenrechner
Ausbildungsbedingungen und damit Integration sowie Berufschancen verbessern

Kopfrechnen bleibt wichtig. Dafür steht symbolisch der Rechenschieber. Auch wenn dieser nun vom Taschenrechner ersetzt worden ist. Shermeen Ali und Mohammad Ata Moustafa (vorn) waren die Ersten ihrer Klasse, die ihn von Thomas Jüttner (li.) und im Beisein von Andrea Uhlmann (2. v. li.) erhielten.
  • Kopfrechnen bleibt wichtig. Dafür steht symbolisch der Rechenschieber. Auch wenn dieser nun vom Taschenrechner ersetzt worden ist. Shermeen Ali und Mohammad Ata Moustafa (vorn) waren die Ersten ihrer Klasse, die ihn von Thomas Jüttner (li.) und im Beisein von Andrea Uhlmann (2. v. li.) erhielten.
  • Foto: Karsten Seifert
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Shermeen Ali und Mohammad Ata Moustafa aus Syrien möchten Apothekerinund Kraftfahrzeugmechatroniker werden. Für den Mathematikunterricht erhielten
sie und ihre Klassenkameraden von Kreishandwerksmeister Thomas Jüttner am
gestrigen Mittwoch im Jenaer Haus des Handwerks in der Grietgasse nun einen
dringend benötigten Taschenrechner. Genaue Berufspläne haben auch ihre
Klassenkameraden, die von Friseurin, Maler und Metall- oder Holzbauer bis
Erzieher und Kranken- oder Altenpfleger reichen. Und sie wissen, für diese
Ausbildungsberufe in Handwerk und Industrie sind umfassende Deutschkenntnisse
und auch der spätere Hauptschulabschluss unabdingbare Voraussetzungen. Gemeinsam
mit 43 weiteren ausländischen Jugendlichen, meist zwischen 16 und 18 Jahren aus
Äthiopien, Afghanistan, Irak und Iran, erhalten sie im Berufsvorbereitenden
Jahr Sprache (BVJS) am Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum Jena-Göschwitz (SBSZ)
in insgesamt 32 Wochenstunden Unterricht in Deutsch als Zweitsprache,
Mathematik, Wirtschafts- und Sozialkunde, Sport und handwerklicher Praxis.
 
„Regelmäßig stellen wir Schülern das Handwerk mit seinenvielfältigen Berufswegen und Entwicklungsmöglichkeiten vor. Spontan haben wir
uns nach einer dieser Präsentationen entschieden, den Unterricht und die
Ausbildungschancen für diejenigen Jugendlichen in Göschwitz zu verbessern, für
die selbst ein Taschenrechner ein zurzeit unerschwingliches Lernwerkzeug
darstellt. Ihre Begeisterung für das Lernen haben wiederum uns begeistert“, erinnert
sich Jüttner.
 
Für Andrea Uhlmann, Abteilungsleiterin Bauberufe, Chemie undBerufsvorbereitung am SBSZ, kommt diese „Geste mit großer Wirkung“ an. Auch die
Veranstaltungen des regionalen Handwerks zur Berufsorientierung, wie
beispielsweise den alljährlichen Tag der Raumgestaltung in der Jenaer
Brillux-Niederlassung, nutzt sie umfassend, um nach ihren eigenen Worten den
Kontakt zwischen Jugendlichen und ihren möglichen Arbeitgebern so früh wie
möglich herzustellen und zu vertiefen. Ihre Schützlinge bräuchten genau diese
Erfahrungen mit der Praxis. So wüssten sie, wofür sie pünktlich in die Schule
kommen, um intensiv Sprache und Schulwissen zu erlernen. Unverständlich bleibe
ihr daher jedoch, dass für diesen BVJS-Jahrgang seitens des Schulamtes „keiner,
der angeblich ausreichend vorhandenen“ Sprachlehrer Deutsch nach Göschwitz
verpflichtet wurde. Zwar konnte dies bis jetzt beispielsweise mit einem
Intensiv-Theaterprojekt mit der Jenaer Freien Bühne und auch Provisorien
ausgeglichen werden, doch auf Dauer würde der drohende Unterrichtsausfall die
Integrationschancen ihrer Jugendlichen maßgeblich schmälern.

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