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Ballmanns vergessene Legenden

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Die Unvollendeten: Michael Ballmann wagte sich zum ersten Mal an Lokomotiven im Feuer, hat aber hier noch einige Pinselstriche zu tun.
Die Unvollendeten: Michael Ballmann wagte sich zum ersten Mal an Lokomotiven im Feuer, hat aber hier noch einige Pinselstriche zu tun.
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Wer Michael Ballmanns Bilder betrachtet, wird vermutlich nicht sofort einen Kommentar dazu abgeben. Sondern erst einmal schauen - und staunen. Im Grunde zeigt jedes der großformatigen Bilder das gleiche Motiv: Dampfloks. Beachtlich ist aber die Vielfältigkeit der Darstellungen. Man erblickt Loks im verschneiten Wald, auf dem Eisenbahnfriedhof in Bolivien, sieht sie durch Fußbodenfliesen brechen oder an Ketten hängen. Sein bisher eindrucksvollstes Werk schuf der Maler - der seine Brötchen zuzüglich Pinsel und Farbe als Requisiteur im Theaterhaus Jena verdient - mit dem „Big Boy”. „Die längste Lok, die je gebaut wurde”, weiß Ballmann. Ganze 42 Meter lang war sie und aufgrund dessen mit einem geteilten Fahrwerk ausgestattet. Der Künstler bannte das eiserne „Ungetüm” auf eine drei Meter lange, über und über mit Jeansstoff bedruckte Leinwand. Knöpfe und Taschen wurden als Stilelemente belassen. Einige von Ballmanns Meisterwerken sind bis Anfang Juli im Rathaus zu Bad Berka unter dem Titel „Vergessene Legenden” zu sehen.
”Dampfloks wirken auf mich wie ausgestorbene Saurier”, beschreibt Michael Ballmann seine Faszination an den eisernen Ladys. „Und sie haben eine Seele”. Diese Auffassung dürfte er zumindest mit den Modelleisenbahnern teilen. „Ich bewundere diese Menschen”, sagt Ballmann aufrichtig. „Mich stört aber der Heile-Welt-Gedanke an ihrem Tun. Das Leben bringt doch auch Trauer und Zerstörung”. Diesen Spagat in seinen Bildern aufzuarbeiten, treibt Ballmann um.
Bestaunt hat er Dampfloks schon als Jugendlicher. „Ich erlebte die letzten Loks in Aktion”, erinnert er sich. „Eine Linie führte von Naumburg nach Göschwitz. So oft es ging, habe ich beobachtet, wie die Loks rangiert wurden und dabei festgestellt, dass eine Dampflok kein fauchendes Monstrum, sondern etwas sehr Schönes ist”.
Auch wenn seine Schöpfungen ihre Betrachter faszinieren - das Bild der Bilder habe Michael Ballmann noch nicht hervorgebracht. „Ich glaube, wenn mir das gelingt, hänge ich die Malerei an den Nagel”, prognostiziert der Eisenbahnbegeisterte. Davon könne aber zum jetzigen Zeitpunkt keine Rede sein: „Noch bin ich ständig auf der Suche.”

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