Ingrid Böckel aus Jena ist seit 50 Jahren Steinmetzmeisterin

Ingrid Böckel vor ihrem Gesellenstück:  „Die Schrift Fraktur habe ich besonders gern auf Stein gehauen.“
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Sie kann es nicht lassen. Auch mit knapp 80 Jahren geht Ingrid Böckel noch immer fast täglich zur Arbeit. Im kleinen Büro in der Dornburger Straße kümmert sie sich um die Buchhaltung in der familieneigenen GmbH. „Man muss ja ein Ziel haben“, erklärt sie und findet ihren Fleiß nicht verwunderlich. Schließlich kennt sie es nicht anders.

Schon früh hat sie ihrem Onkel im Steinmetzbetrieb geholfen, ist schließlich in seine Fußstapfen getreten. Von 1958 bis 1960 hat sie selbst den Beruf der Steinmetzin gelernt, danach sogar eine Meisterausbildung begonnen. Vor 50 Jahren konnte sie diese abschließen. Von der Handwerkskammer Ostthüringen wurde sie dafür mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt.

Kein typischer Frauenberuf

Es ist kein typisch weiblicher Beruf, den Ingrid Böckel ergriff. Während ihrer Ausbildung war sie meist das einzige Mädchen. „Einen solchen Beruf ergriffen Frauen damals nur, wenn sie den entsprechenden familiären Hintergrund hatten“, berichtet sie. Auf den konnte auch sie verweisen. Ingrid Böckel ist eine geborene Späte. Ihre Familie hat Spuren hinterlassen in Jena und Umland.

Großvater Otto Späte schuf unter anderem die Erlkönig-Skulptur unterhalb des Jenzig zwischen Jena und Kunitz. Firma Späte baute in den 1930er Jahren auch alle Natursteinbrücken und Durchlässe für die neue Autobahn zwischen Weimar und dem Hermsdorfer Kreuz - damals schon unter der Führung eines anderen Otto Spätes. Otto, der Zweite wird dieser genannt und war ein Neffe des Großvaters. Mit nur 30 Jahren hat Ingrid Böckel 1965 den Handwerksbetrieb übernommen. „Das habe ich bis heute nicht bereut“, blickt sie auf bewegte Jahre zurück. Ihr Beruf sei sehr vielfältig. „Man fährt nicht immer die gleiche Linie.“ Ob Grabsteine, Treppenbauten, Wand- und Bodenbeläge: „Ich habe alles mitgemacht“, so die rüstige Seniorin

Familientradition sollte gewahrt werden

Doch nicht nur die Arbeit auf den Baustellen, in der Werkstatt oder auf den Friedhöfen bestimmte ihren Alltag. Ingrid Böckel hat zudem Material und Maschinen organisiert und mit großen Fahrzeugen für den Transport gesorgt. Besondere Vorlieben hatte sie dabei nicht. Auch bei den Steinen mag sie sich nicht festlegen. Dem schwer zu bearbeitenden Granit mag sie ebenso wie den Freyburger Kalkstein, den man mit der Säge gestalten kann. „Ich mag sie alle“, so ihr Urteil.

Viele Bauten in Jena sind unter ihrer Leitung entstanden oder saniert worden. Ihr Anspruch war es immer, die Familientradition und damit auch den Familienbetrieb zu bewahren. Das Ziel hat sie erreicht. Auch Ihr Sohn wurde Steinmetz. Die Schwiegertochter fungiert als Geschäftsführerin. Und Ingrid Böckel ist Mitgesellschafterin und schaut fast täglich vorbei.

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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