Unbekannte vermüllte Relikte in Jenas Wäldern.
Die Überreste der Barackenlager aus der NS-Zeit auf dem Jenaer Forst.

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In den vergangenen Jahren gab es in Jena eine verstärkte Werbung um die Schönheit der Natur um Jena. Sie ist wahrlich schön, doch werden die vorhandenen Müllbelastungen der Saalestadt immer mehr vergessen. Nun ist uns also aufgefallen, dass sogar die Überreste eines alten Kriegsgefangenenlagers auf dem Forst zerfallen und ungekennzeichnet vorzufinden sind. Vermüllt, auch mit Sondermüll, liegen die Gebäudereste nicht weit vom Wanderweg entfernt.

Es ist Jena im beginnenden Frühjahr 2019. Wir stehen im Jenaer Forst, zwischen niedrigen alten Betonmauern, Fundamente sind es. Hochwald ist um uns herum. Das Laub liegt dicht am Boden, es gibt kein Blattgrün, und wir können weit zwischen die Stämme herum schauen.

Der Blick auf den Ausdruck des Luftbildes bestätigt unser Vermuten: wir stehen zwischen den Überresten eines ehemaligen Barackenlagers, dass nach dem Ende des zweiten Weltkrieges demontiert wurde. Auf Bildern aus den 50er Jahren ist nichts mehr zu sehen. Eine Information aus dem Bauaktenarchiv Jena lautet, dass dieser Standort hier ein Kriegsgefangenenlager in der Zeit des Zweiten Weltkrieges war. Das scheint wohl nicht mehr interessant für die heutige Zeit zu sein, oder es ist nicht bekannt. Uns ist nur ein Buch bekannt, in dem diese Tatsache aufgeführt ist. In den Medien war dazu bisher nichts.

Die alten Mauern sind mit grobem Kiesel im Beton gefertigt. Die Standorte stimmen mit den erkennbaren Gebäuden auf vorliegenden Luftbildern überein. An manchen Stellen sind die Betonplatten geplatzt und gerissen, und sind unregelmäßig ineinander geschoben. Andere sind mit Mulm von Blättern oder verrotteten Bäumen belegt. Keller- oder Abortgruben sind zu erahnen, man weiß nicht genau, welches Element welche Funktion hatte. Sie sind verfüllt, man erkennt es sofort. In einer Grube ist alles voller Asbest, in einer anderen ist unter dem Laub diverses zu erkennen: Eimerreste, verbeulte Metallteile, Alte Töpfe, Füße eines Ofens, Gitter und Roste aus Metall, Geschirr, Plastik von Planen, abgerissene Halterungen von unbekannten Gefäßen, Steine, immer wieder Asbestplatten, Teerreste, verbeulte Aluminiumgefäße, Kellen, Besteck, Bierflaschen. Es liegt überall. Zwanzig Meter weiter ein weiteres Fundament, wieder ist alles verfüllt. An den restlichen Stellen liegt der Beton lose, ist zu großen Platten geplatzt und nicht mehr eben.

Dieser Platz ist nur einer von vielen, die sicher den meisten unbekannt und unerkannt in Jenas Wäldern liegen. ca. 150 Meter weiter liegen die Überreste eines weiteren Arbeitslagers (Titelbild). Man sieht noch die Anordnung von zehn Barackenfundamenten, die Regelmäßigkeit und absolut ähnlichen Ausführungen, und die Unterteilungen durch einzelne Stützen aus kiesigen Beton, die die Gesamtfläche jedes Bauwerkes in Rechtecke gliedern. Sogar Stacheldraht liegt noch herum, wird wohl aber jüngeren Datums sein. Dazu auch hier Asbestreste, diverser verstreuter Müll und Abfall wie Plastikplanenreste, Flaschen, Reifen, eine Heizung, Leitern usw. Die Schlussfolgerung, das unter der Laubschicht noch weiteres liegt, ist also gerechtfertigt. Dazu existiert noch eine interessante Grube mit vielem DDR-Müll – Freilichtmuseum pur!

Dieser Text entstammt mit geringen Aktualisierungen dem Blog der Homepage von Polten Wanderwelten. Alle Bilder: Lars Polten.

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