Das Wildtier 2018 braucht einen besseren Schutz
Thüringen ist Wildkatzenland

Die Europäische Wildkatze ist ein scheues Tier, sie lebt eher unebemerkt vom Menschen in Waldgebieten.
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  • Die Europäische Wildkatze ist ein scheues Tier, sie lebt eher unebemerkt vom Menschen in Waldgebieten.
  • Foto: Thomas Stephan/BUND
  • hochgeladen von Simone Schulter

Vom Aussterben ist die Europäische Wildkatze mit bis zu 500 Exemplaren  in Thüringen nicht bedroht. Doch so kleine Populationen sind immer gefährdet  Deshalb müssen die Lebensbedingungen für das scheue Tier optimiert werden; vor allem im mittleren Saaletal. Die Region gilt als Wildtierkorridor, über den der genetische Austausch funktionieren muss.

„Wie elegant sie sich bewegt“, fasziniert betrachtet Silvester Tamás auf seinem Laptop ein Video. Es zeigt eine Wildkatze, die sich an einem Lockstab reibt und kurz danach wegspringt ­– einem Tiger gleich.

Einer intensiven Überwachung sind solche seltenen Bilder zu verdanken. Derzeit beobachten Tamás und seine Mitstreiter im mittleren Saaletal die scheuen Tiere mit Kameras und jenen Lockstäben, die mit einer Baldriantinktur präpariert sind. Das mögen die scheuen Tiere. Acht Beobachtungsstationen hat der NABU Thüringen rund um Jena errichtet. Im Mai kommen hier etwa 40 weitere hinzu. Alle sieben bis zehn Tage werden sie kontrolliert. So soll erfasst werden, wie präsent die zum Wildtier des Jahres 2018 gekürte Art in der Region ist.

Zwischen 200 und 500 Tieren schätzt Tamás den Bestand im Freistaat ein. „Thüringen ist ein Wildkatzenland“, lautet sein Fazit. Es weist die höchste Population in Ostdeutschland auf. „Das Epizentrum liegt im Hainich“ veranschaulicht er. Auch in der Rhön und im Eichsfeld kommen sie sehr häufig vor.

„Die Wildkatze war in Thüringen offenbar nie ausgestorben. Sie hat neben uns her gelebt und wurde erst durch intensive Nachforschungen wiederentdeckt."
NABU-Wildtierexperte Silvester Tamás

Damit das so bleibt, ist menschliche Unterstützung vonnöten. „Wildkatzen brauchen einen genetischen Austausch“, erläutert Silvester Tamás. Nur so können sie sich fortpflanzen, kann Inzucht verhindert werden. Zudem müsse man ihnen einen Rückzugsort geben. Sie brauchen reich strukturierte, störungsarme Wälder mit vielen alten Bäumen, auf denen sie klettern und sich ausruhen können; Reisighaufen, hohle Baumstämme und Totholz als Versteckmöglichkeiten. Lärm von Forstmaschinen, aber auch Menschen und Hunde können die eher im Verborgenen lebenden Tiere verschrecken.

Besondere Fürsorge im Saaletal

Dem Saaletal kommt eine besondere Bedeutung bei der Fürsorge um Wildkatzen zu. Es gilt als Wanderkorridor, über den die Tiere zueinander finden können. Tamás mahnt: „Wir müssen uns fragen, wie wir diese Verbindungen zwischen den bekannten Wildkatzenlebensräumen verbessern können.“ Durch weniger intensive Forstwirtschaft zum Beispiel oder durch Wildtierbrücken. Denn viele Tiere verenden auf unseren Straßen. Auch den chemischen Kampf gegen Wühlmäuse sieht er äußerst kritisch. Die Kleinnager sind die Hauptnahrung der Wildkatze.

Wie die Arbeit des NABU fruchtet, zeigen die Beobachtungen an den Lockstäben. Hier hinterlassen die Katzen Fellhaare, die genetisch untersucht wird. „Schon oft konnten wir unseren alten Bekannten Felix beobachten“, so Tamás. Nachweisbar ist aber auch, ob der Kater Vater geworden ist oder Tiere aus anderen Regionen  eingewandert sind. Über solchen Zuzug freut man sich beim NABU besonders. Dafür nimmt das Team um Tamás auch gern die Mehrarbeit auf sich, wenn in Kürze die Beobachtungsstationen vervielfacht werden.

Zur Sache

+ Jährlich ernennt die Deutsche Wildtier Stiftung das Wildtier des Jahres. 2018 fällt die Wahl auf die Europäische Wildkatze (lat. Felis silvestris silvestris). Sie
ist eine eigene, etwa 400000 Jahre alte Art und nicht mit der Hauskatze zu verwechseln. Die Wildkatze löst damit die Haselmaus ab.

+ In Deutschland leben rund 6000 Exemplare. Ihr markantestes Merkmal ist breiter, buschiger Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen. Die Tiere haben ein sehr verwaschenes grau-rotbraunes Fell, sind etwa so groß wie Hauskatzen, mit bis zu fünf Kilogramm aber etwas schwerer.

+ Über das Wildtier des Jahres wird derzeit an einer Informationsecke im Phyletischen Museum in Jena aufgeklärt. Die Tiere beobachten kann man im Wildkatzendorf Hütscheroda im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Am 17. und 18. März wird dort Wildkatzengeburtstag gefeiert, am 24. März der Saisonstart.

+ Der NABU bietet auf Wunsch Exkursionen und Vorträge über die Wildkatze an.

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