Gesundheitssystem
Gelebte Doppelmoral

Wir empören uns voller Entrüstung, wenn sich zum Beispiel ein milliardenschwerer Golfstaatler von einem armen Inder eine Niere kauft, damit der überleben und seine Kinder zur Schule schicken kann. Wir empören uns aber nicht, wenn ein milliardenschwerer deutscher Gesundheitsmarkt mit im Vergleich traumhaften Konditionen den Personalmarkt im Arzt- und Pflegebereich in halb Osteuropa leer kauft und dort die Versorgungssicherheit bedroht. Man sehe sich die nur die Zustände in den Krankenhäusern und Pflegeheimen unmittelbar jenseits der deutsch- tschechischen – polnischen Grenze einmal an. Zum Dienst schnell mal rüber nach Deutschland, danach wieder zurück nach Hause. Den Menschen, die das tun, kann ich´s nicht verdenken, solange sie – hoch qualifiziert – in ihren Heimatländern so miserabel bezahlt werden, wie das gegenwärtig der Fall ist. „Wirtschaftsflüchtlinge“ einer anderen Art und völlig legal. Das ist doch gelebte europäische Solidarität, wenn die polnische Krankenschwester dem bettlägerigen deutschen Alten den Hintern wischt, während daheim die eigene Großmutter in ihren Exkrementen dahinvegetiert. Und es wird noch schlimmer kommen, wenn die – wie angekündigt – zusätzlichen Milliarden in unser Gesundheitssystem gespült werden. Marktwirtschaft und Arbeitnehmerfeizügigkeit nennt man das. Von Doppelmoral spricht keiner.

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