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Selbsthilfe gegen Wohnungsnot

Carola Wlodarski-Simsek und Mike Niederstraßer versenkten die für Grundsteinlegungen obligatorische Hülse mit Zeitdokumenten
Carola Wlodarski-Simsek und Mike Niederstraßer versenkten die für Grundsteinlegungen obligatorische Hülse mit Zeitdokumenten
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Die Stadt Jena ist bei den Mieten das teuerste Pflaster in Ostdeutschland und liegt bundesweit auch weit im Vorderfeld, wie diverse Studien belegen. Das für Mieter in Jena ungünstige Verhältnis von unzureichenden Angeboten und sehr großer Nachfrage führt zu diesem hohen Preisniveau. Befördert wird die Nachfrage vor allem durch die boomende Jenaer Industrie und die in den letzten Jahren stetig gewachsenen Studentenzahlen. Gerade beim studentischen Wohnungsbau übte man sich aber seitens des Studentenwerkes sowie städtischer und privater Investoren zumeist in vornehmer Zurückhaltung, hing doch das Damoklesschwert des Geburtenknicks in Ostdeutschland lange über möglichen Neubauprojekten. Jetzt, wo die Zeit für den Knick gekommen ist, spürt man in Jena aber gar nichts davon. Deshalb werden nun die Stimmen immer lauter, die studentischen Wohnungsbau und allgemeinen Wohnungsbau im niederpreisigen Segment fordern. Nicht immer nur reden, sondern ein öffentlichkeitswirksames Zeichen setzen, das gelang dem Studentenrat (Stura) der FSU mit einer Protest-"Grundsteinlegung" für ein neues Studentenwohnheim in der vergangenen Woche. Auf der LEG-Brachfläche an der Camburger Straße mauerten die jungen Leute eine Hausecke als steinernes Symbol für ihre Forderungen nach mehr Wohnheimplätzen und anderen bezahlbaren Wohnungen in Jena. "Was ist das für ein Studentenparadies, in dem Studierende keinen Platz finden?", fragte Carola Wlodarski- Simsek vom Studentenrat (Stura) der FSU während der Grundsteinlegung mit Blick auf OB Schröter, der den Begriff "Studentenparadies" vor einigen Jahren prägte. Stadtrat Mike Niederstraßer, Sozialpolitischer Sprecher des Sturas, prangerte "die anrüchigen Sitten" auf dem Jenaer Wohnungsmarkt an und sieht die Stadt Jena, das mehrheitlich städtische Wohnungsunternehmen "jenawohnen" und das Studentenwerk in der Verantwortung. Bei Nord-Ortsteilbürgermeister Siegfried Ferge rennen die jungen Leute mit ihrer Forderung nach studentischem Wohnungsbau an der Camburger Straße offene Türen ein. Wie er in einem Beitrag auf dem Internetportal "www.meinanzeiger. de" u.a. erklärt, wäre man im Ortsteilrat sehr erfreut, wenn noch mehr Studenten nach Nord kommen würden. Er fordert "jenawohnen" auf, sich an dieser Stelle zu engagieren. Der OB solle seinen Einfluss vermehrt geltend machen und der Stadtrat den 2. Entwurf zum Bebauungsplan zügig verabschieden.

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