Politik
SPD-Mann Christoph Matschie: Wir dürfen ländliche Räume nicht vergessen

Christoph Matschie kandidiert erneut für den Bundestag.
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  • Christoph Matschie kandidiert erneut für den Bundestag.
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Christoph Matschie geht gern die Wände hoch – wenn er in freier Zeit mit seiner Ausrüstung ausrückt, um Felsen zu bezwingen. Als Kind spielte er gern Fußball. Heute ist er wohl eher der Besonnene. Einer der zuhört, abwägt und dann nach Lösungen sucht. Der ländliche Raum ist ihm wichtig. Dafür setzt er sich ein, sucht Kontakt zu vielen Menschen. AA-Redakteurin Jana Scheiding hat den SPD-Politiker, der am 24. September für den Bundestag kandidiert, einen Nachmittag lang auf Wahlkampftour begleitet.  

Einen schönen Sommertag hat sich Christoph Matschie ausgesucht, um im Wahlkreis unterwegs zu sein. Die Sonne lacht, kein Wölkchen am Himmel. Erste Station ist die Firma Layertec in Mellingen. Wir sind mit Geschäftsführer Hartmut Heyer verabredet. ChristophMatschie ist auf die Minute pünktlich. Mit seinem schwarzen Renault Scénic kommt er geradewegs aus Erfurt von einer Fraktionssitzung, wo es um die bevorstehende Gebietsreform ging.  Jeans, weißes Hemd, blaues Sakko – der Politiker wirkt frisch und modern.

Hartmut Heyer empfängt uns im Foyer, bittet in den Besprechungsraum. Die Firma stellt Messtechnik und Optik her, hat einen Namen in der Laserbranche. Heyer ist für mehr als 200 Mitarbeiter verantwortlich. Ob er ein Problem mit dem Fachkräftemangel habe? – Zum Glück nicht. Wir sind in der Lage, unsere Leute selbst auszubilden, sagt der Geschäftsführer. Ein Problem sei allerdings der öffentliche Nahverkehr. Die Mitarbeiter kämen aus ganz Thüringen mit dem Auto, da müsse es doch andere Möglichkeiten geben. Ein Fall für die Lokalpolitik. Wenn Matschie gewählt würde, könnte er sich der Sache annehmen.      

Station 2 ist Magdala. Am Rande der Stadt will die AWO ab 2018 das erste Pflegehotel Thüringens betreiben. Die Investruine von 1998 wird also doch noch einem nützlichen Zweck dienen. AWO-Vorstandschef Frank Albrecht lädt zu einer Führung durch das Haus ein. Marmorboden und holzgetäfelter Tresen tragen Hotelcharakter. Bis Ende dieses Jahres soll alles umgebaut und auf pflegebedürftige Menschen abgestimmt sein. Mit 30 Mitarbeitern will Pflegedienstleiterin Alexandra Hopf dann hier arbeiten. Die AWO sucht Fachkräfte und bietet  Ausbildungsplätze für Pflegeberufe an. Albrecht
erklärt, dass der Vorstand über ein duales Ausbildungssystem nachdenke. Soll
heißen: Theorie und Praxis in einer Ausbildungsstätte zu vermitteln.

Eigentlich wäre es jetzt Zeit für ein Foto und ich bitte Christoph Matschie, auf einem der Pflegebetten Platz zu nehmen. Doch diesen Gefallen tut er mir nicht. Im Umgang mit der Presse habe er einiges gelernt, sagt er. Sich für Fotos in ein Bett zu legen oder verrückte Kopfbedeckungen aufzusetzen, gäbe jedenfalls Schlagzeilen für Jahre.  

Am späten Nachmittag führt der Weg nach Jena zur Microfluidic ChipShop GmbH, wo der SPD-Mann eine Podiumsdiskussion unter dem Motto „Industrie 4.0 – die Digitalisierung unserer Arbeit“ moderieren wird. Vorher gibt es eine öffentliche Führung und mancher Besucher staunt, als er erfährt, wie innovativ Thüringen ist. Forschungsleiter Dr. Holger Becker und seine 95 Mitarbeiter arbeiten an modernen Chipsystemen für Laboratorien, um Wartezeiten extrem zu verkürzen. Im besten Fall könnte ein Blutstropfen des Patienten noch während des Gesprächs mit dem Arzt ausgewertet werden und Auskunft darüber geben, welche Medikation sinnvoll ist. Auch Antibiotika könnten so zielgerichteter eingesetzt werden. Die Quintessenz der Podiumsdiskussion ist übrigens, dass wir in Zukunft nicht weniger arbeiten werden, dass sich unsere Arbeit aber massiv verändern wird.   

Zum guten Schluss noch einige persönliche Fragen an Christoph Matschie:

Welche Musik hören Sie?
Das ist stimmungsabhängig – mal Beethoven, mal Queen oder andere gute Rockmusik.   

Wobei entspannen Sie?
Beim Klettern und beim Lesen. Zurzeit lese ich Rüdiger Safranski „Zeit – was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen“.  

Wie wertvoll ist Ihnen Zeit?
Sehr wertvoll, ich will sie deshalb gut nutzen. Mit über 50 denke ich öfter darüber nach, was wirklich wichtig ist.

Wen oder was würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?
Familie und Freunde, denn dann wäre die Insel nicht mehr einsam.  

Wollten Sie die Politik irgendwann an den Nagel hängen?
Bei jeder Arbeit gibt es Momente, wo man alles hinschmeißen möchte. Das ist in der Politik nicht anders. Aber Politik zu gestalten ist bei allen Problemen für mich eine sehr spannende Aufgabe. Deshalb bin ich nach wie vor mit Enthusiasmus dabei.

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https://www.meinanzeiger.de/erfurt/c-politik/in-einer-demokratie-kann-jeder-gewinnen-spd-bundestagskandidat-christoph-matschie-stellt-sich-schuelerparlament_a73034

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