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Constanze Kolinsky erklärt, wie getrennt lebende Eltern die Feiertage gestalten können
Das Gefühl geben: Alles ist gut

Einen Familienbaukasten aus Holz nutzt Constanze Kolinsky für Beratungsgespräche mit Kindern, deren Eltern sich trennen. Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet in der DRK-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern im Saale-Holzland-Kreis.
Einen Familienbaukasten aus Holz nutzt Constanze Kolinsky für Beratungsgespräche mit Kindern, deren Eltern sich trennen. Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet in der DRK-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern im Saale-Holzland-Kreis.
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Ein Patentrezept gibt es nicht! Jedenfalls nicht von Constanze Kolinsky. Die Diplom-Sozialpädagogin in der DRK-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Saale-Holzland-Kreises hilft seit rund zwei Jahrzehnten Kindern und Jugendlichen, die Trennung ihrer Eltern zu verarbeiten. Gerade die Weihnachtszeit ist für diese Familien mit Bedacht zu planen, lautet ihr Rat.

Zum Fest der Liebe kann sich die Weihnachtsstube in ein Minenfeld verwandeln, wenn die Eltern kein Paar mehr sind. Dass sich Vater und Mutter vielleicht einen Geschenkewettkampf bieten, ist da wohl noch das kleinere Problem. Trotzdem mahnt Constanze Kolinsky zur Mäßigung. Man sollte sich abstimmen, sich bei größeren Anschaffungen hineinteilen. Kein Elternteil müsste beispielsweis die Eisenbahn allein kaufen. Gebäude, Schienen, Züge könnten getrennt voneinander verschenkt werden.

Erst die Trauerphase überwinden

Das mag viel besser funktionieren, wenn die Trennung bereits verarbeitet wurde. Etwa eineinhalb Jahre dauere die kritische Trauerphase bei gescheiterten Beziehungen. Danach kann man manches einfacher werden, muss es aber nicht. Jede Familie muss ihren Weg finden.

Die wohl wichtigste Regel für Kolinsky lautet besonders zu den Testtagen: „Geben Sie Ihren Kindern das Gefühl, alles ist gut.“ Keine leichte Aufgabe, wie die Expertin weiß. Denn die Eltern können und sollen sich gleichzeitig nicht verbiegen, sondern authentisch bleiben.

Um eine positive Stimmung zu ermöglichen, sei es überlegenswert, gerade zu Beginn des Trennungsprozesses neue Wege zu gehen. „Man kann gemeinsam mit Freunden feiern oder wegfahren“, zeigt sie Alternativen auf, um Abstand zu gewinnen.

Mama und Papa im Wechsel

Wer zu Hause bleibt, sollte liebgewonnene Rituale weiter pflegen und zudem aufpassen, dass die Feiertage nicht zerrissen werden, das Kind auch Ruhe findet. Eine gute Möglichkeit sieht die Sozialpädagogin darin, den Heiligabend und Silvester immer abwechseln bei Vater und Mutter im jährlichen Wechsel zu verbringen. So erfährt das Kind Traditionen aus beiden Familienzweigen.

Eine Grundregeln im Alltag wie zum Fest sei, dass Eltern vor ihren Kindern nicht schlecht übereinander oder die neuen Partner reden. Auch andere Erwachsenenthemen sind tabu. Wenn das gelingt, die Eltern entspannt miteinander umgehen, könnte man Weihnachten sogar zusammen feiern. Doch Vorsicht ist auch dann geboten: Für manche Kinder könnte das ein falsches Signal sein, wenn diese noch hoffen, dass Mama und Papa wieder zusammenfinden. Zudem besteht die Möglichkeit, dass es kracht, wenn einer derPartner dann doch nicht so gut mit der Situation umgehen kann.

Bedingungen individuell aushandeln

Weihnachten in Familie: Da muss jede ihre eigenen Bedingungen fair aushandeln und dabei immer zum Wohle der Kinder handeln. Schließlich soll der Nachwuchs mit der Weihnachtszeit schöne Erinnerungen verbinden. So empfinden sie später auch als Erwachsene Freude in diesen Tagen und Wochen.

Die DRK-Beratungsstelle mit ihren Standorten in Eisenberg und Kahla unterstützt Familien gern bei der Planung der Feiertage. Sie stellt sich jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit auf vermehrte Hilferufe ein. „Wir nehmen vor dem Fest keinen Urlaub“ erklärt Kolinsky. Auch der übliche Teamberatungstag entfalle, um kurzfristig Beratungstermin vergeben zu können.

Hinweis

+ Die Hilfe einer Erziehungsberatungsstelle kann jeder beanspruchen, der mit Kindern zu tun hat oder für diese Verantwortung trägt. Dazu zählen auch Lehrer und Erzieher. Das Recht auf Beratung ist gesetzlich verankert.
+ Das Beratungsangebot ist kostenlos und vertraulich. Es kann auch anonym genutzt werden.
+ Welche Beratungsstelle gewählt wird, ist abhängig davon, in welcher Stadt oder in welchem Landkreis das Kind gemeldet ist. Sie wird zumeist durch freie, von der Kommune beauftragte Träger organisiert.
+ Über die Zuständigkeiten informieren die Jugendämter.

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