Jenaer üben Erste Hilfe fernab der Zivilisation

Fit für Notfälle in der freien Natur: Johanniter bilden Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes Jena in Outdoor-Erste-Hilfe aus.

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"Was ist dir passiert", fragt Julia Bing den Verletzten. Er hatte sich gerade übergeben.
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  • Fit für Notfälle in der freien Natur: Johanniter bilden Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes Jena in Outdoor-Erste-Hilfe aus.

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    "Was ist dir passiert", fragt Julia Bing den Verletzten. Er hatte sich gerade übergeben.
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Mit einem speziellen Outdoor-Kurs schulen die Johanniter Bergsteiger, Wanderer und Forscher für Extremsituationen in unwägbarem Gebiet. Auch Mitarbeiter des Max-Planck-Institus für chemische Ökologie auf dem Beutenberger Forschungscampus in Jena nutzen das Angebot.

Hähnchenschenkel machen nicht nur die Familie satt. Manchmal werden sie auch im Erste-Hilfe-Kurs eingesetzt. „Wir nutzen sie, um das Anlegen von Wundnahtstreifen zu demonstrieren“, erklärt Christian Gatniejewski von den Johannitern. Zum Beispiel bei kleinen Platzwunden und Schnittverletzungen. Im Vergleich zu anderen Fleischsorten ließen sich Hähnchen besonders gut trocken tupfen, auch sei ihre Haut der menschlichen sehr ähnlich.

Ungewöhnliche Umstände erfordern besonderes Übungsmaterial. Denn Gatniejewskis Kurse wenden sich an ein spezielles Publikum. Sie vermitteln, wie man Erkrankten und Verletzten fernab jeglicher Zivilisation helfen kann. Das können Wanderer, Kletterer und Bergsteiger sein, aber auch Welt- und Rucksackreisende. Nicht selten schulen Gatniejewski und sein Mitstreiter Merlin Radtke auch Wissenschaftler. Gerade waren sie zu Gast am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena.

Trainieren im imaginären Sibirien

Wenn die Johanniter-Ausbilder Gefahrensituationen in Sri Lanka oder Sibirien beschreiben oder während des Kurses Mienenwarnschilder aufhängen, dann wirkt das auf die Forscher nicht konstruiert. Sie sind oft in unwägbaren Gegenden unterwegs, müssen mit ungewöhnlichen Gefahrensituationen umgehen können.

„Wir versetzen die Teilnehmer in realitätsnahe Situationen, trainieren im Wald, am Fels oder auch auf dem Eis.“
Erste-Hilfe-Ausbilder Christian Gatniejewski

Die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut verschlägt es immer wieder nach Utah. „Wir betreiben dort eine Feldstation“, erklärt Julia Bing. Untersucht wird, wie sich eine heimische Tabakpflanze verhält, wenn einzelne Gene verändert werden. Für diese Untersuchungen sind sie in Wüstengebieten unterwegs. Zwei Stunden dauert der Weg bis ins nächste Krankenhaus. Auf diese Extremsituationen ist der Outdoor-Kurs ausgerichtet.

Ruhe bewahren beim Schlangenbiss

Schlagen sind ins Utahs Wüste eine besondere Gefahr. „Doch ihre Bisse dienen meist der Abwehr“, erklärt Radtke. Gift werde deshalb gar nicht abgesondert. „In den meisten Fällen ist die Panik der Gebissenen schuld daran, dass es ihnen schlechter geht.“ Geschult wird deshalb, wie man sich nach Schlagenbissen verhält, wie Mitreisende helfen können.

In den Outdoor-Kursen werden aber auch Maßnahmen bei epileptischen oder allergische Anfälle werden durchgespielt und Tragetechniken geübt, um Verunfallte zum nächsten Basislager zu bringen. „Wichtig ist auch, dass sie wissen, wie man mit einem Satellitentelefon eine korrekten Notruf absetzt“, berichtet Gatniejewski.

Wundversorgung an Hähnchenschenkeln

Wenn ein Arzt kilometerweit entfernt ist, müssen Wunden von Laien versorgt werden. Geübt wird das mit so genannten Steri-Strips. Sie werden aufgeklebt und verschließen damit die Wunde, vermeiden eine starke Narbenbildung. „Man sollte sie aber nur verwenden, wenn man weiß, wie es gemacht wird“, warnt Radtke. Geübt wird deshalb intensiv an Hähnchenkeulen. Für Veganer und Vegetarier hält er Apfelsinen bereit.

Gelernt wird im Outdoor-Kurs, wie man aus einfachen Materialen Hilfsmittel wie Tragen bauen kann, reanimiert, Hubschrauberlandeplätze einrichtet oder Höhen- und Tropenkrankheiten erkennt. „Wir schneiden unser Angebot auf die konkreten Wünsche unserer Teilnehmer zu“, erklärt Gatniejewski. Neben der medizinischen Erstversorgung sei aber das Wichtigste, dass man lerne, den Einsatz untereinander zu koordinieren, Entscheidungen in Extremsituationen zu treffen und Aufgaben zu verteilen. „Die Teilnehmer müssen mit dem Druck, der auf einem lastet, umgehen können.“

Zur Sache

+ Die Kurse für Outdoor-Erste-Hilfe finden im Freien statt.

+ Die Inhalte orientieren sich nach den Bedürfnissen der Kursteilnehmer, nach Einsatzgebieten und Reiseländern.

+ Outdoor-Kurse sind auch als Maßnahme zur Teambildung geeignet.
Das Ausbilderteam besteht aus professionellen Lehrrettungsassistenten mit internationalen Erfahrungen.

+ Eine Kursgruppe umfasst idealerweise 10 bis 15 Teilnehmer.

+ Im Landesverband Sachsen-Anhalt – Thüringen der Johanniter-Unfall-Hilfe werden die Outdoor-Kurse durch die regionalgeschäftsstelle Dessau-Roßlau koordiniert. Kontakt unter 0340/260790 oder rv.sachsen-anhalt-suedost@johanniter.de

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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