Ohne Schwitzen nach Lobeda und retour - Elektrofahrräder im Test

Jennifer Schubert und der AA-Tester bei einem kurzen Zwischenstopp nahe Lobeda-West.
  • Jennifer Schubert und der AA-Tester bei einem kurzen Zwischenstopp nahe Lobeda-West.
  • hochgeladen von Bernd Hausdörfer

JENA. Kürzere Strecken mit dem Auto - oder der Umwelt und der eigenen Fitness zuliebe doch lieber mit dem Fahrrad fahren? Keine leichte Frage, denn sich mit dem Drahtesel fortzubewegen heißt mitunter, besonders auf bergigen Strecken, auch richtig kräftig zu strampeln. Ob die immer mehr in Mode kommenden Elektrofahrräder ein zugkräftiges Argument für ein Umsteigen sein können, das wollte der Allgemeine Anzeiger Jena bei einer Probefahrt mit einem so genannten Pedelec wissen.

Eingeladen dazu hatte Jennifer Schubert, Abgeordnete und verkehrspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Thüringer Landtag. Und das am europaweiten „Autofreien Tag“. Ziel der Aktion ist es, an diesem Tag das Auto stehen zu lassen und stattdessen klimafreundliche Alternativen wie Fahrrad oder auch öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Zwar waren an jenem Donnerstag die Auswirkungen auf den Straßenverkehr in Jena bestenfalls marginal. Doch Jennifer Schubert, selbst eine ambitionierte Fahrradfahrerin, hofft trotzdem, dass der jetzige Anteil von sechs Prozent Radverkehr am Gesamtverkehr perspektivisch noch deutlich steigen wird. In diesem Zusammenhang kritisiert sie die Landesregierung, die gerade mal einen Million Euro zur Förderung des Radverkehrs in Thüringen – touristische Sonderprojekte sind dabei ausgenommen – einsetzen wolle.

Die Teststrecke führte, mit unterschiedlich konstruierten Modellen, vom Paradiesbahnhof nach Lobeda-West und zurück. Erste Erkenntnis: Wenn man die Beine nicht bewegt und nur rollt, bleibt auch der Motor aus. Tritt man in die Pedale, merkt man die Unterstützung sofort und hat das Gefühl, dass jemand von hinten „schiebt“. So kommt man sehr schnell in Fahrt. Hat man eine Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht, schaltet der Hilfsmotor allerdings ab. Zu tun habe das, so erklärte der freundliche Fahrradhändler, der die Pedelecs zur Verfügung stellte, mit der Befreiung von der Helmpflicht. Obwohl er persönlich rate, beim Radfahren immer einen Helm zu tragen.

Zwar enthielt die Strecke keine richtigen Berge, die kleineren Anstiege – zum Beispiel die „Rampe“ hoch nach Lobeda-West – waren jedenfalls ohne wesentliche Kraftanstrengung ganz schnell gemeistert. Nach einer effektiven Fahrtzeit von rund 40 Minuten waren wir zurück am Ausgangspunkt im Paradies – völlig unverschwitzt.

„Wenn ich mit dem Anhänger, in dem meine beiden Kinder sitzen, unterwegs bin, dann könnte ich so eine elektrische Unterstützung manchmal schon gut gebrauchen“, meinte Jennifer Schubert nach der Fahrt, ohne sich auf den Kauf eines Pedelec gleich festlegen zu wollen. Billig ist der Spaß mit dem kleinen elektrischen Anschieber nicht: Zwischen 2.300 und 2.500 Euro muss man für die von uns getesteten Fahrrädern im Fachhandel hinlegen. Aufladen lässt sich ein Pedelec an jeder üblichen Steckdose, zum Beispiel zu Hause. Öffentliche Stromzapfstellen zum Aufladen unterwegs sind heute noch selten zu finden. Die erste und einzige in Jena befindet sich seit Anfang September 2011 vor dem Stadtwerke-Gebäude in der Rudolstädter Straße.

AA-Fazit:

Für Nutzer, die hauptsächlich aus Fitnessgründen Fahrrad fahren, sind Pedelecs kaum interessant. Wer aber regelmäßig aus praktischen Gründen – zum Beispiel um zur Arbeit zu kommen - das Fahrrad benutzt, für den kann ein Elektrofahrrad eine bedenkenswerte Alternative sein. Für Senioren, die eine möglichst große Mobilität mit dem Rad anstreben, ist ein Pedelec ohnehin ein sehr interessantes Angebot.

Autor:

Bernd Hausdörfer aus Jena

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