Von Skiläufen auf dem Rennsteig
80km-Superski des USV Jena

Gleich mehrfach machte der MDR in diesem Winter Werbung für den „142 Kilometer langen Rennsteig-Skiwanderweg“. Die günstigen Winterbedingungen ermöglichten es 2019, dass der Großteil des ca. 170 Kilometer langen Rennsteigs mit Skiern zu belaufen war, wofür die ortsansässigen Gemeinden oder Wintersportvereine entsprechende Loipen präpariert hatten.
Die historischen Spuren von Skiläufen im Rennsteiggebiet führen bis in das Jahr 1804 zurück, als Johann Christoph Friedrich GutsMuths in seinem Buch „Gymnastik für die Jugend“ unter den Gleichgewichtsübungen ausführlich das Schneelaufen beschrieb. Da GutsMuths bekannt dafür ist, dass er die meisten Übungen, nach seiner Terminologie als „Gymnastik“ bezeichnet, mit seinen Zöglingen in Schnepfenthal selber ausprobiert hat, kann man das Jahr 1804 als Erstnennung von Skilaufaktivitäten im Rennsteiggebiet bezeichnen. 1884 wurde in den „Kloßchen Jahrbüchern der deutschen Turnkunst“ sogar darüber berichtet, dass GutsMuths nach norwegischen Bauplänen schon 1795 selber Ski gebaut und ausprobiert habe. 1892 sind mit den Rechtsanwälten Julius Heß und Adolf und Max Katzenstein sowie dem Polarforscher Max Räbel vier Eisenacher namentlich in der Presse erwähnt, die als Skiläufer unterwegs waren. Der Anlass ist allerdings ein trauriger, denn Max Katzenstein verunglückte bei einer Skiabfahrt unter der Wartburg so schwer, dass er später an der Verletzung verstarb. Ein Jahr später, lief Max Räbel dann auf Skiern über 27 Kilometer von Eisenach zum Inselberg. Bei diesem Lauf benutzte er 2,80 m lange Schneeschuhe und die norwegische Doppelstocktechnik.
1905 kann dann der erste offizielle Skiwettkampf mit Start in Oberhof auf dem Rennsteig nachgewiesen werden. „Es gab drei Langrennen: 3 km für Herren, 2 km für Damen, 1 km für Kinder. Am Nachmittag gründete sich der Thüringer Wintersportverband. „Die wichtigste Maßnahme des Thüringer Wintersportverbandes nach seiner Gründung war das Entsenden einer Delegation nach Norwegen, um Skilehrer als „Entwicklungshelfer“ zu gewinnen“, findet man in der Literatur. Im Jahr darauf gab es den ersten Skiwettkampf, der als „Rennsteig-Rennen auf Schneeschuhen“ bezeichnet wurde. Er führte über 30 Kilometer vom Inselberg nach Oberhof. Der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha hatte das Protektorat übernommen. Es starteten sechs Männer, unter ihnen der bekannte Norweger Robesahm, der auch gewann. Er brauchte 2: 32: 50. Dieser Lauf, vom Inselberg bis Oberhof, manchmal auch umgekehrt, existierte bis in die 1990er Jahre je nach Witterungsbedingungen, teilweise mit längeren Unterbrechungen. Als „Erbe“ kann man den in 2019 durchgeführten „42. Rennsteig-Ski-Lauf“ ansehen, der allerdings schon seit Jahren nicht mehr als „Punkt zu Punkt-Lauf“ sondern als Lauf mit Start und Ziel in Oberhof organisiert wird.
Einen Rennsteig-Ski-Staffellauf, der insgesamt über 100 Rennsteig-Kilometer führte, wurde 1922 vom Thüringer Wintersportverband aus der Taufe gehoben. Ideeller Anlass war das Gedenken an die im I. Weltkrieg gefallenen Mitglieder. Im ersten Jahr startete man am Inselberg mit dem Ziel am Kriegerdenkmal bei Ernstthal. Elf Abschnitte waren zu besetzen und 17 Staffeln melden sich. Die erste Siegermannschaft kam aus Vesser. Da dem Verband damals auch der „Rennsteigverein 1896“ angehörte, verlegte man in den folgenden Jahren den Start zum Kriegerdenkmal des Rennsteigvereins am Glöckner. Zeitweilig gab es dann Starts an beiden Ehrenmalen, gleichzeitig mit dem Ziel auf der Schmücke.
In der Zeit nach der Wende, nachdem auch der bayrische Teil des Rennsteigs wieder zugänglich geworden war, und nach dem erfolgreichen „Rennsteig-Weltrekord“ von 1994, als sechs Rennsteigläufer gemeinsam den gesamten Rennsteig am Stück durchwanderten, gab es auch wieder Ideen und Projekte, den Rennsteig über die 170km mit Skiern zu belaufen. Initiiert durch den „Mitweltrekordler“ Dr. Matthias Schulze starteten im Winter 1997 vier Skiläufer um Schulze bei günstiger Schneelage in Blankenstein. Ein kleines Versorgungsteam und Helfer an der Strecke, durch Falk Wick von Tettau organisiert, kümmerte sich um die Logistik. Bis Spechtsbrunn war der Autor der Serie als wegekundiger Führer dabei. Hinter dem Brand bei Ernstthal hatte sich die Gruppe aber getrennt, und ein Läufer kam vom Rennsteig ab. Trotz Suche durch die Bergwacht dauerte es Stunden bis er wohlbehalten wieder auftauchte, sodass der Lauf aus Zeitgründen dann abgebrochen wurde. Erfolgreicher verlief ein Projekt des USV Jena 1999, als 18 Männer und zwei Frauen am Rondell zum „I. 80km-Rennsteig-Superskilauf“ starteten. Ziel war die Schwimmhalle in Steinbach a. W. Unterstützung erhielten die USV Organisatoren durch den SV „Rennsteig“ Masserberg, den TSV Tettau und die Gemeinde Steinbach. Trotz schwieriger Witterungsbedingungen, durch ständiges Schneetreiben waren die Spuren teilweise völlig verweht, musste nur ein Läufer aufgeben.
Der USV wollte die Idee eines „Rennsteig-Superskilaufs“ nach dem Organisationsmodell des niederländischen „Elfstedentocht“ weiter verfolgen. Dieser Schlittschuhlauf zwischen 11 Städten über fast 200km, wird immer dann kurzfristig angesetzt, wenn es die Eisbedingungen erlauben. Ähnliches könnte auch bei entsprechenden Schneebedingungen auf dem Rennsteig erfolgen. Wegen der fehlenden langfristigen Terminplanung und Kritik der „Profiskiläufer“ an den vielen Straßenquerungen, gab es nur noch 2000 einen zweiten Start des „80km-Rennsteig-Superskilaufs“, der aber wegen eines Wärmeinbruchs in Masserberg abgebrochen werden musste.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Foto Kremer: Einweisung der Teilnehmer zum „II. 80km-Rennsteig-Superskilauf“ am Start bei Oberhof gegen 6.00 Uhr bei völliger Dunkelheit.

In: Thüringische Landeszeitung vom 20. März 2019 Nr. 630

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