Zur Jenaer Sportgeschichte Tischtennis
Als Blomeyer der erste Thüringer Meister wurde

Die zwei Beiträge über die frühe Geschichte des Tischtennissports in Jena riefen eine ganz Reihe von positiven Reaktionen hervor, die eine Weiterführung sinnvoll macht. Es gab konkrete Hinweise und Kontakte, leider bisher aber keine historische Fotos. Auf eine wichtige Quelle verwies Peer Kösling, der in seinem umfangreichen Nachschlagewerk über die Turn- und Sportbewegung in Kahla „Gut Heil! Frei Heil! Sport Frei“ auch über die Anfänge des Tischtennissports berichtete. Dieser setzte in Kahla ähnlich wie in Jena Anfang der 1930er Jahre ein. Jenaer Tischtennissportler scheinen dabei häufig zu den Initiatoren und Unterstützern gehört zu haben. Bis zu vier Tischtennisabteilungen bzw. Tischtennisvereine hat es zeitweilig in Kahla gegeben. Unter den Namen „Grün-Weiß“ und „Ping-Pong-Klub“ gab es sogar „reine“ Tischtennisvereine. In Spielberichten tauchen als erste Gegner der „Ping-Pong-Klub“ Jena und die „Tischtennisgilde“ auf. Als weitere Jenaer Gegner erscheinen noch der 1. Tischtennis-Klub, die „Tischtennisfreunde“, die Tischtennisabteilungen der Turngemeinde und des Polizeisportvereins. Als leistungsstärkster Jenaer Tischtennisverein wurde die „Tischtennisgilde“ ausgewiesen „…in dessen Reihen Thüringer Meister verschiedener Klassen spielten, darunter mit Huang offenbar bereits ein Spieler chinesischer Herkunft…“ kann man bei Kösling lesen. Dieser Name eines chinesischen Studenten tauchte 1928 erstmals beim „XI. Turn- und Sportfest der Thüringischen Landesuniversität“ auf, als er im Tennis-Herren-Doppel gemeinsam mit dem Studenten Tan den dritten Platz belegt. In der entsprechenden Ergebnisliste wurde er als Mitglied des Vereins für Bewegungsspiele (VfB, heute USV) ausgewiesen. Die zweite Nennung von Huang erfolgte dann 1931 bei den Thüringer Tischtennismeisterschaften in Erfurt, wo er im Doppel mit Chang gewann. Wie schon mal berichtet, wurde bei den Herren ein Dr. Blomeyer Einzelmeister, den wir mit Prof. Dr. Karl Blomeyer am Forstweg 22 in Verbindung gebracht hatten, welcher von 1904 bis 1911 Senatspräsident des Oberlandesgerichts gewesen war. Der Vater von Karl, der Senatspräsident Carl Blomeyer gehörte übrigens zu den Gründern des Jenaer Verschönerungsvereins, der sich besonders um die Anlegung von Wanderwegen um Jena verdient gemacht hat.
Wie wir vom Historiker Dr. Joachim Hendel aus Marburg erfuhren, gab es damals noch weitere Blomeyers in Jena, von denen der Fregattenkapitän Fritz Blomeyer von Interesse ist, der an der Uni Lektor für Chinesisch, Japanisch und Suaheli war. Ein Kontakt zu den chinesischen Studenten durch ihn scheint logisch. Sein Sohn Arwed promovierte 1929 an der juristischen Fakultät und scheint der zitierte erste Thüringische Landesmeister im Tischtennis gewesen zu sein. Der Vater Fritz wurde 1868 in Hildburghausen geboren und wäre damals schon über 60jahre alt gewesen, was zwar das Tischtennisspielen nicht ausschließt, wie die Seniorensportler des USV regelmäßig nachweisen, aber eine Landesmeistertitel eher als unwahrscheinlich erscheinen lässt. Fritz Blomeyer war außerdem nicht promoviert. Er hatte eine militärische Laufbahn eingeschlagen, nachdem er in Meiningen und Gotha das Gymnasium besuchte. Bei der kaiserlichen Marine brachte er es bis zum Fregattenkapitän, was etwa dem Dienstrang eines Oberstleutnants entsprach. Bei mehreren Auslandseinsätzen scheint er sich als Sprachtalent erwiesen zu haben, denn in seinen Personalunterlagen wird darauf verwiesen, dass er Chinesisch und Suaheli beherrschte und als Dolmetscher eingesetzt wurde. Ob er bei dem berüchtigten Einsatz der kaiserlichen Marine bei der Niederschlagung des „Boxeraufstands“ zwischen 1899 und 1901 beteiligt war, konnte noch nicht ermittelt werden. Dieser Volksaufstand der „Bewegung der Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie“, der sich gegen ausländische Einflussnahme in China richtete und der von einer Allianz aus Truppen des Deutschen Reichs, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Japans, Österreich-Ungarns, Russlands und den USA blutig niedergeschlagen wurde, führte dazu, dass Deutschland in China einen kolonialen Stützpunkt erhielt. Die Auszeichnung Fritz Blomeyers mit dem russischen Annenorden (IV. Klasse) lässt allerdings eine Beteiligung an den Kämpfen vermuten. 1908 beendete Fritz Blomeyer seine militärische Laufbahn, studierte Japanisch in Berlin und war von 1910 bis 1914 Dolmetscher an der deutschen Botschaft in Tokio. Nach dem ersten Weltkrieg zog er mit seiner Familie nach Jena. Ob bei Ortsauswahl ein Verwandtschaftsverhältnis zu den Blomeyers in der Forststraße eine Rolle spielte, konnte noch nicht geklärt werden, ist aber sehr wahrscheinlich, da die Wurzeln der Juristenfamilie Blomeyer ebenfalls in Südthüringen liegen.
Arwed Blomeyer, der 1906 in Wilhelmshaven geboren wurde, besuchte in Jena das Gymnasium, immatrikulierte 1927 an der Uni, promovierte 1929 und ging nach seiner Assessorenzeit nach Berlin, wo er 1936 habilitierte. 1937 übernahm er die Vertretung eines Lehrstuhls in Tübingen, den er 1939 erhielt. 1941 folgte er dem Ruf an die Uni Jena. 1943 wurde er zum Oberlandesgerichtsrat ernannt. Da er kein Mitglied der NSdAP gewesen war und die sogenannten „Reinigungsüberprüfungen“ ohne größere Probleme überstanden hatte, war er spätestens ab 1947 wieder an der Uni tätig, wurde aber 1948 an das ausgelagerte Oberlandesgericht nach Gera delegiert. 1951 verließ er die DDR um einen Lehrstuhl für bürgerliches Recht, Handelsrecht, Zivilprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Freien Universität in Westberlin zu übernehmen. Arwed Blomeyer starb 1995 in Berlin.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Aus der Personalakte, die sich im Universitätsarchiv befindet, stammt dieses Passfoto von Arwed Blomeyer.

In: Thüringische Landeszeitung vom 13. Juli 2019 Nr. 645

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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