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Dem Medailleur Helmut König aus Zella-Mehlis zum Gedenken

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Helmut König (1.10.1934 – 24.3.2017) zum Gedenken

Der namhafte Prägemedailleur Helmut König verstarb 82jährig in seiner thüringischen Heimatstadt Zella-Mehlis. Helmut König hatte viele Jahre eine enge Bindung zum GutsMuths-Rennsteiglauf. Den gelernten Graveur, der anfangs vor allem Jagdwaffen mit seinen Gravuren veredelte, lernte ich bereits 1974 durch Herbert Weiß aus Heidersbach kennen, als wir gemeinsam den III. GutsMuths-Rennsteiglauf vorbereiteten. Herbert Weiß war der technische Leiter und vor allem unser Kontaktmann zu den Sportgemeinschaften im Thüringer Wald, die wir in die Organisation des erstmals öffentlich ausgeschriebenen Rennsteiglaufs einbeziehen wollten. Im kleinen Kreis der Jenaer Orientierungslaufgruppe war für die Ausschreibung dieses Laufes, der anfangs als „100km-Leistungswanderung“ bezeichnet wurde, auch diskutiert worden, welche Anerkennung wir den Teilnehmern zukommen lassen wollten. Vom bekannten Lauschaer Maler Günther Dührkop hatten wir einen Linolschnitt als Grundlage für ein Plakat und die Sieger und Ehrenurkunden bekommen. Es sollte aber jeder ein Andenken mit nach Hause nehmen. Nach dem Beispiel der 100km-Wanderungen in der CSSR stand eine Art Teilnehmerabzeichen zur Diskussion. Herbert Weiß kannte vom Wintersport und vom Klettern Helmut König, der beim Aufbau einer kleinen Graveurwerkstatt in Zella-Mehlis war. Ein kurzfristig anberaumter Besuch erbrachte seine Zustimmung, allerdings nicht wissend, wie wir alle, dass die geplante Teilnehmerzahl von etwa 100 deutlich überschritten werden sollte. Am Ende waren fast 1000 Teilnehmer gemeldet. Trotzdem gelang die Herstellung eines kleinen ca. 13mm kreisrunden Abzeichens mit unserem Rennsteiglaufsymbol, welches Klaus Hobrack entworfen hatte, in Kupfer. Um am Ende etwa 1000 Stück fertig zu bekommen, mussten Herbert Weiß und ich eine Sonderschicht in Zella-Mehlis einlegen, um die Anstecknadeln auf der Rückseite des Abzeichen einzupressen. In Erinnerung blieb mir dabei, dass wir dies bei regnerischem Wetter fast im Freien machen mussten, da Helmuts dafür benötigte Presse nur unter einer kleinen Überdachung im Freien stand. Das Projekt gelang, und am Ende konnten wir sogar noch ca. 10 Abzeichen in 800er Silber prägen. Dafür spendete ich einen Löffel aus unserem ererbten Familienbesteck, da schon die Kupferbeschaffung unter DDR-Bedingungen kompliziert war und Silber garnicht zur Verfügung stand. Diese Abzeichen wurden dann als erste Auszeichnung an die wichtigsten Mitorganisatoren verliehen.
Insgesamt unterstützte uns Helmut König bei der Abzeichenbeschaffung etwa bis 1980. Er schuf zumindest die Werkzeuge und die Kontakte zu einem Betrieb in Waltershausen, der die größeren Stückzahlen prägen konnte. Helmut Königs Werkstattkapazitäten waren spätestens ab 1978, als wir auf die 3000 Teilnehmer zugingen, nicht mehr ausreichend. Die ganze Familie von Helmut half aber bei der anschließenden „Fertigstellung“, die in der Einfärbung der Abzeichen bestand. Dabei leisteten wir uns Anfangs den Luxus, die Farben der Anstecknadeln nach Strecken und für Helfer zu variieren. Die Abzeichen hatten nach 1976, wo Helmut noch mal etwas Messing bereitstellen konnte, dann mehrere Jahre Aluminium als Ausgangmaterial. Nach 1980 gelang es uns dann über viele persönliche Kontakte Bilanzanteile zur Abzeichenherstellung in Markneukirchen bei Präwema, dem Monopolisten bei der Abzeichenproduktion mit hochwertigem Material und mehrfarbiger Gestaltung in der DDR zu bekommen. Die Entwürfe für die Abzeichen kamen meist von renommierten Künstlern, wie Angelika Schütt und Ernst Jung aus Gera. Bei dem Ausführungsentwurf griffen wir aber bis 1990 immer auf den Rat von Helmut König zurück, der zwischenzeitlich zu einem der bekanntesten Medaillenschneider in Thüringen geworden war.
Mit ihm wurde auch bald nach Möglichkeiten gesucht, nach dem ersten silbernen Auszeichnungsabzeichen etwas zu entwickeln, womit wir die Helfer und Organisatoren ehren konnten. Anfang der 1980er Jahre wurde mit unserem Schirmherrn Prof. Dr. Willi Schröder von der Jenaer Universität, den ich mit nach Zella-Mehlis genommen hatte, die Idee einer GutsMuths-Medaille geboren. Grundlage wurde eine Portraitbüste, die in der kleinen Gedenkstätte in der Salzmannschule in Schnepfenthal stand. Nach dieser sehr idealisierten Vorlage und einer Zeichnung von Günther Dührkop modellierte Helmut König ein Hochrelief von ca. 25 cm Größe, welches die Grundlage für die Medaille wurde, die wir dann in Kupfer, versilbert und in Messing prägen ließen um die Stufen Bronze, Silber und Gold als Auszeichnung vergeben zu können. Gleichzeitig wurde 1984 ein Abguss dieses Entwurfs für den ersten Gedenkstein verwendet, den der Rennsteiglauf in Schmiedefeld als sogenannten „Siegerehrungsstein“ setzen ließ. In verkleinerte Form wurden außerdem nach diesem Modell Porzellanplaketten, Bierkrüge und andere Souvenirs gestaltet.
Einige Jahre später, Helmut König hatte sich sowohl künstlerisch als auch handwerklich inzwischen zum anerkannten Kunsthandwerker entwickelt, wurde eine zweite Medaille mit einem Portrait des alternden GutsMuths von Helmut König geschnitten, wo seine künstlerische Handschrift noch mehr zum Tragen kam. Als Tiefprägung mit erhöhtem Rand wurde sie die Auszeichnungsplakette des Rennsteiglaufs, die besonders für verdienstvolle Förderer des Rennsteiglaufs eingesetzt wurde.
Inzwischen war Helmut König der unbestrittene „König“ unter den wenigen Prägemedailleuren der DDR und konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Als ehemaliger aktiver Skiläufer, der im Winter in seiner Freizeit gerne die Ski anschnallte und über den Rennsteig lief oder im Sommer wanderte, hatte er immer ein offenes Ohr für Sportorganisatoren. Viele, zum Teil auch kleinere Wettkämpfe unterstützte er mit der Anfertigung von Medaillen oder Preisen. Für die BSG Wismut Gera übernahm er sogar mal einen größeren Auftrag anlässlich des 30. Geburtstages dieser zweitgrößten Betriebssportgemeinschaft der DDR. Der Vorteil für Helmut König war dabei, dass die Wismut ihm einige Tafeln starkes Kupfer- und Aluminiumblech zur Verfügung stellen konnte. Das war für seine Auftragsrealisierung wichtig, da er vom chronischen Buntmetallmangel in der DDR betroffen war.
Kupfer wurde in den 1980er Jahren nur noch in Ausnahmefällen bewilligt. Ansonsten musste er mehrfach Eisenkernmaterial, welches durch die Ummantelung mit Kupfer veredelt worden war, vorlieb nehmen. Dies brachte aber immer wieder Prägeprobleme mit sich und forderte bei der Anfertigung der Stempel ein Umdenken bzw. sorgte manchmal für die frühzeitige Beschädigung der Werkzeuge durch Überlastung. So manches Mal erlebte ich ihn fluchend bei der Arbeit, ob der nicht voraussehbaren Schwierigkeiten. Dank seiner Anerkennung als Kunsthandwerker konnte er für gewichtige Aufträge allerdings Sonderbewilligungen auf Kupferronden erwirken.
Das zusätzlich bereitgestellte Kupfer aus Wismutbeständen ermöglichte sogar ein spezielles Souvenir, einen Flaschenöffner, in dem eine Kupfermedaille eingelassen worden war. Dieses hochwertige Souvenir erfreut sich heute bei „Königmedaillensammlern“ auf Grund seiner Einmaligkeit in Helmut Königs Schaffen, großer Beliebtheit. Mein eigener Anteil daran war, dass ich die Kupfermedaillen in die verchromten Stahlflaschenöffnerrohlinge einpressen durfte, was mir als gelernten Landmaschinenbauer nicht schwer fiel. Das dafür nötige Werkzeug hatten wir auch gesondert anfertigen lassen.
Ein umfangreiches und auch für ihn finanziell interessantes Betätigungsfeld waren die Anfertigung von Faksimiles u. a. für die Stiftung Weimarer Klassik. Außerdem standen die Fachgruppen Numismatik aus der ganzen DDR bei ihm „Schlange“, um für Ausstellungen und Jubiläen Sonderprägungen zu bekommen. Dabei entstand die Idee, auch für den Rennsteig spezielle Medaillen zu berühmten Persönlichkeiten, Orten oder Ereignissen zu schaffen. Die Realisierung war aber erst nach der politischen Wende 1990 möglich. Die erste Medaille dieser Serie entstand bereits 1990 für die Teilnehmer des „I. Gesamtdeutschen Rennsteiglaufs“. Dabei wurde als Rückseite ein Medaillenschnitt genutzt, den Helmut König bereits für die Grenzöffnung auf dem Rennsteig geschaffen hatte. Später folgten über zehn Medaillen mit Motiven die einen Bezug zum Rennsteig bzw. zum Rennsteiglauf hatten. Der GutsMuths-Rennsteiglaufverein bzw. der USV Jena e. V. traten dabei häufig als Finanziere der ersten Auflagen in Erscheinung. Medaillen zu Rennsteigrekordläufen, wie „100 laufen 100km“ oder „50 laufen 50“, eine Medaille zum Taschenlampenstart, eine Medaille für die vier Rennsteiglaufgründer usw. bildeten eine sammelnswerte Serie, die aber auf Grund ungenügender Vermarktung unter Läufern kaum bekannt wurde. Genutzt wurden aber einige Motive für Siegerehrungsmedaillen bei Rennsteiglauf.
Als der Getränkesponsor Gatorade sich bereiterklärte einen gesonderten Preis mit einem breitensportlichen Hintergrund auszuloben, wurde die Idee geboren einen Preis für den Läufer auszuschreiben, der als 974. an Pläckners Aussicht (Höhe 974 m über Normalnull) ankam. Plänckners Aussicht ist der höchste Punkt, den die Rennsteigläufer am Großen Beerberg überwinden müssen. Damit sollte die volkssportliche Idee – Teilnahme ist wichtiger als Sieg – des Rennsteiglaufs hervorgehoben werden. Dieser Preis wurde daher als der wertvollste des Rennsteiglaufs deklariert. Da die Organisatoren prinzipiell, auch heute noch, keine Preisgelder ausgeben, wurde dieser volkssportliche Preis mit einem besonders hohen ideellen und materiellen Wert versehen. Helmut König schuf dafür eine Medaille mit dem Portrait von Julius v. Plänckner, dem Begründer des Rennsteigwanderns und prägte davon eine einzige Medaille in echtem Gold. Deren reiner Goldwert, den damals der Sponsor auf 974,- DM festlegte, hat sich seitdem auf Grund der gestiegenen Goldpreise um ein mehrfaches erhöht, mal abgesehen vom numismatischen Wert. Den Preis gewann Peter Hinrich aus Wilhelmshaven. Neben Plänkner kamen u. a. auch Max Raebel, Julius Kober und Hebert Roth als bekannte „Rennsteigpersönlichkeiten“ auf Königmedaillen zu Ehren und wurden vereinzelt in 999er Feinsilber ausgeprägt.
Für die Friedrich-Schiller-Universität fertigte Helmut König eine Replikmedaille zur 1914 erstmalig herausgegeben Universitätssportmedaille. Diese stellte auf Grund des sehr fein ausgeschnitten Siegel des Universitätsgründers Johann Friedrich hohe Anforderung, die er in seiner bekannten Liebe zum Details zur Freude aller Sammler mit Bravour erfüllte. Das Siegel wurde dann gleich für die Teilnehmer und Siegermedaillen, 2000 in Jena organisierten Studierenden-Weltmeisterschaften im Cross verwendet. Von beiden wurde eine Kleinstauflage in 999 Silber geprägt.
Als letzte von mir initiierte Medaille hatte Helmut König eine Medaille nach dem Portraitrelief von Hermann Peter im Auftrag des Supporters Trust Jena e. V. geschnitten, der diese an Stifter zu Gunsten der Errichtung eines Denkmals für den Begründer des modernen Sports in Jena verkaufte.
Der in Mailand, wo sein Vater damals arbeitete 1934 geborene Helmut König war für mich über 43 Jahre ein enger Freund, mit dem mich viele gemeinsame Ideen und Projekte und eine ganz persönliche Freundschaft verbanden. An seinem Kaffeetisch haben wir zusammen mit seiner lieben Ehefrau Brigitte oft die großen und kleinen Probleme der Welt offen diskutiert. Enge Kontakte konnte ich bei ihm zu anderen Kunstschaffenden und Sportorganisatoren entwickeln. Viele gute Freunde, Bekannte, Journalisten und Sportfreunde konnte ich mit Helmut König bekannt machen. Der Besuch seiner Werkstatt war immer ein nachhaltig positives Erlebnis für mich, was mir fehlen wird.

Dr. Hans-Georg Kremer

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