Der USV Jena kann seinen 70. Geburtstag feiern
Ein wichtiges Jubiläum

Am 13. April 1949 wurde die HSG Jena, der Vorläufer des USV, gegründet

Vereinsjubiläen sind gute Anlässe für eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit, bei der die positive Entwicklung des Vereins darstellt werden kann, auch um damit Förderer, Sponsoren und neue Mitglieder zu werben. Besonders Vereine, die älter als 100 Jahre sind, können damit regelmäßig in den Medien „punkten“. Der Bundespräsident hat für solche Vereine eine Plakette gestiftet, die regelmäßig zu feierlichen Anlässen, manchmal in der Thüringer Staatskanzlei aber manchmal auch in Berlin übergeben wird.
Der USV gehört neben dem SV Schott (gegründet 1896), dem FC Carl Zeiss (1903) und dem SV Jena-Zwätzen (1912) zu den ältesten Sportvereinen der Stadt. Als der USV am 8. März vor 108 Jahren als „Vereins für Bewegungsspiele Jena e. V.“ (VfB) gegründet wurde, gehörten die Abteilungen Fußball, Leichtathletik, Hockey, Wintersport sowie die akademische Abteilung (heute Hochschulsport) zu ihm. Der bereits 1908 gegründete Tenniswettspielverein und die seit 1898 nachgewiesene Ruderabteilung des Spielplatzvereins schlossen sich in den Folgejahren dem VfB an.
Ein zweites wichtiges Jubiläum für den USV ist die Gründung der Hochschulsportgemeinschaft (HSG) am 13. April 1949, also vor 70 Jahren. Am Ende des II. Weltkriegs 1945 waren von den alliierten Siegermächten alle Turn- und Sportvereine, auf Grund ihrer engen Bindungen an die Nationalsozialistische Partei (NSdAP) und deren Ideologie, verboten worden. Im Osten Deutschlands gab es ab 1946/47 erste Versuche einen Sportbetrieb auf regionaler Ebene wieder ins Leben rufen. Bei der Uni, die nach der Wiedereröffnung im Herbst 1945 kein Sportinstitut gründen durfte, kümmerte sich das Sportreferat des Studentenrats um den Aufbau und die Organisation von Studentensportgruppen und erste Wettkämpfe. Sportler und Funktionäre des VfB, der ähnlich wie heute der USV Jena e. V., durch gemeinsame Interessen und Verträge eng mit der Uni verbunden war, fanden sich teilweise beim SV Schott und bei der SG Ernst Abbe, aus der dann die BSG Motor Carl Zeiss wurde. Bei der Sportgemeinschaft Schott kam noch als besonders bindendes Element hinzu, dass die Schottsportler teilweise die Universitätssportplätze in der Oberaue nutzen konnten. Dafür wurden langfristige Verträge zwischen Schott und Uni abgeschlossen, in denen sowohl die Instandsetzung, der Ausbau, der Betrieb und die Nutzung geregelt waren.
Die Gründung einer eigenständigen Betriebssportgemeinschaft der Uni als HSG vor 70 Jahren basierte auf zentralen gesetzlichen Vorgaben, die für die gesamte „sowjetisch besetzte Zone“ galten. Ein Ziel war, den Sportbetrieb an der Uni dem bisher sehr erfolgreich tätigen und demokratische gewählten Studentenrat und dessen Sportreferat zu entziehen und der Grundeinheit der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und der Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL des FDGB) zu unterstellen. Es waren auch die FDJ und die BGL, die in gesonderten Einladungen am „schwarzen Brett“ in der Uni zur Gründungsveranstaltung einluden.

Am 13. April trafen sich dann ca. 100 Studentinnen und Studenten im Lesesaal der Mensa am Philosophenweg um die HSG zu gründen. Wer die Versammlung leitete ist nicht bekannt, auf jeden Fall waren als „offizielle“ Vertreter ein Sportfreund Dose vom Deutschen Sportausschuss, ein Vertreter des Landessportausschusses und Sportfreund Wegerbauer als Leiter des Kreissportausschusses Jena anwesend. Es gab vorher festgelegte Kandidaten für den Vorstand, über die einzeln in offener Abstimmung entschieden wurde. Als erster Vorsitzender wurde der aus Kahla stammende Student der gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät, Bernd Schwalbe gewählt, zweiter Vorsitzender wurde der Student der philosophischen Fakultät, Hans-Werner Saueracker. Dann wurden Leiter für Kultur und Bildung (Max Eichhorn-Rasch) und Frauensport (Frl. Bergmann) und ein Kassierer (Schneider) – ebenfalls alles Studierende, in den Vorstand gewählt. Für die einzelnen Sportarten wählte man im Block Spartenleiter, die zum Großteil mit den Spartenleitern des Sportreferats identisch waren. Als Namen sind überliefert: Boxen – Saueracker, Faustball –Wieder, Handball - Leuthäuser, Fußball - Barton, Leichtathletik – Schulz, Tischtennis – Ziegler, Turnen – Gutewort, Wintersport – Unger, Schwimmen – Giera, Tennis – Wieder und Schach – Bartolomäi.
Innerhalb kürzester Zeit hatte die HSG fast 1000 Anmeldungen, meist Studierende, aber auch Mitarbeiter und vereinzelt der Uni nahestehende Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Die HSG begann in den Sparten sich an lokalen Wettkämpfen zu beteiligen und Studentensportwettkämpfe zu besuchen. Im Prinzip kann man feststellen, dass sie sich fast analog zu dem bis 1945 existierenden VfB zum Zentrum des Unisports entwickelte und die Basis für das in Jena noch heute teilweise praktizierte „Jenaer Modell des Hochschulsports“ legte. Es zeigte sich allerdings, dass die Leitung einer solchen Organisation im Ehrenamt fast nicht möglich war, zumal die Finanzsituation der Studierenden damals sehr bescheiden war. So stellte die Universität neben dem Sportbüro in der Mensa auch Gelder für eine kleine Honorierung zur Verfügung, was dazu führte, dass der noch existierende Studentenrat unter Leitung von Georg Buschner sich bei der FDJ, als Träger des Studentensports, beschwerte, dass der Leiter der HSG und der Kassierer monatlich 20,- Mark als „Gehalt“ für täglich zwei Stunden Bürotätigkeit erhalten würden. Wie es mit der HSG weiterging folgt demnächst in dieser Serie.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Vom ersten HSG-Vorsitzenden Bernd Schwalbe gibt es bisher nur ein Foto, rechts mit Hut; vor ihm Manfred Dressler und Horst Götze, als Zuschauer beim Fußball.

In: Thüringische Landeszeitung vom 10. April 2019 Nr. 633

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