Rennsteiglaufgeschichte
Eintrag ins Guinness-Buch

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Der Lauf, nass, kalt und lang war eine Strapaze“
 

 
In der, in diesem Jahr in gedruckter Form, vorliegenden zweiten Auflage der
Ehrentafel des Universitätssports sind alle Medaillenträger auf nationaler und
internationaler Ebene aufgenommen worden, die dem USV Jena e. V. und seinen Vorgängervereinen HSG Uni Jena und VfB Jena angehörten. Dazu kommen die Hochschulsportler, also Studierende der Universität, die bei akademischen Meisterschaften erfolgreich waren. Einen Sonderfall stellen
Universitätsangehörige, d. h. Studierende oder Mitarbeiter dar, die bei Olympischen Wettbewerben, wie Thomas Röhler, Medaillen gewannen. Auch diese sind verzeichnet.
Nichtaufgenommen wurden bisher einige spezielle Formen von Auszeichnungen, wie Meister des Sports oder Jahresbestleistungen auf nationaler oder internationaler Ebene. Bei Pokalwettbewerben gibt es sicher auch noch einige Lücken. Zu den bisher ebenfalls nicht aufgenommenen Leistungen gehören sportliche Einträge ins Guinnessbuch der Rekorde.
Beider Durchsicht von privatem Archivmaterial tauchten drei Urkunden über den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde auf. An allen drei Rekorden waren
Organisatoren und Sportler des USV Jena beteiligt. Die Rekorde bezogen sich auf die Absolvierung des Rennsteigs und waren ab 1993 als „Medienspektakel“
entwickelt worden. Der USV stellte damals nicht nur den Präsidenten des
Rennsteiglaufsvereins sondern auch einige Mitglieder des
Öffentlichkeitsausschusses. Dieser war häufig mit Frage von Fernsehjournalisten konfrontiert, wie man in Vorbereitung des Rennsteiglaufs interessante Beiträge gestalten könne. 1994 gab es die erste Aktion, die gezielt für und mit dem MDR entwickelt und produziert wurde. Nach dem Eintrag der gemeinsamen Rekordwanderung von sechs Walkern über den 170 Kilometer langen Rennsteig am Stück ins „Guinnessbuch“, wurde 1997 ein Rennsteigrekordlauf von 100 Läuferinnen und Läufer über 100 Kilometer über den Rennsteig geplant und realisiert. 19 Stunden und 15 Minuten nach ihrem Start konnten sich 102 Männer und Frauen glücklich in die Arme fallen. Sie hatten einen neuen Weltrekord für das „Guinnessbuch“ geschafft. 105 Ausdauersportler waren am 9. Mai abends in Blankenstein an der
Saale aufgebrochen, um das 100 Kilometer entfernte Rennsteiglaufziel in
Schmiedefeld gemeinsam zu erreichen. Das Spektakel organisierte der USV Jena, unterstützt von Streckenorten und dem engeren Organisationsteam des
Rennsteiglaufs. Wissenschaftler der Universität, so Frau Prof. Johanna Hübscher (Sportmedizin), Prof. Teipel (Sportpsychologie) und Prof. Thorhauer
(Trainingswissenschaften) waren, wie beim 1994er „Rekordwandern“ mit
umfangreichen Untersuchungen beteiligt. Die Ergebnisse wurden in der
Zeitschriftenreihe „Jenaer Beiträge zum Sport“ publiziert. Als kleiner
Kapitalstock für die Honorierung wissenschaftlicher Arbeiten dienten u. a. der
Verkauf echt goldener Ehrenringe an die Teilnehmer des Rennsteigrekords von
1994, was später zu haltlosen Verdächtigungen gegenüben den damaligen
Rennsteiglauf-Vereinspräsidenten führte. Das ist aber eine andere Geschichte,
die später mal erzählt werden soll.
ExtremeWitterungsbedingungen mit Regen, Hagel und Temperaturen um den Gefrierpunkt, sowie rund 1800 Höhenmeter in schwierigem Gelände verlangten nicht nur von den Aktiven, sondern auch dem Betreuerteam um Maik Masuhr, Dr. Betina Justus, Irmlind Fuchs und Gunda Kremer alles ab. Grüne Müllsäcke, zu wetterfesten Überzügen umfunktioniert, schützten vor den gröbsten Unwettern. Das Gelände ließ nachts trotz Taschenlampen ein zügiges Laufen der über 100 Läuferinnen und Läufer in Gruppe über weite Strecken kaum zu. Ständiges „Stopp and Go“ war angesagt. Keiner konnte „sein“ Tempo laufen. Der SV 1860 Tettau sorgte um Mitternacht an der Strecke für warmen Tee, die Pension „Arnika“ in Friedrichshöhe für ein zünftiges Frühstück. An der Rennsteigwarte Masserberg gab es den „legendären“ Rennsteiglauf-Haferschleim sowie Massagen durch Physiotherapeuten der Kurklinik. Vor allem der gute Mannschaftsgeist und die solide Trainingsvorbereitung aller Sportler führen dazu, dass nur drei aufgeben
mussten. Alle Teilnehmer erhielten eine Urkunde und eine Teilnehmermedaille von Helmut König aus Zella Mehlis. Die Guinnessurkunde wurde nach knapp einem Jahr vom damals noch in Hamburg agierenden „Guinness-Rekordbuch“ ausgestellt. Aus Jena waren 15 Läuferinnen und Läufer am Rekord beteiligt. 20 Jahre danach erinnerte sich Gerd Krüger noch an viele Details: „Die Voruntersuchung in Jena nahmen einen ganzen Vormittag in Anspruch. Der Lauf, nass, kalt und lang war für mich eine Strapaze. Ich hatte mir Blasen gelaufen, dann kam die Schotterstrecke auf dem Gleisbett, du (der damalige Gesamtleiter) warst nicht mehr mein Freund! Dann sind wir ja auch noch ein paar Meter falsch gelaufen, alles was weh tat kam zusammen. Irgendwann wurde dann doch der Sportplatz in Schmiedefeld erreicht, welch glücklicher Moment. Aus jetziger Sicht betrachtet, war es eine verrückte tolle Sache, die mir ewig in Erinnerung bleiben wird. Danke…“
1998 gab es den dritten Eintrag ins „Guinnessbuch“ für USV Sportler: Mit Rollern, heute auch Kickbike genannt, schafften drei Ausdauersportler den gesamten Rennsteig am Stück. Die reine Fahrtzeit der Rekordteilnehmer Sandra Weihs, Alexander Bartsch und Hans- Georg Kremer betrug 15 Stunden und 48 Minuten. Mit dieser Fahrt wurden gleich zwei neue Rennsteigrekorde aufgestellt. Bis dahin gab es keine Rollerfahrt über den Rennsteig, und es war noch keiner Frau gelungen, den gesamten 168,3 km langen Rennsteig am Stück ohne Übernachtung zu absolvieren. Die damals 24-jährige Jenaer Jurastudentin war die erste Frau, die eine solche ausdauersportliche Höchstleistung vollbrachte.
 
Dr.H. Kremer

Bildunterschrift: Fotonachweis Fotoarchiv Kremer: Fotos vom Rekordlauf von 1997. In: Thüringische Landeszeitung vom 6. September 2017 Nr. 553

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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