Jenaer Sportgeschichten
Erfolgreiche Absolventen der Muskelkirche

Wenn man im Internet unter Prof. Dr. Norbert Urbainsky sucht, findet man u. a. einen längeren Artikel unter der Überschrift „Die Rolle der Körperkultur im Versöhnungsprozess zwischen Deutschland und Polen“. In einer Biografie im Zusammenhang mit seinem Buch „Prävention im Rahmen einer neuen Gesundheitskultur“ kann man lesen, dass er als Sportwissenschaftler weit über die Grenzen Deutschlands bekannt geworden ist und in Jena studiert hat. Für sein langjähriges gesellschaftliches Engagement bekam Prof. Dr. Norbert Urbainsky im Frühjahr 2019 das Bundesverdienstkreuz verliehen. 1934 in Friedenshütte in Schlesien geboren, „landete“ Norbert Urbainsky nach abenteuerlicher Flucht mit seinen Eltern in Meiningen, wo er 1953 sein Abitur ablegte. Seine Interessen galten besonders der Musik und dem Sport, weswegen er sich zuerst an der Weimarer Hochschule für Musik einschrieb, um später zusätzlich an der Uni Jena Sport zu studieren. Das Sportstudium am Institut für Körpererziehung absolvierte er allerdings nicht, wie üblich, in einer Seminargruppe, wo alle die gleiche Fachkombination für den zukünftigen Lehrerberuf belegten. Da er der einzige war, der die Fachkombination Musik/Körpererziehung gewählt hatte, musste er seinen Studienplan selbstständig zusammenstellen.
Nach seinem erfolgreichen Examen bekam Norbert Urbainsky 1959 eine Stelle als Lehrer in Bad Berka, ging aber schon 1960 nach Bochum, wo er im gleichen Jahr heiratete. In Bochum wurde er Lehrer am Gymnasium und begann sich ständig weiter zu qualifizieren, indem er an der dortigen Uni und der Sporthochschule Köln die Fächer Pädagogik, Psychologie, Didaktik und Trainingslehre belegte. Sein besonders Engagement im Schulsport galt damals dem Schwimmen, sowie der Übungsleiterausbildung, wozu er 1987 an der Uni Duisburg-Essen promovierte. Sein ehrenamtliches Engagement konzentrierte sich auf Schwimmen und Tennis, wo er die Schulmannschaften betreute und Wettkämpfe organisierte. In der Musik fühlte er sich u. a. für Schüler- und Lehrerkammerkonzerte zuständig. Auf Grund seiner fachlichen Kompetenz wurde Norbert Urbainsky im Studienseminar als Mentor für die Referendarausbildung eingesetzt.
Nach seiner Promotion wurde Urbainsky Lehrwart des „Westfälischen Turnerbundes“ und später Bundeslehrwart des „Deutschen Turnerbundes“. Insgesamt war er über 50 Jahre in verschiedensten Funktionen im „Deutschen Sportbund“ (DSB, heute DOSB) tätig. So organisierte Norbert Urbainsky noch 2013 eine Turnfahrt mit 24 Teilnehmern für das Westfälisch-Lippische Institut für Turn-und Sportgeschichte in seine Thüringer Nachkriegsheimat Meiningen.
Mit seiner ehemaligen Ausbildungsstätte, dem heutigem Institut für Sportwissenschaft in Jena nahm er unmittelbar nach der Grenzöffnung 1989 Kontakt auf, wobei die Erstbegegnung mit dem damaligen Direktor des Instituts, Prof. Dr. Manfred Thieß etwas „holprig“ war. Norbert Urbainsky hatte sich im Dezember 1989 auf den Weg nach Jena gemacht, um seine alte „Muskelkirche“ zu besuchen und Fotos anzufertigen. Da er sich dafür nicht extra angemeldet hatte, sondern mit dem Fotoapparat durchs Gebäude lief, musste er sich vom Direktor Fragen nach dem Zweck dieses Tuns gefallen lassen. Daraus entstand eine gedeihliche Zusammenarbeit bei der Organisation der ersten Skialpin-Lehrgänge. Mit seiner Hilfe fanden diese Lehrgänge 1990 für Jenaer Sportstudenten in der Schweiz statt.
Mit der Gründung des Förderkreises Universitätssport beim USV Jena wurde Norbert Urbainsky dessen Mitglied und unterstützte viele Absolvententreffen u. a. mit Vorträgen, musikalischer Umrahmung und finanziellen Beiträgen. Dieses Engagement war für den USV Anlass, ihn in das Gründungskuratorium der Stiftung Jenaer Universitätssport zu berufen.
Auf seinem Spezialgebiet Prävention konnte er mit Lehraufträgen an der Universität Jena (Institut für Sportwissenschaft), an der Universität Graz, an der Sporthochschule Vierumäki (Finnland), an der Sporthochschule Warschau und an der Semmelweis-Universität Budapest aktiv die Ausbildung unterstützen. Mit vielen Vorträgen und praktischen Übungen an deutschen Kureinrichtungen und auf internationalen sportwissenschaftlichen Konferenzen in Estland, in Italien und auf Formosa, ergänzt er seine Lehrtätigkeit. An der Universität für Körperkultur in Budapest lehrte er ab 1991, und im September 1996 wurde er zum a. o. Professor der Semmelweiß-Universität in Budapest berufen.
Der Kultusminister von Nordrhein-Westphalen berief ihn in den Breitensportausschuss des Landessportbundes. Er gehörte zu den Mitorganisatoren der Internationalen Lehrgänge für Sportunterricht und Sportmethodik der Universität Graz, die in der Regel alle zwei Jahre stattfanden. Von 1976 bis 2001 gehörte er zum festen Organisatorenstamm, und mit seinem musikalischen Talent trug er über seine Vorträge hinaus ganz wesentlich zur Umrahmung der Lehrgänge bei.
Die Liste seines Engagements im Sport auch nach seiner Pensionierung ließe sich noch um viele Funktionen und Aufgaben, die er übernahm, erweitern. Es soll aber auch sein zweites „Standbein“ die Musik hier nur erwähnt werden, was sich nach 1989 besonders auf die Musikhochschule Weimar und die „Franz Liszt Gesellschaft“ konzentrierte. Darüber hinaus wirkte er als Musiker, als Dirigent und als Organisator an der Mathiaskirche in Budapest, an der Universität Graz, an der Franz Liszt Hochschule Weimar und mit den Bochumer Symphonikern, um nur einiges zu nennen.
Dr. H. Kremer
Bildnachweis: Autor Hans-Georg Kremer, Bildunterschrift: Norbert Urbainsky neben der Minerva von Rodin im Senatssaal der Jenaer Uni 2002.

In: Thüringische Landeszeitung vom 2.August 2019 Nr. 647

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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