Jenaer Sporthistorie
Erfolgreiche Absolventen des Jenaer Sportinstituts

In einer Publikation von Kurt Hoffmeister „Wegbereiter - Macher – Sieger des niedersächsischen Sports“ wird Dr. Jochen Benecke als langjähriger Vorsitzender des Osnabrücker Turnerbundes gewürdigt. „Auch auf Kreis- und Bezirksebene leistete Jochen Benecke wertvolle Aufbauarbeit. Als Sportdezernent bei der Bezirksregierung konnte er behördlich auf den Sport Einfluß nehmen, aber nie bürokratisch, das entsprach nicht seinem Wesen…Dem Niedersächsischen Turnerbund stand er von 1972 bis 1984 vor, nachdem er sich bereits viele Jahre als Landesoberturnwart und stellvertretender Vorsitzender bewährt hatte. Der Ausbau der Landesturnschule in Melle, die jetzt seinen Namen trägt, zählt zu seinen großen Verdiensten...Zeit seines Lebens war er ein Rufer, ein Mahner und getreuer Eckehart des Turnens und Sports. Der Niedersächsische und Deutsche Turner-Bund sowie der Landessportbund verliehen ihm die Ehrenmitgliedschaft. Das Land Niedersachsen zeichnete Jochen Benecke mit dem Großen Verdienstkreuz und der Bundespräsident mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus“, kann man weiter lesen.
Hans-Joachim, wie sein voller Vorname lautet, Benecke wurde 1910 in Halberstadt geboren, legte sein Abitur in Quedlinburg ab und studierte in Halle, wo er einen Abschluss als Volksschullehrer bekam. Zuerst an der Uni Halle und ab 1933 in Jena studierte er die Fächer Erziehungswissenschaft, Geschichte, Philosophie und Leibesübungen. Als Sportler war er sowohl in der Leichtathletik als auch im Turnen und Schwimmen aktiv. So wurde er 1934 Unimeister im Kunstspringen. Bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften 1935 in Jena wurde er auf Platz sechs im Neunkampf bester Jenaer Teilnehmer, wofür er von Thüringens Innenminister die Staatsmedaille für hervorragende sportliche Leistungen verliehen bekam. Nach Abschluss seines Examens ging er als Volksschullehrer nach Königsmark. 1933 wurde er Mitglied der NSdAP, wo er seit 1936 Kreissportleiter und Ortspropagandist wurde. Nicht alle dieser Details findet man in seinen „Entnazifizierungsunterlagen“, die sich im Niedersächsischen Landesarchiv liegen.

1936 promovierte er bei Prof. Peter Petersen in Jena zum Thema „Das Dietwesen des Reichsbundes für Leibesübungen“. Er ist damit einer der ersten Absolventen des Institutes für Leibesübungen Jena mit einer Dissertation, deren Titel Benecke in seinen Unterlagen nicht angibt, wohl weil es sich um eine stark mit nationalsozialistischer Ideologie durchsetzte Arbeit handelte. Benecke selber umschreibt in seiner Arbeit das Dietwesen als „…völkische und politische Bildungsarbeit in engster Verbindung mit dem körperlichen ist die Form, wie (es) der DTB (Deutsche Turnerbund) versuchte und verwirklicht hat…“

Nachdem der erste Direktor des Instituts für Leibesübungen, Hans Ebert, Ende 1936 Jena verlassen hatte, kam Benecke im Frühjahr 1937 als Assistent an zurück nach Jena. Nach und nach wurde er zur „rechten Hand“ des zweiten Institutsdirektors, Dr. Karl Feige“, der zum gleichen Zeitpunkt in Jena angefangen hatte. Da Benecke zu den wenigen Jenaer „Sportlehrkräften“ der Uni vor 1945 gehörte, der regelmäßig publizierte, ist davon auszugehen, dass er nicht nur in der Sportpraxis (Leichtathletik, Turnen, Schwimmen) eingesetzt wurde. In seinen Entnazifizierungsunterlagen befindet sich eine Aufstellung, nach der er Vorlesungen zur Geschichte der Leibesübungen, der Unterrichtslehre und der Organisation gehalten hat. Seine Publikationsliste beginnt 1937 mit „Sportliche Leistungsfähigkeit der Landschuljugend“, veröffentlicht in der Zeitschrift Leibesübungen. Es folgen einige Titel zum Turnen, darunter auch ein Beitrag zur Geschichte des Frauenturnens. Vergessen hatte er seinen ersten Artikel von 1934 in der Zeitschrift „Leibesübungen und körperliche Erziehung“ unter der Überschrift „Das Bild des künftigen Turnlehrers.“ Dieser, von nationalsozialistischen Ideen geprägter Artikel, ist der erste von einem Jenaer Studierenden bzw. einer Lehrkraft in dieser Zeitschrift.
Zu Beginn des II. Weltkriegs 1939 wird Benecke kurzzeitig eingezogen, auf Grund einer Verletzung aber kurze Zeit später freigestellt. So kann er wieder zurück zum Jenaer Institut für Leibesübungen gehen, wo er die Funktion eines amtierenden Institutsdirektors übertragen bekommt. In dieser Zeit taucht er, der damals in der Wöllnitzer Straße 26 wohnte, als stellvertretender Vereinsführer der Turngemeinde Jena auf. 1941 wurde Benecke dann vom Reichsminister für Volksbildung mit der Vertretung des Direktors an das Hochschulinstitut für Leibesübungen nach Königsberg befohlen und kurze Zeit später in gleicher Funktion an die Technische Hochschule Danzig versetzt. Hier blieb er bis zu seiner Flucht vor der anrückenden „Roten Armee“ im März 1945.
Sein erster Entnazifizierungsantrag wurde eingestellt, da er ab 22. Juni 1948 in die Ostzone nach Stendal verzogen sein soll. Der Deutsche Prüfungsausschuss für die Wiedereinstellung der Lehrer hatte aber 1946 eine Zulassung Beneckes aus grundsätzlichen Überlegungen abgelehnt. In einem zweiten Verfahren, welches er, wieder in Osnabrück wohnend, 1949 anstrengte und wozu er mehrere „Leumundsschreiben“ einreichte, wurde er als entlastet „Stufe V“ angesehen, womit er wieder im Schuldienst tätig sein konnte. Sein Titel eines Regierungsrates aus den frühen 1940er Jahren wurde in die eines Bezirkssportrates umgewandelt.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Von Luise Lockemann stammt dieses Foto mit H.-J. Benecke mit „Sportstudentinnen“ des Jahrganges 1940/1941 aus dem Fotoarchiv Dr. Kremer.

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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