Jenaer Sportgeschichte
Erfolgreichster Wasserspringer Jenas entdeckt

Erfolgreichster Wasserspringer Jenas entdeckt

Die gegenwärtige Ausstellung im Stadtmuseum „Jena und die Saale im Wandel der Zeit“ war Anlass noch mal Daten über Schwimmwettkämpfe in den Saalebädern durchzusehen. Je nach Zählweise kann man einschließlich der
Vororte zwischen Burgau und Zwätzen bis zu sechs Freibäder zu verschiedenen
Zeiten an der Saale zählen. Die bekanntesten, die auch für Schwimmwettkämpfe genutzt wurden, waren das Lichtenhainer Bad, welches erst in den 1950er Jahren auf Grund der immer stärkeren Verschmutzung der Saale geschlossen wurde und das Bad am Eisrechen. Dazu kommt noch der Schleichersee, der aber kein Flussbad im eigentlichen Sinne ist.
Im Sommer 1904 fand mit 166 Teilnehmern das ersteSchwimmfest des Schwimmvereins Jena in der städtischen Flussbadeanstalt am
Eisrechen statt. Es gab 24 Wettbewerbe im Schwimmen, Springen und Tauchen. Dies ist der erste Schwimmwettkampf der in Jena überhaupt der bisher gefunden wurde.
Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges (1914) sind mindestens drei
Schwimmvereine, die Schwimmabteilungen des VfB (heute USV) und des FC Carl Zeiss nachgewiesen. Außerdem hatten die Turnvereine im Sommer eigene
Schwimmveranstaltungen organisiert.
Jenaer Schwimmvereine waren in Thüringen teilweise führend und sorgten auch für die Gründung neuer Schwimmgruppen in anderen Städten. So 1906, als der Schwimmverein „Poseidon“ Jena ein Nationales Schwimmfest in der
neu errichteten Schwimmhalle in Meiningen organisierte. Der Zweck des
Schwimmfestes, einen neuen Verein in Meiningen zu errichten, wurde erfüllt. Im gleichen Jahr, etwas früher, hatte schon eine ähnliche Veranstaltung in
Mühlhausen ebenfalls zur Gründung eines neuen Schwimmervereins geführt. In Meiningen zeichneten sich als gute Jenaer Schwimmer Otto Bauer im
Jugendschwimmen, bei den Herren Kurt Haehnel, im Jugendspringen Hans Beck außerdem Willy Haft und Max Bauer aus. Insgesamt gingen neun Preise an Jenaer Schwimmer.
Im gleichen Jahr war beim Verein Poseidon bei einem Wettkampf in der Saale der Jugendliche (Fritz) Wiesel vom Jenaer Schwimmverein erfolgreich. Wenig später fand das III. Nationale Schwimmfest des Schwimm-Vereins Jena mit 23 Konkurrenzen und 63 Konkurrenten aus 17 Vereinen aus ganz Deutschland, so z. B. aus  Hamburg, Arnstadt, Naumburg, Charlottenburg,Halberstadt, Berlin, Magdeburg, Hannover und Leipzig statt.
1919 wurde bei einem Schwimmfest des VfB Jena, der obenschon benannte Fritz Wiesel als Starter angekündigt, der sowohl für den VfB aber sonst für den Schwimmverein Stern Leipzig startet. Er wurde als deutscher Meister bezeichnet. Der Artikel könnte von Oskar Leonhardt stammen. Oskar
Leonhardt war 1911 Mitgründer des Vereins für Bewegungsspiele (heute USV). Sein Vater ebenfalls Oskar, war Inhaber der Gaststätte „Zur Schweiz“. Der Sohn
studierte Kameralistik und Jura und war der erste Vorsitzende des VfB. Später
war er Vorsitzender der akademischen Abteilung des VfB, heute würde man sagen „Chef“ des Hochschulsports. Außer als Hockeyspieler war er wohl ein guter Schwimmer und vor allem Wasserballer. Sein Name taucht regelmäßig in der Wasserballmannschaft des VfB auf. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er 1919 noch mal Vorsitzender des VfB und gleichzeitig „Chef“ des Thüringer
Schwimmsportverbandes. Leonhardt, der ebenfalls regelmäßig
„Schwimmwerbeveranstaltungen“ in anderen Städten organisierte, scheint mit
Fritz Wiesel bekannt gewesen zu sein.
Genauere biografische Daten zu Fritz Wiesel sind bisher in Jena nicht veröffentlicht worden. In den Meisterschaftslisten der Wasserspringer wird er viermal als Deutscher Meister geführt: 1917, 1921, 1922 und 1925. Ein Zufallsfund in den Leipziger Neuesten Nachrichten von 1931 brachte etwas Dunkel in seine bisher unbekannte Biografie.
Fritz Wiesel wurde 1893 in Jena geboren. Über seine Familie ist bisher nichts bekannt, es wird aber berichtet, dass er schon als Sechsjähriger Schwimmen konnte. Nach Schule und Lehre bei Zeiss zieht er nach Leipzig. In der Schulzeit muss er einem Jenaer Turnverein angehört haben, denn er wird als begnadeter Turner beschrieben, der 1913 beim Deutschen Turnfest 1. Sieger im Zehnkampf wurde. In Leipzig schloss er sich dem „Ältesten Schwimmverein“ an, wo er besonders gefördert wurde. Im Herbst 1913 wurde er zur
„Einjährigenausbildung“ beim Militär eingezogen und bei Kriegsbeginn 1914
gleich an die Front geschickt. Er wurde in dem Zeitungsartikel als besonders tapfer beschrieben, der viele Auszeichnungen erhielt aber auch Verwundungen erlitt.
„Trotz schwerer körperlicher Kriegsstrapazen und Verwundungen, dank seiner
straffen sportlichen Lebensführung…“ kann man lesen, errang er von 1920 bis
1923 viermal in Folge den Sieg um den Kaiserpokal des Deutschen
Schwimmverbandes, so dass diese wertvolle Trophäe in seinen Besitz überging.
Seine Wettkampfbilanz wäre auch heute noch hohe Anerkennung wert. So soll er bei über 300 Wettkämpfen vor allem als Wasserspringer, aber auch als Schwimmer, im In- und Ausland Siege errungen haben. Man findet beim
gründlichen Suchen seinen Namen z. B. in Siegerlisten in Wien. Er bestritt als
Mannschaftsmitglied Länderkämpfe gegen Dänemark, die Schweiz und bei den
Nordischen Kampfspielen in Göteborg. 1925 beschloss er, ausgezeichnet mit
vielen Stadt- und Staatspreisen, seine aktive Laufbahn. In den folgenden Jahren
trat er aber immer wieder als „Altherrensportler“ zum Wettkampf an. 1923 gab er mit Fritz Putzke ein Lehrbuch: „Das Wasserspringen“ heraus.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Fotonachweis: Fotosammlung Kremer: Auf einer Postkarte des 1. SV (heute FC Carl Zeiss) von 1918 kann man Fritz Wiesel beim Turmspringen im Saalebad am Eisrechen sehen.

In: Thüringische Landeszeitung vom 23. August 2017 Nr. 551

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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