Zur Geschichte des Rennsteiglaufs und die Öffnung der Grenze 1989 Teil III
Gesamtdeutsche Rennsteigläufe

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Zur Geschichte des Rennsteiglaufs und die Öffnung der Grenze 1989 Teil III

Der I. Gesamtdeutsche Rennsteiglauf 1990 war eine Initialzündung für die Versuche in den Folgejahren auf dem östlichen Teilen des Rennsteigs einen Teilwettbewerb des Rennsteiglaufs zu etablieren. Dazu wurden mindestens zwei Vereine aus dem „Westen“ in Tettau und Steinbach am Walde und drei Vereine bzw. Mitorganisatoren auf dem Ostthüringer Teilstücken gewonnen und in die Rennsteiglauforganisation einbezogen. Da der Rennsteiglauf seit 1975 als Lauf- und Wanderveranstaltung deklariert wurde, konzipierte man den ca. 50-Kilometer langen Abschnitt von Neuhaus nach Blankenstein als Wanderung. Dies war fest ins Programm aufgenommen worden, brachte aber nur mäßige Teilnehmerzahlen, die die 100 kaum überschritten. Versuche, die Wanderung mit wechselnden Laufrichtungen Neuhaus-Blankenstein bzw. umgekehrt und mit wechselnden Terminen, direkt am Wettkampftag und am Tag danach anzubieten, brachte keinen Teilnehmerzuwachs, sodass die Rennsteiglauf GmbH aus wirtschaftlichen Gründen die Strecke vor einigen Jahren einstellte.

Unabhängig davon bemühte sich der Universitätssportverein (USV) Jena im Sinne der Traditionspflege die Idee eines Gesamtdeutschen Rennsteiglaufs zu erhalten. 10 Jahre nach dem I. Gesamtdeutscher Rennsteiglauf fand am 30. April 2000 die zweite Auflage dieses Laufes statt. Der Termin 2000 wurde auf Bitten des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins nicht auf das Rennsteiglauf-Wochenende gelegt, um keine Teilnehmer der Ultra-Marathonszene vom Rennsteiglauf abzuwerben. Wie sein Vorgänger, wurde der Lauf als Gruppen- bzw. Freundschaftslauf organisiert, das heißt, dass alle Teilnehmer die gesamte Zeit zusammenliefen. Mit Dr. Hans-Georg Kremer, Jürgen Trenkler und Dr. Peter Ullrich sowie Matthias Greifenhagen und Gerhard Rötzschke als Radfahrerbegleitung beteiligten sich auch fünf Läufer des I. Gesamtdeutschen Rennsteiglaufs 1990. Weiter waren dabei: Bernd Alter, Wieland Assmann, Hartmut Bloche, Michael Borgmann, Horst Dobers, Dieter Elbert, Wilfried Flöter, Matthias Gottschalk, Raimund Groß, Torsten Grund, Stephan Hloucal, Christina Ludwig, Herbert Machleit, Karl Marschall, Bernd Melzer, Birgit Melzer, Georg Menge, Heinz-Olaf Müller, Ulrich Münster, Gerhard Munke, Wolfgang Nadler, Hong-Son Nguyen, Gernot Pakoßnick, Walter Preu, Gudrun Preu, Ingo Quaas, Andrè Schmidt, Dieter Schmidt, Werner Schwarzlose, Dieter Sergel, Ulli Teichmann, Jürgen Trenkler, Peter Ullrich, Dietmar Urban, Manfred Walther, Siegfried Wolf, Wolfgang Zieger und Marie Zollmann.
Matthias Greifenhagen, der eigentlich aus gesundheitlichen Gründen nicht hätte mitlaufen können, ließ es sich nicht nehmen, die gesamte Strecke mit dem Rad die Laufgruppe zu begleiten. Diesmal trafen sich ein Teil der 35 Läufer und zwei Läuferinnen bereits vorher in einem Hotel in der Nähe des Rennsteigs, wo auch nach dem Lauf viele übernachteten und eine würdige „Siegerehrung“ miterlebten, bei der jeder außer einer persönlichen Urkunde auch eine Teilnehmermedaille, gestaltet von den bekannten Zella-Mehliser Medailleur Klaus König, bekam. Der Lauf war gleichzeitig als 4. Rennsteigtraditionslauf konzipiert, was allerdings ein anderes Thema ist.

Schon im Ziel gab es Überlegungen eine dritte Auflage wieder nach zehn Jahren zu organisieren. Insgesamt 24 Läuferinnen und Läufer kamen 2010 an den Start. Nicht entgehen ließ sich dies diesmal der Präsident des Rennsteiglaufsvereins, Jürgen Lange mit seiner Frau. Wie schon bei der zweiten Auflage unterstützen die Organisatoren in Blankenstein unter Leitung von Dittmar Oechsner das Projekt. An der Strecke waren in Rodacherbrunn die Familie Schwarz, Ursel Wildgrube und ihre Helferinnen in Brennersgrün und Falk Wick vom TSV Tettau auf dem bayrischen Teil des Rennsteigs treue und umsichtige Helfer. Falk Wick, Präsidiumsmitglied des GutsMuths-Rennsteiglaufvereins, unterstützt auch 2010 wieder die Läufer auf dem Teilstück von Spechtsbrunn bis Steinbach am Walde. Dittmar Oechsner koordinierte die Aufgaben von Blankenstein. Der Rennsteiglaufverein beteiligte sich mit der Bereitstellung eines Fahrzeugs. Als Stamm-Organisations- und Betreuungsteam, welches an allen Verpflegungspunkten für eine gute Versorgung verantwortlich war, waren auch bei der dritten Auflage Gunda Kremer und Maik Masuhr im Einsatz. Außer einer Teilnehmermedaille und Urkunden gab es ein Erinnerungs-Funktionsshirt für alle. Inzwischen war der Lauf „deutschlandweit“ etabliert und immer für Ende April gesetzt. Die weiteste Anreise hatte André Schmidt aus Lübeck.

Bei der Auswertung wurden Stimmen laut, dass man, weil auch die Teilnehmer der ersten Jahre immer älter wurden, doch den 4. Gesamtdeutschen Rennsteiglauf schon nach fünf Jahren, zum „25er“ Jubiläum organisieren könnte. Diese Idee wurde an den Rennsteiglaufverein weitergeleitet. Dieser schlug als Termin den 4. Oktober 2014 vor, am Vortag des Rennsteigherbstlaufs. Startort für die gesamte Strecke von ca. 55 Kilometer sollte diesmal Neuhaus werden. Es wurde also in die umgekehrte Richtung gelaufen. Neu war, dass es diesmal zwei Leistungsgruppen gab. Neben der Laufgruppe, die das Rennsteiglaufpräsidiumsmitglied Jens Panse mit dem „Urgestein“ Dr. Peter Ullrich führten, gab es noch eine 30 Kilometer-Walkingstrecke. Diese Gruppe, mit vier Frauen und sieben Männern, startete im Rahmen der „30 km Wanderung“ der Gemeinde Blankenstein, in Steinbach am Walde. Für beiden Gruppen war das Ziel die Silbitzbrücke in Blankenstein. Die neue Organisationsform ermöglichte den Teilnehmern einen unkomplizierten Wechsel, je nach Leistungsstand und Kondition. Karl-Heinz Köhler (Jena) von der Walkinggruppe, die um 9.30 Uhr in Steinbach a. W. mit etwa 100 anderen Wanderern startete, konnte am Ende 28,9 km Strecke vermelden und eine Zeit von 5:54 Stunden, was mit Pausen einen Durchschnitt von 5 km/h ergab. Die reine Gehzeit betrug 4:55 Stunden. Um 7 Uhr waren, begleitet von einem Kameramann des MDR, vier Läuferinnen und acht Läufer in Neuhaus gestartet.
Der 72-jährige Dr. Peter Ullrich, der zu dieser Gruppe gehörte, erinnerte sich an den ersten Schlagbaum zum Sperrgebiet 1990, den die Läufer damals passierten. Sie mussten noch den Personalausweis für die insgesamt acht Grenzkontrollen bei sich führen. Bei Tettau wurde für die Läufer damals sogar ein Stück Grenzzaun extra geöffnet, um eine Passage zu ermöglich.

Die Logistik und Zusatzversorgung 2014 hatte Adrian Panse übernommen. An der „Kalten Küche“, wo der Rennsteig zum ersten Mal in den ehemaligen „Westen“ der Republik abzweigt, gegrüßte die Laufgruppe der Blankensteiner Bürgermeister, Ralf Kalich, der anschließend den Start in Steinbach a. W. vorgenommen hat und einer der Initiatoren der 30km-Wanderung war. Ebenfalls anwesend war der langjährige Rennsteiglaufförderer Dittmar Oechsner aus Blankenstein, der für die Organisation des Zielbereichs im Kulturhaus in Blankenstein verantwortlich war. Falk Wick vom Rennsteiglaufvereinspräsidium hatte wie immer alles aufgebaut, was das Läuferherz für ein gutes Frühstück benötigte. In Steinbach a. W. wurde die Laufgruppe dann in die offizielle Wanderorganisation eingebunden. Hier gab es auch für die Läufer eine Startnummer und eine umfangreiche Versorgung mit Kaffee und belegten Brötchen. Am nächsten Verpflegungspunkt in Brennersgrün trafen die Läufer dann das Hauptfeld der Walker mit Hans-Georg Kremer und Matthias Greifenhagen, die beide seit 1990 bei allen Läufen dabei waren. Angela und Franz Bleichner vom Rennsteiglaufverein schlossen sich hier der Läufergruppe an, und zwei Läufer wechselten verletzungsbedingt ins Lager der Walker. Sensationell war der vorletzte offizielle Verpflegungspunkt in Grumbach, der von der engagierten Familie Schwarz organisiert wurde. Der Grill dampfte, es gab Bier und selbstgemachten Kuchen. Nach 7:40 Stunden erreichten die Läufer das Ziel. Jeder Teilnehmer erhielt seine Urkunde und ein kleines Präsent vom Rennsteiglaufverein.

Für die Zukunft gab es Überlegungen, diese Tradition fortführen und damit weiter an das so wichtige Ereignis des Mauerfalls zu erinnern. „Die Grenze, die einstmals unseren Rennsteig und unseren Laufradius einengte, gibt es nicht mehr, und das ist für uns Sportler auch 25 Jahre danach noch ein Grund zur Freude und zum Feiern!“ schrieb Jens Panse damals für einen Pressebericht.

Für das 30jährige Jubiläum der Grenzöffnung am Rennsteig und damit den 6. Gesamtdeutschen Rennsteiglauf gibt es noch keinen Plan. Von den „Gründungsläufern“ ist nur noch Dr. Peter Ullrich so fit, dass er die gesamte Strecke laufen könnte. Die Einbindung in die Wanderung von Steinbach am Walde nach Blankenstein scheitert, da mit Dittmar Oechsner einer der wichtigsten Helfer verstorben ist und bei den Gründervereinen 1. SV Gera und USV Jena sind keine Überlegungen bekannt, die eine Fortführung und Pflege einer solchen gesamtdeutschen Traditionsveranstaltung sichern würden. Überlegungen zur Einbindung in die Rennsteigetappenläufe des GutsMuths-Rennsteiglaufsvereins wären eventuell eine Lösung, die aber noch nicht bis zu Ende durchdacht ist.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Gruppenfotos aller Gesamtdeutschen Rennsteigläufe aus dem Fotoarchiv Kremer.

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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