Jenaer Fußballgeschichte - Eine Straße für Hermann Peter
Hermann Peter als Malwart

Hermann Peter als Malwart
Thüringische Landeszeitung vom 19. Dezember 2018 Nr. 617

Der im letzten Beitrag erwähnte Zeitungsartikel, den Ute Schlicke vom Stadtarchiv Gotha im Gothaer Tageblatt gefunden hatte, schließt mit dem Satz: „Im September werden voraussichtlich die Jenaer Herren nach Gotha kommen, um hier mit dem Männerturnverein ein zweites Spiel abzuhalten.“ Für dieses Spiel ist der Nachweis noch nicht gelungen. Gefunden wurde aber im Herbst 1895 eine kurze Notiz im Jenaer Volksblatt: „Heute marschierte eine Abteilung älterer Schüler der hiesigen II. Bürgerschule unter Führung des Herrn Lehrer Stäber mit klingendem Spiel aus der Stadt, um sich nach Stadtsulza zu begeben, woselbst morgen Fußballspiele mit dortigen Schülern veranstaltet werden sollen.“ Da es schon 1893 und 1894 Berichte von Fußballspielen der Bürgerschulschüler gab, und dort der Lehrer Hermann Stäber auftaucht, muss dieses bisher unbekannte Kapitel der Jenaer Fußballgeschichte noch geschrieben werden.

Der umfangreichste Beitrag zum ersten Fußballturnier in Thüringen 1895, der von Udo Luy gefunden wurde, entstammt der Berliner Sportzeitung „Spiel und Sport“. Warum diese seit 1888 wöchentlich bis 1917 erscheinende Zeitung gerade über dieses Turnier berichtete, könnte damit zusammenhängen, dass ein Journalist engere Kontakte zu Jena hatte. Auf jeden Fall erschienen schon mehrmals Beiträge zum Jenaer Fußball in dieser Zeitung. So kann man am 21. Oktober 1893 lesen, „…dass der Fußball in Jena Fortschritte macht…“ im Juli 1894 wurde sehr ausführlich unter der Überschrift „Fuss-Wettspiel zwischen Jena und Leipzig - Von der Stirne heiss Rinnen muss der Schweiss“ berichtet.

Zurück zum Turnier von 1895: Der sehr ausführliche Artikel brachte einige Hintergrundinformationen, die für die regionale Fußballgeschichte von Bedeutung sind. Als erstes gab es einen Hinweis, dass die Gothaer Fußballmannschaft des Männerturnvereins seit 1891 bestehen würde und somit älter wäre als der Jenaer Fußball-Verein (1893).
Die Gästemannschaften wurden auf dem Paradiesbahnhof empfangen und zum neuen Spielplatz geleitet. Weiter wörtlich: „Zum Ankleiden erhielt jede Mannschaft einen besonderen Raum des ganz praktisch eingerichteten Vereinshauses angewiesen…“ Damit wäre nachgewiesen, dass die seit 1893 durch den Spielplatzverein in der Oberaue erworbenen Wiesen inzwischen als Fußballplatz genutzt wurden. Was mit Vereinshaus hier gemeint ist, kann nicht genau erklärt werden. Auf alten Plänen sieht man aber um 1900 mehrere ausgediente Eisenbahnwagons als Umkleideräume, die am Rande des Fußballplatzes standen. Vielleicht war da auch ein Aufenthaltsraum dabei, den man im weitesten Sinne als Vereinsheim bezeichnen könnte.
Im Turnier spielten dann zuerst die Gothaer gegen die Leipziger. Als Spielzeit hatte man sich auf 30 Minuten geeinigt, was wohl damit zusammenhing, dass die Gothaer Mannschaft bisher nur wenig Spielerfahrung hatte, während die Leipziger in der Fußballszene des Deutschen Kaiserreiches schon seit Jahren als starke Mannschaft bekannt waren. Am Ende siegte Leipzig mit 6:0.
Nach einer kurzen Pause folgte dann gleich das zweite Spiel, Jena gegen Leipzig. Diesmal war eine Spielzeit von zwei Mal 25 Minuten angesetzt. In der Zeitung wurde dies als das Hauptereignis des Turniers beschrieben Zum Spielverlauf hieß es:
„Kaum war der Ball in Bewegung gesetzt, entwickelte sich bald das ganze Spiel zu einem heissen und hartnäckigen Kampfe. Von einem Mal zum anderen wurde der Ball gebracht, und dies sehr schnell, sodass die zahlreichen Zuschauer fortwährend in Spannung blieben. Wenn auch die Leipziger den Ball mehr auf der Jenaer Seite halten konnten und viele Malstösse abgaben, so erzielten sie doch nichts. Der Jenaer Malspieler Turnlehrer Peter, war zu gewandt und zu sicher im Anhalten des Balles…Einigemal wurden Jenaer den Leipzigern durch ihre schnellen Angriffe recht gefährlich.“ Leipzig gewann trotz gutem Jenaer Spiel mit 2:0.
Wichtiger als das Ergebnis ist aber der Hinweis zum Jenaer Malwart, dem Turnlehrer Peter, der offensichtlich sich als einer der besten Jenaer Spieler herausstellte. Mit Malwart ist hier Torwart gemeint, der in diesem Spiel mit Turnlehrer Hermann Peter eindeutig benannt wurde. Dies ist nun das wirklich sensationelle an den Fund des Fußballhistorikers Udo Luy, dass damit erstmalig nachgewiesen werden kann, dass der Hauptinitiator des Jenaer Fußballs und des Sportplatzbaus in der Oberaue, der 36jährige Gymnasialturnlehrer Hermann Peter selber aktiv war und zu den Besten in seiner Mannschaft zählte.

Als Pausengestaltung zwischen den Spielen demonstrierten die Jenaer Gymnasiasten ein Cricketspiele. Zum Schluss trat Jena gegen Gotha an. Die Spielzeit war mit 25 Minuten vereinbart und Jena gewann mit 1:0. Dann zeigten die Leipziger noch ein Schlagballspiel.
„Mittlerweile war es 1 Uhr geworden und der Magen verlangte seine Rechte. In der „Sonne“ wurde das gemeinsame Mittagsmahl eingenommen. Inhaltsreiche Reden wechselten mit Gesängen ab, und es verging dabei die Zeit sehr schnell. Am Nachmittag unternahm man einen Ausflug in die Umgebung Jenas…“ endet der ausführliche Artikel.
Über die Kleidung der Mannschaften wird in einem „statistischen Anhang“ nur ausgesagt, das Jenas Farben gelbe Armbinden waren, Leipzig hatte rote Schärpen und Gotha grün- und weiss-gefelderte Mützen. Für Jena spielten: im Sturm Tänzer, Dr. Ehrhardt, Mann, Landmann, Vierling; als Läufer Naumann, Wilkinson und Bran; als Verteidiger Dr. Gottschaldt und Dr. Weinmann und im Tor, wie bereits beschrieben Peter.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Bisher wurden keine zeitgenössischen Originalfotos von Hermann Peter gefunden. Auf einer Abbildung des Lehrerkollegiums von 1888 in den Mitteilungsblättern des Gymnasiums sieht man Peter hinten 2. v. l.

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