Zur Geschichte des Flugsports in Jena
Jena bekommt keinen Flugplatz

Wie früher schon mal berichtet, gab es in Jena einen „Verein für Luftfahrt e.V. Jena“, der sich u. a. darum bemühte eine „Lobby“ für den Bau eines größeren Flugplatzes, auf dem auch regelmäßig Passagiermaschinen starten und landen könnten, zu schaffen. Dafür organisierte dieser Verein z. B. Flugtage. Ob der Verein aus dem 1923 im Adressbuch verzeichneten „Sächsisch-Thüringischen Verein für Luftfahrt“ hervorging, dessen Vorsitzender der Privatdozent Dr. August Sieberg (Schützenstraße 17) gewesen ist, muss noch überprüft werden. Auf jeden Fall hatte dieser Verein zwei Abteilungen: die Ballonabteilung mit dem jüdischstämmigen Schuhhändler Richard Dannemann (Jakobstr. 24) als Vorsitzenden und der Fliegerabteilung mit dem Medizinstudenten Fritz Conrad (Bismarckstr. 31) als Vorstand. Der Laden von Dannemann, war übrigens auch zeitweise die „Geschäftsstelle“ des Vereins für Bewegungsspiele (VfB, heute USV Jena), was vielleicht damit zusammenhing, dass in unmittelbarer Nachbarschaft der Kaufmann Fritz Starke (Jakobstr. 18) wohnte, der um 1918 Vorsitzender des VfB Jena gewesen war. Bevor Dannemann einen Schuladen einrichtete, war an dem Standort um 1900 Lüdke’s-Fahrradladen, der in einer Anzeige bekanntgab, dass er die größte Radfahrbahn „am Platze“ hätte, wo man „Unterricht zu jeder Tageszeit bei Kauf eines Fahrrades gratis erhalten könne“.

Zurück zur Flugsport- bzw. Flugplatzgeschichte Jenas. Die Landung eines Militärflugzeugs bei Großlöbichau, die man auf der Homepage des Ortes finden kann, muss hier nicht weiter verfolgt werden, da dies ein einmaliges Ereignis war, was wohl auf Grund von technischen Problemen des Doppeldeckers der kaiserlichen Luftwaffe zurückzuführen war. Im Raum Jena wurden aber in den 1920er und 30er Jahren verschiedene Standorte als Flugplätze, vorwiegend für den Segelflugsport, genutzt. So auf dem Cospoth, auf den Kernbergen und zwischen Cospeda und dem Windknollen. Hier soll sogar die 1928 gründete „Segelfliegerschule Jena“ mit der Geschäftsadresse Johannisstrasse 3 eine Flugzeughalle gebaut haben, die 5867,85 RM kostete. Ein Antrag an die Stadt auf einen Zuschuss wurde genauso abgelehnt, wie bereits einige Zeit vorher die Bitte um finanzielle Hilfe, als am 29.01.1928 das Schulflugzeug durch einen Unfall zu Bruch ging, findet man im Internet. Später kamen noch Rödigen, Rockau, Schöngleina, Wiesen unterhalb der Leuchtenburg und ein Startplatz im Reinstädter Grund als Fluggelände in Jenas näherer Umgebung hinzu.
Schöngleina setzte sich dann langfristig durch, weil das Land Thüringen dort eine größere Fläche aus der Konkursmasse des „Ritterguts“, welches sich im Besitz des ehemaligen Herzogs von Altenburg befand, 1940 für die Universität käuflich erwerben konnte. Die Zeiss-Stiftung beteiligte sich am Kaufpreis von 75.000 Reichsmark.
Bereits 1926 war von der Stadtverwaltung ein Gutachten zur Frage, ob sich Jena als Standort für einen größeren Verkehrslandeplatz eignet, in Auftrag gegeben worden. Unter der Überschrift „Jena im Flugverkehr“ wurde in der Zeitung dazu geschrieben. Anlass war der Beginn des Linien-Flugverkehrs Fürth-Nürnberg-Coburg-Weimar-Halle-Leipzig. So kann man lesen: „Unter Mitwirkung des Vereins für Luftschiffart war vor einem Jahr von der Stadtverwaltung die Frage geprüft worden, ob ein Flugplatz für Großflugzeuge möglich sei. Aus topografischen und meteorologischen Gründen wurde von den unabhängigen Sachgutachtern festgestellt, dass dies nicht möglich sei.“
Für1924, 1926 und 1929 sind Jenaer Flugtage nachgewiesen. 1926 soll sogar der hochdekorierte „Weltkriegsflieger“ Ernst Udet in Jena seine Flugkunst vorgeführt haben. Dank seines fliegerischen Könnens war er ein Star auf vielen Flugschauen seiner Zeit in Deutschland. Außer ihm schaffte es niemand, mit dem Flügel seiner Maschine ein Taschentuch vom Boden aufzuheben. Ernst Udet, Kampfflieger im I. Weltkrieg, überlebte diesen als Oberleutnant und zweiterfolgreichster deutscher Jagdpilot. Udet, mit dem Luftwaffenminister des „III. Reichs“ Hermann Göring befreundet, gilt als mitverantwortlich für die fehlgesteuerte deutsche Luftrüstung zu Beginn des II. Weltkriegs. Als Generalluftzeugmeister hatte er eine große Ineffizienz der Entwicklung der Luftwaffe zu verantworten, was zu großen Misserfolgen in der „Luftschlacht um England“ führte. Udet beging 1941 Selbstmord, was aber verschwiegen wurde. Er bekam sogar auf Anweisung Adolf Hitlers ein Staatsbegräbnis, da er angeblich bei der Erprobung einer neuen Maschine abgestürzt sei.
Zurück nach Jena, wo mindestens 1929 noch einmal auf der Ebene etwa zwischen dem Bahnhof Zwätzen in Richtung Kunitz ein Flugtag vor tausenden Zuschauern stattfand.
Dass auch zu DDR-Zeiten mindestens ein Flugtag bei Jena stattfand, konnte Bernhard Glatzel berichten und mit Fotos belegen. Während seiner Lehrlingszeit (1957-59) bei Zeiss, las er in der Betriebszeitung einen Aufruf, dass man sich um einen Mitflug in einer Lufthansamaschine bewerben konnte, die auf einem Rasenplatz bei Rödigen starteten und landen würde. In einem früheren Beitrag hatten wir schon mal mit Foto darauf aufmerksam gemacht, dass im II. Weltkrieg die „Deutsche Luftwaffe“ bei Rödigen auf dem Jägerberg Kasernen und Flughallen errichtet hatte, in denen flugtechnisches Bodenpersonal ausgebildet wurde. Warum Ende der 1950er Jahre der dort befindliche Rasenflugplatz von der Lufthansa genutzt wurde, ist noch unbekannt.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Aus dem Fotoalbum von Bernhard Glatzel stammt dieses Foto vom Zeissfotografen Gunter Engelmann, mit einer Gruppe von „Mitfliegern“ vor dem Lufthansa-Doppeldecker AN 2: 5. v. l. Bernhard Glatzel.

In: Thüringische Landeszeitung vom 23. April 2019 Nr. 635

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