Anzeige

Kernberglauf- und Rennsteiglaufgeschichten

Anzeige

Die Zwillingsläufer

Der Jubiläumskernberglauf ist nun schon wieder Geschichte. Mit 40 Jahren ist er die älteste große Sportveranstaltung des USV und der Stadt Jena überhaupt, an dem bisher weit über 30.000 Läuferinnen und Läufer teilgenommen haben. Er wird von Beginn an sehr eigenständig von der Abteilung Ausdauerlauf/Walking des USV organisiert. Dafür hätte diese eigentlich eine größere Auszeichnung verdient. Der Gesamtleiter Dr. Peter Losso wurde für seine mehr als 10jährige ehrenamtliche Tätigkeit stellvertretend für eine Ehrung vorgeschlagen, was aber in der Sportbürokratie bisher nicht zu praktischen Schritten führte. Ohne große Öffentlichkeit fand im kleineren Kreise der Organisatoren eine Feierstunde statt, in der auch die 40jährige Geschichte Revue passierte. Wenigsten drei Gründer aus den Reihen der Organisatoren waren anwesend und konnten in vielen Einzelgesprächen über die schwierigen und spannenden Anfänge berichten. Einen Teil dieser Geschichten sollen in unserer Serie publiziert werden, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Dazu gehört die Geschichte von drei Zwillingspärchen, die Kernberglaufgeschichte geschrieben haben.
Da wären zuerst die Schwestern Heidrun und Kristina Garlipp, die zur Abteilung Ausdauerlauf/Walking und damit zu Organisatoren des Kernberglaufs gehören. Obwohl eineiige Zwillinge, unterscheidet sich ihre Sportkarriere, wenn sie auch beide im Laufbereich besonders erfolgreich waren. Heidrun begann schon in der Schule sportlich aktiv zu sein. Kristina schaffte es eher unüblich in der DDR über den volkssportlichen Ausdauerlauf zum Leistungssport. Heidruns Name taucht erstmalig in der Unisportgeschichte im Jahre 1979 auf, als sie die Unimeisterschaften im Crosslauf über 2,5 Kilometer gewann. Ihre Spezialstrecke wurden die 100 Meter-Hürden, wo sie noch heute in der Ehrentafel des Unisports mit 15,4 Sekunden aus dem Jahre 1984 geführt wird. Kristina war Langstreckenläuferin. Ihre besten Ergebnisse erzielte sie in der Marathon-Trainingsgruppe von Klaus Gottert beim SC Motor Jena ab Mitte der 1980er Jahre. Insgesamt fünf Mal wurde sie zwischen 1984 und 1990 DDR-Vizemeisterin im Marathon. Ihre Marathonbestzeit erreichte sie 1986 in Budapest mit 2:32,08. Im Crosslauf wurde Kristina 1988 DDR-Meisterin. 1984 konnte sie die 25km-Strecke des Kernberglaufs gewinnen. Insgesamt startete sie vier Mal beim Kernberglauf. Heute sind beide eng in die Organisation des Kernberglaufs eingebunden.
Ein zweites Zwillingspaar beim Jenaer Kernberglauf sind die Gebrüder Brenzel aus Halle, die zusammen 32 Mal in Jena starteten. Bekannter sind sie als Traditions-Rennsteigläufer. Hier sind sie 30 Mal gemeinsam gelaufen, anfangs den Supermarathon, später dann Marathon und den Halbmarathon. Dr. Lothar Brenzel ist Diplompsychologe und war 19 Mal beim Kernberglauf und Dr. Ullrich Brenzel, der ebenfalls Diplompsychologe ist, kommt auf 13 Kernbergläufe.

Ein weiteres Zwillingspaar beim Kernberglauf sind Dr. Martin Steinbach aus Jena und Dr. Paul Steinbach aus Karow, die am 5. Januar ihren 80. Geburtstag feiern können. Martins und Pauls Sportbiografie begann in der Jugend, wo sie angeregt durch ihren Vater, der selber guter Fußballer in Schneeberg war, im Fußball und im Turnen bei der BSG Wismut Lindenau trainierten. 1954 wurden sie Fußballkreismeister der männlichen Jugend A. Martin spielte später als Linksaußen in der l. Kreisklasse, sein Zwillingsbruder Paul war Mittelstürmer und Vater Hans war Halblinks in der Männermannschaft. Im Turnen schaffte es Martin als Jugendlicher bis zur Teilnahme an der DDR-Meisterschaft im 12-Kampf. Ab der Berufsausbildung trennten sich ihre Wege. Martin spielte während des Studiums in der Fußballmannschaft der HSG Uni Leipzig. Als er Anfang der 1960er Jahre nach Jena an die Uni kam ging er zur Fußballmannschaft der BSG Motor Schott. Außerdem spielte er seit dieser Zeit bis 1990 bei der Lehrkräfteauswahl der Uni. Nach einer Knieoperation 1977 begann er mit dem Ausdauerlauf. Gemeinsam mit Dr. Gerhard Kirchner und Dr. Hans Weckel drehte er seine ersten Runden vom Ferienobjekt der Uni am Bakenberg bis Kap Arkona. Das war anregender als die vorher liegenden Versuche auf der Laufbahn und ließ bei ihm erstmals so etwas wie das „Laufen erleben“ oder gar „genießen“ aufkommen. Mit der erstmaligen Teilnahme seines Zwillingsbruders Paul 1977 am Rennsteiglauf war der Impuls gegeben, selber einen Wettkampf zu besuchen. 1978 nahm er beim 2. Kernberglauf erstmals die 25 Kilometerstrecke unter die Füße. Der Kernberglauf wurde ein fixer Termin in der Jahresplanung. Es gelang ihm seinen Bruder Paul zu überreden, auch mal in Jena zu starten. Insgesamt 10 Mal waren sie gemeinsam am Start. Umgekehrt schaffte es Paul, dass Martin auch beim Rennsteiglauf aktiv wurde. Anlässlich des 60. Geburtstages wurde ein gemeinsamer Start auf dem Rennsteig beim Halbmarathon vereinbart. Auch der Kyffhäuser-Berglauf wurde in das Wettkampfprogramm aufgenommen. Regelmäßige Familientreffen fanden dann sowohl beim Rennsteiglauf und beim Kernberglauf statt. Zusätzlich besuchte Martin den Eisenberger Mühltallauf, den Schwarzatallauf, den Hermsdorfer Holzlandlauf, den Lobdeburglauf und andere. Mit 26 Kernbergläufen gehört Martin zum „Club 25“, eine Besonderheit des Kernberglaufs, womit er eine personengebundene Startnummer erhalten hat und kostenlos starten könnte. Aus gesundheitlichen Gründen kann er aber heute nur noch Wandern. Paul hat inzwischen noch einen 11. Kernberglauf absolviert und sammelt weiter Rennsteigläufe, wo er inzwischen den 36 registrieren konnte

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Paul (links) und Martin 1997 im Ziel beim Rennsteiglauf in Schmiedefeld.

In: Thüringische Landeszeitung vom 4. Januar 2017 Nr. 522

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige