Rennsteiglaufhistorie
Mehr Jenaer Studenten beim Rennsteiglauf

Es dauert immer ein paar Wochen, bis die endgültige Auswertung des Rennsteiglaufs vorliegt. Jetzt kann man die korrigierte Ergebnisliste und die Studentenwertung im Internet „runterladen“. Dabei ergibt sich für Jena, dass die Anzahl der erfolgreichen Rennsteigläuferinnen und Rennsteigläufer leicht von 255 auf 277 gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. In der Studierendenwertung ist der Zuwachs prozentual noch höher. So erreichten in diesem Jahr 12 Studierende (2018=6) der Fachhochschule und 85 (2018=46) der Uni bei den drei Hauptläufen, für die es eine Studentenwertung gibt, das Ziel in Schmiedefeld. Fünf von ihnen kamen sogar aufs „Treppchen“: Rene Trillitsch wurde Zweiter und Jasmin Nachtwey Dritte beim Halbmarathon. Auf der Königsstrecke über 73,9 Kilometern wurden Johannes Fritsch und Pia Ponnath Zweite und Jana Seel Dritte. Die Uni Jena führt wieder die Liste der Hochschulen mit den meisten Startern an.
Die Tradition der studentischen Laufbewegung in Jena beginnt bereits Anfang der 1970er Jahre, als in der DDR die „Lauf Dich gesund-“ und später die „Meilenlaufbewegung“ initiiert wurden. 1971 ging erstmals eine Handvoll Studenten und ein Weimarer Oberschüler gemeinsam mit ihrem Übungsleiter, der Assistent an der Sportwissenschaft war, auf dem Rennsteig an den Start. In der Presse wurde dies als I. Rennsteigdauerlauf über drei Etappen deklariert. Alle waren von Haus aus Orientierungsläufer und starteten früher für die BSG Lok Weimar und dann für die HSG Uni Jena. Daraus entstand der GutsMuths Rennsteiglauf, 1973 mit vier, 1974 mit sieben und 1975 mit sechzehn Studenten und jeweils mit dem Autor der Artikelserie. 1975 waren fast alle 16 Jenaer Studenten zusätzlich an der Organisation des Rennsteiglaufs beteiligt, bei dem es eine Studierendenwertung für die lange Strecke gab. Unter den 830 ins Ziel gekommenen Läuferinnen und Läufern wurden 104 Studenten registriert. Sieger in dieser Wertung wurde der Olympiasieger über 50-Kilometer-Gehen, Christoph Höhne. Mit der Beendigung des Studiums der Gründergeneration des Rennsteiglaufs, gingen die studentischen Laufaktivitäten an der Uni Jena zunehmend auf die Abteilung Studentensport über, wo beginnend mit Manfred Rosemann, später Manfred Thieß, Alfred Wehner, Dr. Betina Justus und ab 1988 Dr. Hans-Georg Kremer studentische Laufgruppen erfolgreich organisiert wurden. Auf die 1975 ins Leben gerufene Laufgruppe der HSG (heute USV), soll hier nicht weiter eingegangen werden, da damals kaum Studierende Mitglieder waren.
Alfred Wehner war es vorbehalten, die ersten eigenständigen studentischen Laufwettkämpfe, wie die Bezirks- und später Thüringer Studentenmeisterschaften zu organisieren. Dazu kamen noch Stundenläufe und von der FDJ (Freien Deutschen Jugend) der Sportwissenschaft durchgeführte Cross- und Friedensläufe. Die jährlich für alle Studierenden als Pflichtveranstaltung in der Oberaue durchgeführten Crossläufe fielen ab 1990 mit der Abschaffung des „Pflichtsports“ ersatzlos weg und auch der Zuspruch zu den Laufgruppen nahm deutlich ab. Neue attraktivere Formen wurden notwendig, um für den Ausdauerlauf zu werben. Dass, was vorher vor allem von der Abteilung Ausdauerlauf der HSG praktiziert wurde, der jährlich einmal startende Anfängerlaufkurs, wurde übernommen und vor allem von studentischen Übungsleitern sehr erfolgreich praktiziert. Die Kombination mit landeskundlichen Erklärungen auf den Laufstrecken war sehr beliebt. Was von Beginn an sehr gut angenommen wurde, war die Kombination des Lauftrainings mit anschließendem Saunabesuch. Der Hochschulsport hatte nach 1990, die bis dahin als Gemeinschaftsanlage mit dem Schott und dem
Jenapharm betriebenen Sportstätten in der Oberaue übernommen, wozu auch eine einfache Sportlersauna gehörte. Dr. Betina Justus und Dr. Hans-Georg Kremer schufen als Übungsleiter die Möglichkeit des Saunabesuchs nach dem Lauftraining, was mit der Inbetriebnahme der USV-Sporthalle an den Teufelslöchern in die dort befindliche modernere Sauna umzog. Bis zu 20 Studierende nahmen besonders im Wintersemester dieses Angebot gerne wahr, auch weil es studierendenfreundliche „Preise“ hatte. Der Versuch von dem aus Prag stammenden Laufübungsleiter Ondrej Stranik, diese Idee wieder aufzunehmen, wurde leider mit folgenden Worten: „…wir (haben) uns im Team des Hochschulsports dafür entschieden, Kurse nicht mit der Kombination „Sauna“ anzubieten…“ abschlägig beschieden.
Da man Ausdauerlauf immer und fast überall allein betreiben kann und die Anforderungen an Sportstätten sich meist auf eine Umkleidemöglichkeit reduzieren, war die Kombination mit dem Saunabesuch eine Möglichkeit zusätzliche Kapazitäten für den Hochschulsport zu schaffen. Die Kombination von gezielten Trainingsplänen und dem Saunabesuch in Vorbereitung auf beliebte Wettkämpfe gehörte in dieses Werbekonzept. Dafür wurde auch die „alte“ Idee einer Studierendenwertung beim GutsMuths-Rennsteiglauf, der ja als „Urjenaer“ Studententradition gilt, wieder aufgenommen. Nachdem die Uni Jena hier die Koordinierung und Werbung an die Uni Erfurt abgegeben hat, wurde das Konzept sogar erweitert und der Rennsteig-Marathon als Thüringer Hochschulmeisterschaften ausgeschrieben. Als „offene mitteldeutsche Hochschulmeisterschaften“ wird der Jenaer Kernberglauf gewertet, an dem jährlich bis zu 150 Studierende teilnehmen.
Als kleine, auch für die studentischen Laufgruppen gedachte Wettkampfform, zählt noch der immer Anfang Juli organisierte Spitzberglauf, was aber eine andere Geschichte ist.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Aus dem Fotoarchiv Kremer stammt dieses Foto von der Jenaer Studentengruppe am Start des 3. Rennsteiglaufs 1975.
In: Thüringische Landeszeitung vom 14. August 2019 Nr. 649

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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