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Rennsteiglauf 2017 Nachlese

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Zum zweiten Mal „nur“ Zweiter

Als der aus Jena stammende, international erfolgreiche Triathlet Steffen Justus beim diesjährigen Rennsteiglauf nach 1.11.12 Stunden ins Ziel kam, musste er sich mit dem zweiten Platz, wie beim Kinderlauf 1993, diesmal beim Halbmarathon begnügen. Gewonnen hatte Samsom Tesfazghi Hayalu der aus Eritrea stammt. Vielleicht hätte Justus sogar gewinnen können, wenn er, wie bei internationalen Wettkämpfen üblich, als Favorit in der erste Startreihe gestanden hätte. Bei Thüringens größtem Volkssportlauf bekommt man seinen Startplatz nach der Vorjahreslaufzeit und muss sich, wie im konkreten Fall Steffen Justus an tausenden Läuferinnen und Läufern vorbei schlängeln. Am Ende steht dann zwar die die Nettolaufzeit von Start- bis Ziellinie zu Buche, ein Start aus der vordersten Reihe bringt allerdings deutliche Vorteile.
Ob Justus tatsächlich die 2 Minuten und 23 Sekunden auf den Sieger geschafft hätte, soll offen bleiben. Er konnte sich aber über einen Sieg in der Altersklasse 35 freuen.
Der Kinderlauf, der jetzt als „Junior-Cross“ mit der 25. Auflage ein kleines Jubiläum hatte, wurde nach einem in Jena entwickelten „Langzeitkonzept“ zur weiteren Entwicklung des Rennsteiglaufs 1992 konzipiert. Die politische Wende 1989/90 in der DDR brachte auch für den bekanntesten Landschaftslauf des Ostens viele neue Herausforderungen. Sportwissenschaftler der Jenaer Uni, Organisatoren vor Ort und das damalige Präsidium wollten mit dem Konzept eine weitere positive Entwicklung und ein Stopp der stark rückläufigen Teilnehmerzahlen erreichen. Der Halbmarathon, jetzt die zahlenmäßig am stärksten besetzte Strecke (über 7000 Meldungen 2017), der Kinderlauf, über 1000 Meldungen und verschiedene Wanderstrecken sorgten dafür, dass sich der Rennsteiglauf zum bedeutendsten Breitensportereignis in Thüringen und zu einem der größten Läufe in Europa entwickelte. Für den ersten Kinderlauf hatte übrigens der damalige Thüringer Landwirtschaftsminister Volker Sklenar (Absolvent der Jenaer Uni) die Schirmherrschaft übernommen.
Gesamtsieger aus Jena sind in den Rennsteiglaufanalen ewigen Bestenliste mehrfach zu finden. Abgesehen von den Gründern aus den Jahren 1973 und 1974 sind hier u. a. zu nennen: - Der ehemalige Jenaer Mathe-Student Dietmar Knies, der vier Mal die Königsstrecke von Eisenach nach Schmiedefeld schaffte. Beim fünften Sieg scheiterte er am Protest des Zweitplatzierten. Knies war durch einen Fehler des Führungsmotorrades von der Strecke abgekommen. Der Motoradfahrer, der sein schlechtes Gewissen beruhigen wollte, fuhr ihn nicht nur zurück an die Strecke sondern auch noch an die Spitze, was zu besagtem stattgegebenen Protest führte. - Mit drei Siegen steht Jenaerin Heidrun Pecker in den Annalen des Supermarathons. Sie ließ sich auch nicht von einigen Pferden beunruhigen, die ausgebrochen waren und ins Läuferfeld stürmten. Heidrun Pecker, selbst Reiterin, konnte sogar einige einfangen und von der Laufstrecke führen, um dann wieder an die Spitze zu laufen und ungefährdet zu gewinnen. - Andere Gesamtsieger aus Jenaer waren u. a. Angela Nüske, Hendrik Heisch und Alexander Fritsche. Auch die überlegene Siegerin des diesjährigen Marathons mit neuer Bestzeit, Nora Kusterer, kann man dazurechnen, da sie an der Uni studierte. Ihr folgte auf Platz zwei die ehemalige Studentin Daniela Oemus, die im Vorjahr die Lange Strecke in Rekordzeit gewann.
Nicht ganz so weit vorne landete die Medizinstudentin Doreen Ullrich 2011. Sie gewann die Studentenwertung. In der Gesamtwertung auf der Königsstrecke wurde sie als Dritte aufs Siegerpodest gerufen. Dann gab es einen unsportlichen und für den Rennsteiglauf völlig untypischen Auftritt von Marion Braun (Germania Eicherscheid), die in rüder Art und Weise die deutlich jüngere Doreen Ullrich regelrecht anschrie, wieso sie auf Platz drei gelandet sei. Marion Braun war sonst eher durch sportliche Leistungen bei Ultraläufen aufgefallen. Diesmal schien sie den fünf Sekundenvorsprung, der fast dreißig Jahre jüngeren Doreen Ullrich nicht hinnehmen zu wollen. Trotzdem führten die Organisatoren entsprechend ihrer eigenen Ausschreibung und ihrer volkssportlichen Grundeinstellung die Siegerehrungen nach Nettozeit durch. Im Nachgang bekam Doreen Ullrich dann ein Schreiben aus Schmiedefeld, indem es hieß, dass auf „…Grund einer Reklamation von Frau Marion Braun betreffs des dritten Gesamtplatzes...folgende Entscheidung getroffen (wurde): Entsprechend unserer Wettkampfordnung zählt bei den Gesamtsiegern der Läufe für die Plätze 1-3 der Zieleinlauf. Daraufhin haben wir…die Bruttolaufzeit in die Wertung genommen, womit sich die Platzierung auf den Plätzen 3-5 bei den Damen im Supermarathon wie folgt ändert: 3. Braun, M., 4. Wagner, J., 5. Ullrich, D.“ Damit wurden Regelungen des Leichtathletikverbandes für Meisterschaften durchgesetzt, die bis dahin nicht mal den meisten Rennsteiglauforganisatoren bekannt waren. Doreen Ullrich verzichtete auf einen weiteren Rechtsstreit und bekam von einem namhaften Sportartikelhersteller, der damals Sponsor war, einen „Fair-Play-Preis“ mit einem Warengutschein, der wertvoller war als die Preise aller Hauptsiegerehrungen zusammen. Heute findet man Doreen Ullrich mit Marion Braun zusammen auf Platz drei in der Siegerliste von 2011. Letztere findet man seitdem nicht mehr beim Rennsteiglauf während Ullrich, diesmal mit Ehemann Ronny (30), Sohn Emil (3) und Sohn Lewin (1/2) zum 16. Mal dabei war. Vielleicht werden die beiden Sprösslinge von ihr auch mal beim „Kinderlauf“ starten?!
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Steffen Justus (rechts) auf dem Siegerpodest 1993 beim 1. Kinderlauf.

In: Thüringische Landeszeitung vom 24. Mai 2017 Nr. 539

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