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Jenaer Sporthistorie
"Sportfeste" sind eine Tradition des USV Jena

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Der USV Jena ist der größte Mehrsparten-Sportverein Thüringens. Mit mehr als 3500 Mitgliedern in 27 Abteilungen und fast 20.000 jährlichen Einschreibungen im Hochschulsport, welche neben den Uni-Angehörigen im Prinzip der gesamten Bevölkerung Jenas zur Verfügung stehen. Die Abteilung Fitness- und Gesundheitssport, die zwei vereinseigene „Fitnessräume“ betreibt, ist dabei mit mehr als 600 Mitgliedern die größte Abteilung. Dieser folgen die Abteilungen Tennis und Seniorensport mit mehr als 400 Mitgliedern. Letztere plagt derzeitig „Nachwuchssorgen“. Eine kleine Arbeitsgruppe hat daher einen Werbetext erarbeitet, mit dem neue Mitglieder für den Seniorensport gewonnen werden sollen.
Dazu schreiben die Initiatoren unter anderem: „In der Sporthalle hinter dem ehemaligen Hotel „Nollendorfer Hof“, in der Schwimmhalle Lobeda, im Unisportzentrum und in der USV-Sporthalle findet man in den verschiedenen Gruppen (Gymnastik; Wassergymnastik, Smisek-Körperstabilisierung, Nordic Walking, Tischtennis u.a.) viele Anregungen zum Mitmachen. Zur ersten Kontaktaufnahme ist in der Regel von Montag bis Freitag, vormittags, der Nollendorfer Hof die beste Adresse. Es besteht weiterhin die Möglichkeit zur Teilnahme an sportlichen Wanderungen im Abstand von vier Wochen. Ein Höhepunkt des Senioren-Sportjahres sind die Alpenwanderungen im Herbst eines jeden Jahres.
Unsere Abteilung Seniorensport im USV Jena ist eine der größten ihrer Art in Thüringen. Sie bietet vielfältige sportliche Möglichkeiten für alle Seniorinnen und Senioren, welche sich fit halten möchten. Unsere Gruppen werden von qualifizierten Übungsleitern durchgeführt. Die Kurse werden von den Krankenkassen als Gesundheitssport anerkannt.“
Auch andere Abteilungen des USV werben um Mitglieder, hier allerdings vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Lediglich in der Abteilung Fitness- und Gesundheitssport gab es in diesem Jahr mal einen Aufnahmestopp, da die räumlichen Kapazitäten ausgeschöpft waren.
Eine wichtige Form der „Öffentlichkeitsarbeit“ ist die Teilnahme und Organisation von Wettkämpfen und die dazugehörende Pressearbeit. Besonders aktiv sind hier z. B. Orientierungslauf (OL), Tennis, Rugby, Judo, Kegeln, Basketball, Tischtennisspiel, Volleyball. Auch „junge“ Abteilungen, wie Floorball und Ultimate Frisbee organisieren interessante und über die Stadtgrenzen reichende Wettkämpfe. Dies hat beim USV Jena eine mehr als 100jährige Tradition.
1911 gegründet, organisierte bereits ein Jahr später die „Akademische Abteilung“, heute würde man sagen der „Hochschulsport“, damals mit 85 Mitglieder unter Leitung des Studenten Oskar Leonhardt, das „I. Akademische Olympia“. Das war bis dahin der größte Leichtathletikwettkampf Thüringens, der gleichzeitig als letzte Olympiavorbereitung für die deutschen Teilnehmer an den Spielen von Stockholm galt. Dieser Wettkampf fand mit Unterbrechung während des I. Weltkrieges bis Ende der 1930er Jahre statt, dann allerdings unter der Bezeichnung „Kampfspiele“, zu denen sich regelmäßig die besten Leichtathleten Deutschlands trafen.
Nach Wiedergründung, 1949 als Hochschulsportgemeinschaft (HSG, heute USV) begann es mit einem ähnlichen Paukenschlag: Anfang August 1950 übernahmen die Unisportler, die für Berlin geplanten 1. DDR-Studentenmeisterschaften in der Leichtathletik. Die Gesamtleitung übernahmen mit Heinz Birkemeyer und Artur Linß Spitzenfunktionäre der Thüringer Leichtathletik. Ab den 1970er Jahre fanden dann alle fünf Jahre die DDR-Studentenmeisterschaften in der Leichtathletik in Jena statt.
Auf den GutsMuths-Rennsteiglauf, wo der USV (damals HSG) zu den Gründern gehört, den Kernberglauf und den 24-Stunden-OL soll hier nicht weiter eingegangen werden.
Von den Teilnehmerzahlen müssen die DDR-Studentenspartakiaden besonders hervorgehoben werden. Nach Vorbildern aus der Sowjetunion wurde im Juli 1952 die erste Spartakiade der Sportvereinigung (SV) Wissenschaft in Jena organisiert. Außer der Leichtathletik gab es noch Wettkämpfe im Tennis und im Basketball. Von der 20köpfigen Jenaer Leichtathletikgruppe waren Paul Dern jeweils Zweiter über 1500 und 3000 Meter, Harro Voss als Dritter über 400 Meter Hürden, Key als Zweiter über 100Meter und Ude als Dritter über 10.000 Meter am erfolgreichsten.
Diese Spartakiade-Idee wurde nach der Auflösung der Sportvereinigungen Anfang der 1960er Jahre wieder aufgenommen. Im Sommer 1962 fand die 2. Studentenspartakiade der Hoch- und Fachschulen in der Leichtathletik, Gymnastik, Gerätturnen, Basketball, Handball, Fechten, Judo, Fußball, Tischtennis, Volleyball in Jena statt. An die 3000 Wettkämpfer waren am Start. Fünf Jahre später, 1967 gab es eine Fortsetzung als „DDR-Studentenspartakiade - 2. Zentrale Leistungsschau der Studenten auf sportlichem Gebiet“ mit 2150 Teilnehmern. Leiter der Organisationsbüros waren Heintz Keitz und der kürzlich verstorbene Siegfried Stange.
Nach 1990 muss man unter den großen Sportfesten auf jeden Fall noch das von Wolfgang Lecht ins Leben gerufene Hanfried-Turnier mit bis zu 2.000 Aktiven nennen, welches allerdings heute nicht mehr ausgetragen wird.
Nicht auf die Fahnen des USV kann man das am Wochenende in Rudolstadt organisierte „GETTING TOUGH - The Race“ heften, hatten doch die Funktionäre des USV in der Gründungsphase dieses „Laufs“ einen Beitritt der aus Jena stammenden Organisatoren zum USV abgelehnt. Das ist aber eine andere Geschichte.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Aus dem Fotoarchiv Kremer stammt dieses Foto von der Eröffnung der Studentenspartakiade 1952 im Ernst-Abbe-Stadion.

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