Jenaer Sportgeschichte und Hermann Peter
Sportstätten nur in der Oberaue gut aufgehoben

Im letzten Beitrag haben wir u. a. auf Constantin Helmrich aufmerksam gemacht, der keinen Eingang in das sehr umfangreiche Lexikon der Stadtgeschichte gefunden hat. Einen ausführlichen Artikel über ihn und vor allem seinem Wirken als Bibliothekar des Thüringischen Oberlandesgerichts gibt es von Hiltrud Harborth im „Almanach 2017“. Heute wollen wir noch mal auf einen der wenigen „Sportler“ hinweisen, die verdienter Weise im Lexikon der Stadtgeschichte erscheinen, Hermann Peter. Über sportliche „Meriten“ des 1856 in Bechstedtstraß bei Erfurt Geborenen ist nichts überliefert. Es wird aber angenommen, dass er zu den Spielern des bereits 1890 erwähnten Jenaer Fußballvereins gehörte und er eventuell sogar beim ersten offiziellen Spiel 1893 in der Jenaer Mannschaft mitspielte. Da er als Turnlehrer am Gymnasium wirkte, ist eine turnerische Betätigung zumindest während der Ausbildung vorauszusetzen.
Hermann Peters überragende Bedeutung liegt aber vor allem in seiner Rolle als Sportfunktionär. Ohne sein Wirken als stellvertretender Vorsitzender des Spielplatzvereins würde es heute die größten Sportstätten Jenas in der Oberaue nicht geben. Vereine wie der FC Carl Zeiss, der USV Jena, der FF USV Jena, der SV Motor Schott bis hin zu dem Bogensportlern sind aus heutiger Sicht zu ewigem Dank an Hermann Peter verpflichtet. Anlässe ihm zu Ehren, die allerdings verpasst wurden, gab es in diesem Jahr schon mehrere. So war am 3. Juni sein 90. Todestag. Auch die Einweihung der Sportstätten des USV nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten wären ein guter Anlass gewesen, dem Begründer der Anlage mit einem kleinen Blumenstrauß zu gedenken, zumal jetzt mit dem Gedenkstein auf der Tennisanlage ein entsprechender Erinnerungsort vorhanden ist. Spätestens zum 21. November könnte eine Ehrung von Hermann Peter nachgeholt werden, denn dann jährt sich zum 125. Mal die Eintragung des Vereins zur Herstellung eines Spielplatzes ins Vereinsregister. Der Verein wurde als Genossenschaft mit beschränkter Haftung eingetragen. Gegenstand des Unternehmens war: „daß behufs Förderung der Bewegungsspiele in Jena Grundstücke zur Herstellung eines Spielplatzes, zu Spielen dienliche Geräthe, Gelasse zur Aufbewahrung der letzteren, und dergleichen beschafft und auf gemeinschaftliche Rechnung verwertet werden…Mitglieder des Vorstandes sind: Prof. Dr. L. Knorr, Kaufmann G. Netz und Turnlehrer H. Peter hierselbst“ kann man in einer Zeitungsnotiz lesen.
Sporthistorische Recherchen ergaben in der letzten Zeit weitere Details aus dem Leben und Wirken von Hermann Peter, die teilweise in der 22. Ausgabe der „Hauspublikation“ des Instituts für Sportwissenschaft, den „Jenaer Beiträgen zum Sport“ veröffentlicht wurden.
Darunter befindet sich auch ein umfangreicher Artikel von Hermann Peter vom 30. März 1894 unter dem Titel „Vom neuen Spielplatze“. Darin begründet er, warum die Anlegung eines „Spielplatzes“ in der Oberaue richtig gewesen war. Hermann Peter hatte offensichtlich einen „guten Draht“ zur Jenaischen Zeitung, wie sich schon in Vorbereitung des ersten Fußballspiels 1893 gezeigt hatte. Damals konnte er zwei lange Artikel unterbringen in denen ganz ausführlich die Regeln für diesen neuen Sport und dann auch der Ablauf des Spiels geschildert wurden. Sein Artikel von 1894 liest sich als umfangreiche Begründung, warum der neue Sportplatz, von Hermann Peter meist als Spielplatz im Sinne von sportlichen Spielen, nur in der Oberaue angelegt wurde konnte. Die ins Auge gefassten Wiesen erfüllten schon damals alle Anforderungen an Größe, Entfernung von der Stadt und nötigen finanziellen Aufwendungen, wird von Hermann Peter begründet. Dies lässt darauf schließen, dass es gegen diesen Standort Bedenken bei der Jenaer Bevölkerung gab. Vor allem dürfte die Erreichbarkeit, damals war die nächstliegende öffentliche Brücke über die Saale, die Camsdorfer Brücke. Bei Nutzung der näher gelegenen Schützenbrücke, etwa dort, wo heute die Paradiesbrücke steht, musste man ein Brückengeld zahlen. Hier argumentiert Hermann Peter, dass mit dem Schützenverein als privatem Eigentümer dieser Brücke günstige Bedingungen für die Nutzer des Spielplatzes ausgehandelt worden wären. Als weiteren Grund nannte Hermann Peter: „Der neue Spielplatz hat nach der Ansicht einiger den Nachtheil, das er nicht im Jenaer, sondern in Wenigenjenaer Flur liegt.“ Hier trifft Hermann Peter den Nagel auf den Kopf, wenn er dagegen argumentiert: „Die überkommene lokalpolitische Trennung der beiden Theile (Jena und Wenigenjena) ist für die Spielplatzangelegenheiten bis jetzt nicht nachtheilig gewesen; es läßt sich auch nicht erkennen, in welcher Weise sie späterhin nachtheilig werden könnte.“
Ein völlig andres Kapitel zur Wirkung von Hermann Peter ist seine vierjährige Mitgliedschaft im Jenaer Stadtrat von 1906 bis 1909. In einem Sitzungsprotokoll des Gemeinderats vom 22. Juni 1907 wurde der Antrag des Schwimmvereins Poseidon behandelt. Dieser war an die Stadt um die Stiftung eines Wanderpokals für ein Nationales Schwimmfest herangetreten. Die Kosten lagen bei 20Mk. Als ein Punkt in der Begründung führte „Poseidon“ an, dass er ja jährlich 50 Freiplätze für unbemittelte Bürgerschüler für den Schwimmunterricht im Verein zu Verfügung stellen würden. Der Gemeinderat lehnte letztendlich den Antrag mit der Begründung ab, dass dann ja alle Vereine ähnliche Anträge stellen könnten. Hermann Peter setzte sich vehement für den Antrag ein. „Er wäre sogar dafür, wenn es fünf Schwimmvereine gäbe, allen Pokale zu stiften“. Seine Stimme blieb aber die Einzige für den Antrag.
Dr. H. Kremer
Bildunterschrift: Aus der Postkartensammlung von Wieland Knetsch stammt dieses Foto verm. vom Schwimmverein Neptun im Bad am Eisrechen um 1910.

In: Thüringische Landeszeitung vom 29. August 2018 Nr. 601

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