GutsMuths-Rennsteiglauf
Traditionen des GutsMuths-Rennsteiglaufs

Wie schon häufig beschrieben, liegen die Wurzeln des GutsMuths-Rennsteiglaufs bei den Orientierungsläufern der BSG Lokomotive Weimar und der Hochschulsportgemeinschaft (HSG, heute USV) Uni Jena. Bei der ersten Auflage 1973 war es die HSG, die die vier Gründungsläufer vor allem finanziell unterstützte. 1974 war dann schon der Bereich Sportmedizin der Sektion Sportwissenschaft der Uni unter Leitung von Dr. Jochen Scheibe an der Vorbereitung und medizinischen Kontrolle der Jenaer Teilnehmer involviert. Spätestens bei der Planung und Durchführung des 3. GutsMuths-Rennsteiglaufs 1975 haben dann verschiedene Bereiche des heutigen sportwissenschaftlichen Instituts an der Entwicklung dieses Laufes, dessen Teilnehmerzahl schlagartig von 12 auf fast 1000 gestiegen waren, mitgewirkt. Prof. Dr. Willi Schröder, Sporthistoriker und Vorsitzender der Unisportkommission hatte damals die Schirmherrschaft übernommen. Einer seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte war die Traditionspflege im Sport, wobei er das Spezialgebiet pflegte, welches sich mit der Rolle und Bedeutung von Johann Christoph Friedrich GutsMuths für die Turn- und Sportentwicklung in Deutschland auseinandersetzte.
Nachdem die Gesamtleitung des Rennsteiglaufs ab 1976 schrittweise von Jena nach Goldlauter übertragen wurde, waren es vor allem Fragen der Wissenschaft, der Traditionspflege, der Werbung und der Öffentlichkeitsarbeit, die von HSG-Ausdauerläufern und Sportwissenschaftlern in einer eigenständigen Arbeitsgruppe, als Bereich Agitation und Propaganda bezeichnet, bearbeitet wurden. Dazu gehörte zum Beispiel:- dass der 3. Rennsteiglauf sein Meldezentrum in der Salzmann-Oberschule in Schnepfenthal hatte, - dass später der Rennsteiglauf Aufnahme in das Schulmuseum fand und - dass eine Ehrentafel vor dem Museum für die Gesamtsieger aufgestellt wurde, wo jedes Jahr die Sieger eingetragen wurden. Diese vom Holzgestalter Klaus Hermann aus Crimmitschau geschaffene Lindenholz-Steele, mit dem stilisierten Profil des Rennsteigs, die nach dem Vorbild der Meritentafel der Salzmannschule konzipiert wurde, sollte Museumsbesucher ständig auf den Rennsteiglauf aufmerksam machen. Ob dieses hochwertige Kunstwerk nach der Neugestaltung des Schulmuseums noch eine Rolle spielt, ist nicht bekannt. Dafür gibt es jetzt ein Traditionskabinett in der „GutsMuths-Sporthalle“ in Schnepfenthal.
Ein weiteres Beispiel für die Traditionspflege war die „Ernennung“ der regelmäßig teilnehmenden Läufer zu „Rennsteiglauf-Traditionsläufern“. Beginnend 1984 konnten sich Läuferinnen und Läufer beim Organisationskomitee anmelden, die zehn Rennsteigläufe erfolgreich absolviert hatten. Dafür bekamen sie eine Urkunde und als sichtbares Zeichen eine kleine Anstecknadel, welche von der Geraer Künstlerin Angelika Schütt gestaltet worden war. Außerdem gab es einen Startgeldrabat. 1994 wurde dann die erste Auflage des „Who is Who“ auf dem Rennsteig, wo die Traditionsläuferinnen und Läufer mit mindestens 20 erfolgreichen Teilnahmen verzeichnet wurden, herausgegeben. Von diesem Buch gab es insgesamt bis 2016 acht Fortsetzungen mit Kurzbiografien von Rennsteig-Traditionsläuferinnen und –läufern. Allen Traditionsmitgliedern wurde auch die Mitgliedschaft im GutsMuths-Rennsteiglaufverein ohne Aufnahmegebühr angeboten.
Von Seiten der Rennsteiglauforganisatoren wurden seit 2000 die Traditionsläufer mit runden Jubiläen, wie 25, 30, 35 usw. Teilnahmen, nach dem Lauf zur Eintragung ins Ehrenbuch des GutsMuths-Rennsteiglaufs eingeladen.
Um auch für die Zuschauer und „normale“ Rennsteiglaufteilnehmer auf die Anzahl der bisherigen Teilnahmen aufmerksam zu machen, haben sich viele Starter inzwischen eigene Symbole einfallen lassen. Es begann mit der Mitführung aller Startnummern, z. B. als Kleidungsstücke, als Fahnen oder Transparente. Sehr beliebt sind noch heute Rücken-Aufschriften auf T-Shirts, die jährlich aktualisiert werden.
Überhaupt spielen die bedruckten Shirts beim Rennsteiglauf eine wichtige Rolle. Anfangs vor allem Werbung für den Rennsteiglauf, tragen sie seit den 1990 Jahren alle möglichen Botschaften, bis hin zur Erinnerung an verstorbene Laufgefährten, wie 2017, als eine Gruppe an den Rennsteiglaufmitgründer Hans-Joachim Römhild gedachte.
Eine besondere Form des Totengedenkens konnte man 2018 auf der Halbmarathonstrecke finden, als der Traditionsrennsteigläufer Rainer Schmidt aus Radebeul, zu seinem 35. Rennsteiglauf ein Fotos seines viel zu früh verstorbenen Verwandten, Denis Pondorf, mitnahm und ihm unterwegs die Strecke noch mal zeigte und erklärte.
Der aus Jena stammende Denis war durch seine Mutter Ulrike zum Rennsteiglauf gekommen. Sie hatte sich in Leipzig einer Laufgruppe angeschlossen, die auch regelmäßig beim Rennsteiglauf an den Start ging. Denis hatte schon fünfzehn Mal, meist auf der Marathonstrecke, am Rennsteiglauf teilgenommen. 2013 lief er auf der langen Strecke eine Zeit von etwas über neun Stunden. 2018 wollte er mit seiner Mutter zusammen auf die Marathonstrecke gehen und sich wie jedes Jahr im Ziel mit der ganzen Familie treffen. Anfang des Jahres traf den 41jährigen ein plötzliches Herzversagen, was zum sofortigen Tode führte.
Für 2019 hat sich Denis Mutter Ulrike, die auch schon weit mehr als 10 Rennsteigläufe hat, mit ihren zwei Enkeln für den Halbmarathon angemeldet.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Von Familie Pondorf stammt dieses Foto, wo Rainer Schmidt 2018 das Foto von Denis Pondorf beim Rennsteiglauf mitführt.

Thüringische Landeszeitung vom 27. Februar 2019 Nr. 627

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

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