Jenaer Sporthistorie
Zwei neue Bücher zu Jenas Historie erschienen

Nachdem im vergangenen Jahr Peer Kösling mit dem hervorragend recherchierten Buch „Gut Heil! Frei Heil! Sport frei“ – Turn- und Sportbewegung in Kahla“ eine wichtige Quelle auch für Jenas Sportgeschichtsschreibung veröffentlichte, folgten jetzt fast zeitgleich zwei Bücher zu ausgewählten Aspekten der Sporthistorie Jenas. Während Karlheinz Peml 2015 über die Leichtathletik beim SC Motor Jena schon eine Gesamtübersicht vorgelegt hatte, fasste Klaus Brendel seine bisherigen Forschungsergebnisse zur Leichtathletik besonders im SC Motor Jena für die Wurf- und Stoßdisziplinen zusammen. Er konnte sich dabei auf seine Veröffentlichungen in den Jenaer Beiträgen zum Sport stützen, wo er sich vor allem auf die Hammerwerfer konzentriert hatte. Der Titel seines Buches, das im Eigenverlag publizierte wurde, lautet: „Wurf und Stoß im SC Motor Jena“. Klaus Brendel, selber aktiver Hammerwerfer von 1965 bis 1973 beim SC Motor Jena, hat über 100 Sportlerinnen und Sportler und fast alle bekannten Trainerinnen und Trainer, die in den Wurf- und Stoßdisziplinen in Jena aktiv waren mit kurzen Biografien vorgestellt. Für die Meisten konnte er sogar Fotos ausfindig machen. Dabei stellte er auch einen Bezug zu den Anfängen der Leichtathletik in Jena schon vor dem 1. Weltkrieg her. Die Kugelstoß-, Hammer-, Speer- und Diskuswurf-Entwicklung wird dabei sehr anschaulich dargestellt. Auch Aktive aus den beiden großen Vorkriegsvereinen 1. Sportverein (1. SV) und Verein für Bewegungsspiele (heute USV) wurden berücksichtigt, sowie Sportlerinnen und Sportler aus der Zeit nach 1945, die bei den Betriebssportgemeinschaften (BSG) Zeiss, Schott und Chemie aktiv waren wurden berücksichtigt. Viele Namen kann man direkt in die Traditionslinie einbeziehen, auf die sich Jenas derzeitig erfolgreichster Leichtathlet, der Speerwerfer Thomas Röhler, berufen kann.
Das zweite Buch, „Spurensuche – Geschichte und Geschichten aus dem Jenaer Ortsteil Kernberge“ wurde von einem Autorinnen- und Autorenkollegium zusammengetragen und von André Nawrotzki herausgegeben. Es ist kein Sportbuch, sondern ist der Entwicklung des relativ jungen Wohngebietes am Fuß der Kernberge gewidmet, welches eigentlich erst um 1900 an Bedeutung für Jena gewann. Da sich aber in diesem Wohngebiet die größten Sportanlagen der Stadt befinden, gibt es auch einige Kapitel zur Sportgeschichte. Diese können natürlich nur Teilaspekte, wie z. B. den Bau der Universitätsturnhalle mit Landesturnanstalt (Muskelkirche) oder des Ernst Abbe Stadions berücksichtigen.
Schon allein für das Kernbergwohngebiet wäre eine eigene Publikation zur Sportgeschichte langfristig angebracht. Chronologisch gesehen wurde bereits 1893 der erste Sportplatz in der Oberaue angelegt. Bis Mitte der 1920er Jahre hatten die zwei größten Sportvereine (1. SV und VfB) und der zweitgrößte Turnverein, die Turngemeinde Jena (TG) auf dem heutigen Territorium des Ortsteils Kernberge ihren Sitz. Diese drei Vereine waren es auch, die jeweils „Stadien“ mit Laufbahn, Fußballplatz, Sprung- und Wurfanlagen in Eigenregie und mit eigenen Mitteln erbauten. Die Stadt Jena, die sich gerne, spätestens seit 1921 mit dem Titel einer „Sportstadt“ schmückte, besaß bis 1945 lediglich drei kleinere eigene Sportstätten und diese auch nur zeitweilig. Der „größte“ städtische Sportplatz, für den es allerdings um 1920 Vorstellungen zum Ausbau als städtisches Stadion gab, befand sich neben den Teufelslöchern. Hier bestanden 1 ½ Fußballplätze, die auf einer aufgeschütteten Müllkippe angelegt worden waren. Der zweite Platz lag auf der Ostseite des Brückenendes der Schützenbrücke. Nach dem Bau der Paradiesbrücke wurde dieser Platz auf etwa einen Fußballplatz und eine kleinere Nebenfläche reduziert. Er verlor in den 1930er Jahren an Bedeutung und wurde vor allem von den Jenaer Schulen genutzt, da er ähnlich wie an den Teufelslöchern keinerlei „Infrastruktur“ z. B. Umkleideräume o. ä. hatte. Ebenso erging es dem Fußballplatz am Wiesensteg in Wenigenjena, der von dem bisher kaum bekannten Turn- und Sportverein 1920 mit Sitz in Jena Ost und von Fußballklub Wacker, die beide zum Arbeitersportkartell gehörten mit gepachtet, gepflegt und gewartet wurde.
Die drei oben genannten Turn- und Sportvereine hatten ab Mitte der 1920er Jahre nicht nur ihre Sportstätten sondern auch ihre „Vereinsheime“ in der Oberaue erbaut. Dazu kamen neben weiteren Infrastrukturbauten bis hin zur Tribüne, Sozialbauten auch Orte der Traditionspflege. Sowohl der 1. SV als auch die TG hatten auf ihrem Gelände Kriegerdenkmäler für die gefallenen Vereinsmitglieder des I. Weltkrieges. Die Turngemeinde hatte nach alten Karten auch eine „Jahneiche“ gepflanzt, die allerdings, wie der gesamte Sportplatz dem Neubau der Schnellstraße nach Lobeda weichen musste.
Zur Traditionspflege gehört auch, dass das 2016 errichtete Denkmal für Jenas Sportpionier Hermann Peter erwähnt wird, dessen Wirkungsstätte von 1893 bis 1914 auf dem Gelände des heutigen Universitätssportzentrums lag. Die letzten 10 Lebensjahre, des vor 90 Jahren verstorbenen Hermann Peter, lebte er im Haus Dietrichweg 1, das zum Wohngebiet Kernberge gehört. Die Benennung einer Straße nach Hermann Peter ist eigentlich lange überfällig.
Berühmte Sportlerinnen und Sportler, wie Renate Stecher, Wolfgang Nordwig, Georg Buschner oder Paul Dern, die im Wohngebiet leben oder gelebt haben, wurden in dem Buch nicht weiter berücksichtigt.

Dr. H. Kremer

Bildunterschrift: Eine der letzten Medaillen, die der berühmte Medailleur Helmut König aus Zella-Mehlis geschnitten hat und in kleiner Stückzahl prägte, ist Hermann Peter gewidmet.

In: Thüringische Landeszeitung vom 30.5.2017 Nr. 589

Autor:

Hans-Georg Kremer aus Jena

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.