- Die Heyeröder - "Vorreiter" der politischen Wende

Logo der Heyeröder Kirmesgesellschaft e.V.

Im letzten Jahr des Bestehens der DDR und zwar zur "Großen Kirmes" 1989 ereignete sich folgendes:
Zum großen Frühschoppen am Kirmesmontag weilten drei, auf DDR- Tournee befindliche Volksmusiker aus der Steiermark als Gäste der Hainich- Musikanten in der Festhalle. Nachdem diese sich zu einer spontan geforderten Einlage bereitfanden, war die Stimmung auf dem Höhepunkt angelangt. Die Begeisterung der Anwesenden war so groß, daß sich der für 13:30 Uhr geplante Umzug der Burschen verzögerte.

Mitten in dieser Phase überbrachte ein "Bote" den Platzmeistern die Weisung zum sofortigen Abbruch der Veranstaltung nebst der Vorladung, schnellstmöglich im damaligen Rat der Gemeinde Heyerode persönlich zu erscheinen, zwecks Verhör durch die mittlerweile dort eingetroffene Kriminalpolizei. Die zunächst getroffene Entscheidung gegen die Folgeleistung wurde alsbald revidiert mit dem Entschluß, den geplanten Umzug durchzuführen und gemeinschaftlich, das heißt mit der gesamten Zahl der Kirmesburschen an der Stätte der Befragung einen demonstrativen Halt einzulegen.

Damit war dem Willen Ausdruck gegeben, den Platzmeistern solidarisch zur Seite zu stehen und damit in eingeschworener Gemeinschaft die Verantwortung zu tragen. Selbst der Bürgermeister stellte sich dieser Verantwortung gemeinsam mit den Burschen. Des weiteren fanden sich Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und des Männer- Kirmesvereins vom "Grünen Rasen", die sich dem Zug angeschlossen. Die zu jener Zeit noch als gefährlich einzuschätzende Situation erhielt durch gemeinsame Ausrufe, wie zum Beispiel: "Wir sind das Volk!" und "Wir bleiben hier!" besondere Prägnanz.

Der damit offenkundig gewordene Rückhalt für unsere Platzmeister und Vorstandsmitglieder im Verbund mit den sich rasch verändernden politischen Verhältnissen führte letztendlich dazu, daß weitere Konsequenzen ausblieben. Jedoch können die Heyeröder mit Fug und Recht für alle Zeiten behaupten, die erste Wendedemonstration im Eichsfeld durchgeführt zu haben.

Auf der am Folgetag abgehaltenen "Kirmesbeerdigung" befühlte der Kirmesprädiger bereits Eingangs den Kopfbereich der symbolisch auf die Leiter gelegten, abgedeckten "Bierleichen". Der Prediger begann seine Ausführungen mit den Worten:

"Ihr habt bemerkt, ich bin geschritten
wohl um die Trage in der Mitten,
um unsere hingeblich´nen Toren
zu befühlen bei den Ohren.
Selbst heute noch, so hat´s den Schein,
kann jedes Ohr...", Worauf der ganze Saal bereits antwortete:"... aus Gummi sein!"

Autor:

Lars Marx, Heyeröder Kirmesgesellschaft e.V. aus Mühlhausen

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